Längster NRW-Ministerpräsident aller ZeitenGedenkveranstaltung zum 20. Todestag von Johannes Rau (SPD)

von Vanessa Brodka

„Versöhnen statt spalten“ - diese Worte benutzen mittlerweile viele Politikern. Der Erste, der das so gesagt hat, war Johannes Rau. Der SPD-Politiker starb vor knapp 20 Jahren. Genauso lange war er NRW-Landesvater, später Bundespräsident. Zu seinen Ehren fand am Montagabend (12.01.) eine Veranstaltung in Düsseldorf statt. Auch seine Witwe war dabei.

Christina Rau spricht über verstorbenen Ehemann

Keiner war so lange Ministerpräsident in NRW wie Johannes Rau (SPD). Bekannt auch als: Bruder Johannes. Der Spitzname geht auf seinen evangelischen Glauben zurück. Viele kannten den SPD-Mann noch als Bundespräsidenten. Das Amt bekam er erst im zweiten Wahlgang. Fünf Jahre blieb der Sozialdemokrat in dem Amt. 2004 wurde er am Herzen operiert. Seine Gesundheit verschlechterte sich. Zwei Jahre später starb er mit 75 Jahren. Zu seinen Ehren fand am Montagabend (12.01.) eine Veranstaltung in Düsseldorf statt. Mit dabei: seine Witwe Christina Rau. Sie beschreibt ihn als: „Liebenswert, zuverlässig und mit Haltung.” Die Bielefelderin ist 25 Jahre jünger als ihr verstorbener Mann. Zusammen haben sie drei Kinder.

Die Anfänge von Rau

Geboren und aufgewachsen ist Johannes Rau (SPD) in Wuppertal. Dort wurde er später auch Oberbürgermeister. Das Gymnasium brach er ohne Abitur ab. Nach seiner Lehre arbeitete er bei einem Verlag in Witten. 20 Jahre lang war der Politiker SPD-Landesvorsitzender und Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen. So hat er Generationen geprägt - wie die von NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes und dem amtierenden NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst. Die beiden CDU-Politiker waren zu Raus Ehren auch am Montagabend (12.01.) in Düsseldorf.

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Parteikollege: Von allen war er der Höflichste

Unter Druck geriet der SPD-Mann in den 90ern durch die sogenannte „Flugaffäre“. Als Ministerpräsident soll er Maschinen von der Westdeutschen Landesbank für parteipolitische und private Termine genutzt haben. Die Vorwürfe wies der Ex-Landesvater zurück, erstattete dennoch einen Teil der Kosten. Persönlich gekannt hat ihn Parteikollege Christoph Zöpel (SPD). Er war Minister in zwei Landeskabinetten von Rau und sagt im RTL WEST Interview: „Von allen mir bekannten bedeutenden deutschen Politikern, war er der Höflichste. Er hatte ein hohes Einfühlungsvermögen in Menschen aller Art, die Mitglieder seines Kabinetts wie Menschen, die er sonst traf.”

Gedenken vorverlegt – damit Wüst teilnehmen konnte

Geprägt hat der Ex-Bundespräsident das Land auch durch seine Zeit als NRW-Wissenschaftsminister, weiß Dieter Bathen. Er ist Vorstandsvorsitzender der Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft. Die war auch Veranstalter am Abend. Rau hat als „Wissenschaftsminister sechs Universitäten gegründet und er hatte immer die Idee, letztendlich die Wissenschaft zu nutzen, um Strukturwandel zu machen. Gleichzeitig hat er es aber geschafft, die Gesellschaft zusammenzuhalten“, so Bathen. Deshalb war Johannes Rau auch als Brückenbauer bekannt. Er starb am 27. Januar 2006. Die Gedenkveranstaltung zum 20. Todestag wurde vorgezogen. Laut Dieter Bathen damit der amtierende NRW-Ministerpräsident daran teilnehmen kann.