Blick hinter die Kulissen der Logistik im HintergrundTunnel unterm Kölner Hauptbahnhof – so werden die ICE-Bordrestaurants versorgt
Wer am Kölner Hauptbahnhof in einen ICE steigt, ahnt wohl kaum, was sich acht Meter unter den Gleisen abspielt. Durch einen jahrzehntealten Tunnel werden dort täglich die Bordrestaurants der Fernzüge mit Essen und Getränken versorgt. Doch Verspätungen, Gleiswechsel und geänderte Wagenreihungen machen die Arbeit für die Logistiker immer wieder zum Wettlauf gegen die Zeit.
300 Meter langer Tunnel unter Kölner Hauptbahnhof
Ein Tunnel aus Kaiserzeiten, umfunktioniert für die Zugverpflegung von heute. Unter der Kölner Innenstadt läuft ein logistisches Wettrennen gegen Verspätungen und Gleiswechsel – jeden Tag, für jeden ICE. In acht Metern Tiefe unter dem Hauptbahnhof liegt ein 300 Meter langer Tunnel, den kaum ein Reisender kennt. Er verbindet den Bahnhof mit der ehemaligen Postzentrale. Früher rollten dort Briefe und Pakete zu den Zügen. 1997 stellte die Post auf Lastwagen um. Seitdem nutzt die Deutsche Bahn den Tunnel für einen anderen Zweck: die Versorgung der ICE-Bordrestaurants.
Ein Bahnhof unter dem Bahnhof
Zwischen den bekannten Bahnsteigen liegen weitere, unauffällige Ebenen. Ohne Schilder, ohne Nummern, für normale Reisende unzugänglich. Dort verkehren nur die kleinen Elektrozüge der Warenlogistik. 62 Mitarbeiter versorgen von dort aus die Fernzüge mit Lebensmitteln – bis zu 600 verschiedene Artikel gehören zum Sortiment. Nur Fassbier gibt es nicht mehr für die Bordrestaurants. Die Zapfanlagen wurden aus Kostengründen abgeschafft. Sie stehen nur noch der VIP-Lounge zur Verfügung. Standortleiter Wolfgang Thelen beschreibt die größte Herausforderung: „Wenn die Züge pünktlich fahren, dann haben wir kein großes Problem.“ Doch der reale Bahnbetrieb sieht oft anders aus: Zugreihungen ändern sich, Gleise werden kurzfristig gewechselt, Züge kommen parallel an, obwohl sie hintereinander geplant waren. Für die Teams auf dem Tiefbahnsteig bedeutet das, sie müssen ständig improvisieren – wenn es die Zeit noch zulässt.
Wettlauf gegen die Wagenreihung
Akram Kamel Basan ist seit zwei Jahren im Team. Er erlebt diese Hektik regelmäßig. Bei einer Lieferung fährt der falsche ICE ein, kurz darauf wechselt der richtige Zug spontan das Gleis. Die Beladung muss abgebrochen werden – für den ICE kommt ein Warten wegen der Bordrestaurant-Belieferung nicht in Frage. Gerade im Sommer ist das ein Problem: Die Lebensmittel müssen schnell zurück in den Kühlraum, auch wenn Kühlakkus mitgeführt werden. In einem anderen Fall kommt Pech dazu: Die Beladetür des Restaurants steht wegen geänderter Wagenreihung zu nah am Aufzug. Wieder muss abgebrochen werden – ein Umladen durch eine andere Tür würde zu lange dauern. Trotz solcher Widerstände gibt es ja doch meistens ein reichhaltiges Angebot in den ICEs der Deutschen Bahn. Das liegt auch am engagierten Einsatz der Warenlogistiker unterm Kölner Hauptbahnhof. Und ihrem täglichen Kampf gegen ein Bahnsystem, das auf die eigene Logistik der Caterer keine Rücksicht nimmt.































