Rinder sollen weniger pupsenFurz-Studien auf dem Bauernhof: Wie Kühe beim Klimaschutz helfen sollen

von Sebastian Reddig

Kühe pupsen – und das nicht zu knapp. Dabei entsteht Methan, ein starkes Treibhausgas. In einem Versuchsstall in Kleve messen Wissenschaftler der Landwirtschaftskammer NRW, wie viel Methan Kühe wirklich ausstoßen. Die Ergebnisse sollen helfen, die Landwirtschaft klimafreundlicher zu machen.

Forschung in NRW misst Methan-Ausstoß von Kühen

Im Versuchsstall der Landwirtschaftskammer in Kleve wird genau hingeschaut und vor allem gerochen: Wie viel Methan gelangt durch Kühe in die Atmosphäre? Der Gas-Ausstoß wird dort kontinuierlich überwacht. Ziel ist es, Wege zu finden, den Methan-Ausstoß zu verringern.

„Lösungsansätze insbesondere für verminderte Emissionen, auch insbesondere Methan, wären optimierte Fütterung. Zucht auf mehr Effizienz und verringerte Methan-Emissionen“, erklärt Gregor Janknecht von der Landwirtschaftskammer NRW.

Denn das Treibhausgas Methan ist etwa 25-mal klimaschädlicher als CO₂. Eine Kuh produziert laut Experten täglich bis zu 300 Liter davon.

Bundesregierung plant Methan-Messprogramme in Ställen

Solche Messprogramme sind auch Teil des neuen Klimaschutzprogramms der Bundesregierung. In einem Entwurf ist vorgesehen, Maßnahmen zu ergreifen, um die Emissionen bis 2030 deutlich zu senken.

Das Bundesumweltministerium teilt schriftlich mit:
„Der Anspruch ist, mit den Maßnahmen 65 Prozent Emissionsminderung bis 2030 gegenüber 1990 zu erreichen. Unfertige Entwürfe kommentieren wir nicht.“

Dennoch bleibt der Anteil der Landwirtschaft an den gesamten deutschen Treibhausgasemissionen vergleichsweise gering – unter zehn Prozent. Der größere Teil stammt aus Industrie, Verkehr sowie Strom- und Wärmeerzeugung.

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Kritik an den Maßnahmen: „Wir schaden unserer Landwirtschaft“

Doch nicht alle halten die geplanten Maßnahmen für sinnvoll.

„Was hat man denn damit erreicht? Man reduziert um ein paar Prozente die CO₂- oder Methanemission in Deutschland. Am Ende geben die Bauern auf. Sie importieren aus anderen Ländern, aus denen die Emissionen viel höher sind. Das heißt, wir schaden unserer Landwirtschaft, wir schaden unserem Land und bewirken klimapolitisch nichts“, warnt Fritz Vahrenholt, ehemaliger Umweltsenator von Hamburg.

Ähnliche Ideen scheiterten zuletzt in Neuseeland. Dort wurde 2024 eine geplante Kuh-Gas-Abgabe nach Protesten der Bauern zurückgezogen.

Zucht statt Zusatzstoffe

Auch das NRW-Landwirtschaftsministerium setzt auf neue Wege. Zwar wurden spezielle Futtermittel getestet, die das Pupsen reduzieren sollen – doch die bisherigen Ergebnisse sind ernüchternd. Nun richtet sich der Blick verstärkt auf die Zucht von Kühen, die von Natur aus weniger Methan ausstoßen.

Ob das gelingt, ist offen. Klar ist aber: Der nächste Schritt für mehr Klimaschutz im Stall kommt frühestens Ende März, wenn der endgültige Entwurf des Klimaschutzprogramms vorliegt.