Petition mit 1.400 Unterschriften, Streit um zwölf Kröten-TunnelVollsperrung wegen Amphibientunneln: Anwohner in Bielefeld fürchten um ihre Existenz
Vier Monate Vollsperrung wegen zwölf Amphibientunneln, für Anwohner und Gewerbetreibende an der Dornberger Straße in Bielefeld ist das eine harte Zäsur. Postfilial-Betreiber Heiko Schüchter fürchtet sogar um seine Existenz.
Ausbleibende Kunden bedrohen Postfiliale
Schüchter lebt von Paket-Provisionen, doch die bleiben aus, weil Kunden wegen der großen Umwege fernbleiben. Er rechnet bereits mit der Entlassung einer Aushilfe und hat sich mit seiner Steuerberaterin beraten. Seine Einschätzung ist ernüchternd: Die vier Monate Sperrung werde sein Geschäft nicht überleben.
Tunnel sollen Ehrenamtliche ersetzen
Grund für die lange Bauzeit der Sanierung sind die zwölf geplanten Amphibientunnel. Sie sollen künftig übernehmen, was seit Jahrzehnten Ehrenamtliche erledigt haben: Naturschützer bauen an dieser Stelle traditionell Fangzäune auf und tragen die Tiere per Hand über die Straße, rund 3.000 Stück pro Jahr. Seit Montag (27.07.) ist deshalb ein Teil der Dornberger Straße gesperrt, die Umleitung beträgt rund 14 Kilometer und dauert etwa 25 Autominuten.
Auch Friseursalon spürt Kundenschwund
Auch Ela Atasoy, die im Salon ihrer Mutter arbeitet, bemerkt bereits, dass Kunden wegen der Sperrung wegbleiben. Gegen den Tierschutz an sich hat sie nichts einzuwenden. Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen die Art der Umsetzung. Erst eine Woche vor Beginn der Vollsperrung hatten Stadt und Straßen.NRW ausführlich über das Vorhaben informiert.
Petition mit 1.400 Unterschriften
Bereits vor Beginn der Sperrung hatte Familienvater Stephan Mönch Druck gemacht und eine Online-Petition gestartet. Unter anderem, weil sich dadurch Schulwege deutlich verlängern. Rund 1.400 Unterschriften kamen zusammen. Mönch berichtet, dass Alternativvorschläge seiner Gruppe relativ schnell und aus seiner Sicht arrogant abgelehnt worden seien.
Straßen.NRW verteidigt das Bauvorhaben
Straßen.NRW verteidigt die Maßnahme: Der Bau der Tunnel sei gesetzlich vorgeschrieben, eine Teilsperrung mit Ampelregelung sei nicht möglich. Auch das NRW-Verkehrsministerium stellt sich hinter das Projekt und erklärt, beim Straßenbau oder bei Sanierungen müsse zugleich der Natur Rechnung getragen werden.
FDP fordert schnellere Alternative
Kritik kommt hingegen von der FDP. Christof Rasche, verkehrspolitischer Sprecher der NRW-FDP, rechnet vor: Ohne die Tunnel hätte die Bauzeit lediglich 14 Tage betragen, mit ihnen dauert sie vier Monate. Für die Anlieger eine Katastrophe, wie er es nennt. Er schlägt vor, notfalls nur die Hälfte der Tunnel zu bauen, um die Bauzeit zu halbieren. Straßen.NRW lehnt das schriftlich ab: Wenige Tunnel mit großen Abständen würden ihre Funktion nicht erfüllen. Insgesamt investiert die Behörde rund 1,7 Millionen Euro in das Projekt. Wie viel davon allein auf die Tunnel entfällt, wollte Straßen.NRW auf Nachfrage nicht mitteilen.

































