Jung, brutal und respektlos?NRW-Landtag diskutiert über Kinder- und Jugendkriminalität

von Vanessa Brodka

Am Mittwoch (05.11.) wurde im NRW-Landtag über Kinder- und Jugendkriminalität in Nordrhein-Westfalen diskutiert. Gewalttätige Eltern, psychische Probleme, weniger Selbstkontrolle oder kaum Angst vor Konsequenzen – das sind laut Wissenschaftlern mögliche Gründe, warum sich die Fälle häufen.

Opposition kritisiert: NRW-Landesregierung gucke nur zu

Schule als Tatort, Messer statt Spielzeug, minderjährige Täter: Kinder- und Jugendkriminalität in NRW hat zugenommen. Für die FDP tut die NRW-Landesregierung nicht genug. Deshalb macht Marcel Hafke (FDP) das Thema zum ersten Tagespunkt im Plenum. Für den Politiker gibt es mehrere Gründe für die gestiegene Gewalt: „Eine Ursache ist mit Sicherheit, dass Eltern mehr Verantwortung übernehmen müssen und auch ihre Kinder wieder stärker erziehen müssen. Wir haben soziale Medien, wo auch Gewalt freien Raum hat, wo dann Konsequenzen eingezogen werden müssen. Wir haben natürlich eine veränderte Gesellschaft, von Migration angefangen bis zu Werteverlusten, die wir in der Gesellschaft erleben.”

Schock durch Studienergebnisse

Auch Mädchen werden gewalttätiger. Das zeigt eine nicht-repräsentative Studie der Universität Köln. Der NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) stellte sie Ende Oktober 2025 vor. Ausgewertet wurden polizeiliche Kriminalstatistiken. Außerdem wurden rund 3.800 Jugendliche befragt. Bei Siebtklässlern haben Gewaltdelikte um 114 Prozent zugenommen. Ein Grund dafür sind die Schulschließungen während der Corona-Maßnahmen-Zeit, so die NRW-AfD. Thomas Röckemann (AfD) meint: „Viele Elternhäuser, gerade bei diesen delinquenten Kindern, sind nicht ganz in Ordnung. Sodass die Schule in der Zeit auch keinen Einfluss haben konnte. Das ist natürlich besonders fatal.” Laut der Studie werden Kinder die häusliche Gewalt erleben, eher kriminell. Die Landesregierung braucht dringend ein gemeinsames Konzept, kritisiert die NRW-SPD. Christina Kampmann (SPD) sagt gegenüber RTL WEST: „Wir haben gehört, dass es fast noch gar keine Maßnahmen gibt, die die Landesregierung auf den Weg gebracht hat. Obwohl wir in der Polizeilichen Kriminalstatistik im vergangenen Jahr den dritten Anstieg bei den Zahlen zur Kinder- und Jugendkriminalität verzeichnen konnten. Das heißt, hier muss man sagen die Landesregierung bisher wirklich untätig.” Die SPD-Politikerin fordert mehr Geld und Personal für Kinder- und Jugendhilfe sowie Sozialarbeit an Schulen. Denn auch der Respekt vor Lehrern ist bei vielen nicht mehr da. Schwänzen wird als nicht schlimm empfunden.

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FDP will Bootcamp für kriminelle Kids

NRW-Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) äußert sich dazu nicht und verweist an Landesinnenminister Reul (CDU). Auch die NRW-Kinder und Jugendministerin (Grüne) hatte keine Zeit für ein Interview. Marcel Hafke von der FDP schlägt eine Art Boot-Camp für straffällige Kinder und Jugendliche vor. Denn unter 14-Jährige können in Deutschland rechtlich nicht belangt werden - selbst, wenn sie einen Mord begehen.