Hausmannskost mit HerzEssen wie bei Oma - warum sieben Großmütter in Köln wieder am Profi-Herd stehen
Kochen ist ihre Leidenschaft – und das schon seit Jahrzehnten. Im Kölner Restaurant „Omagerichte“ stehen Großmütter am Herd und servieren genau das, was sie früher für ihre Familien gekocht haben oder immer noch kochen: ehrliche Hausmannskost. Eine von ihnen ist Anelie Schwiedessen. Die 81-Jährige bringt ihre Kindheitserinnerungen aus Österreich direkt auf den Teller der Gäste.
Kindheitserinnerungen auf dem Teller
Bei „Omagerichte“ ist der Name Programm: Sieben Großmütter kochen dort regelmäßig für die Gäste. Eine von ihnen ist Anelie Schwiedessen – 81 Jahre alt, Kölnerin mit österreichischen Wurzeln. Die gebürtige Klagenfurterin serviert an diesem Abend ein Gericht, das sie seit Jahrzehnten kennt: würzige Bratwurst mit Möhrendurcheinander, Rosenkohl mit Muskat und Gurkensalat in saurer Sahne. Für alle, die auf Fleisch verzichten möchten, gibt es einen Tofubratling - ein Gericht mit Geschichte. In ihrer Familie wird es liebevoll „Matschepampe“ genannt. „Meine Kinder haben das immer so genannt, weil man es so schön mit der Gabel essen konnte“, erzählt Anelie lachend. „Sie haben ständig gefragt: ‚Mama, Oma, wann machst du das wieder?”
Kochen als Herzensangelegenheit
Kochen gehört für Anelie einfach zum Leben dazu. Auch zuhause, in ihrer Wohnung am Rande von Köln, steht sie fast jeden Tag in der Küche. Für die Seniorin ist das keine Arbeit – sondern Leidenschaft. Schon als Kind hat sie gerne gekocht. Vor allem ihre Großmutter hat sie früh mit in die Küche genommen. „Ich war ein richtiges Omakind“, erinnert sie sich. „Meine Oma hat mir viel gezeigt – und irgendwann durfte ich selbst Verantwortung übernehmen.“ Heute ist sie selbst Großmutter. Zwei Kinder und drei Enkelkinder gehören zur Familie – genauso wie ihr Ehemann Jürgen. Die beiden kennen sich seit ihrer Jugend. 1965 haben sie geheiratet. Mehr als 60 Jahre später sind sie immer noch ein Team. Auch wenn es manchmal kracht. „Natürlich streiten wir uns auch mal“, sagt ihr Mann schmunzelnd. „Aber das gehört dazu.“
Anzeige:Später Neustart am Herd
Seit Dezember steht Anelie sogar professionell am Herd – als eine der Omas im Restaurant „Omagerichte“. Für die gelernte Kosmetikerin war das zunächst ungewohnt. „Am Anfang habe ich gedacht: ‚Oh Gott, wie soll ich das schaffen?‘“, erzählt sie. „Aber als ich mittendrin war, war das ein richtig euphorisches Gefühl. Ich habe gedacht: ‚Was passiert eigentlich noch alles in deinem Alter?‘ Das fand ich spannend.“ Genau darum geht es auch den Betreibern des Restaurants. Die Idee: Seniorinnen eine Bühne zugeben und ihr Wissen weiterzutragen.
Eine Plattform für Erfahrung
„Viele ältere Menschen haben so viel Erfahrung und Wissen“, sagt Mitinhaber Uwe Schlindwein. „Wir wollen den Omas eine Plattform geben. Manche sitzen nach einem Verlust plötzlich viel zu Hause und denken, sie werden nicht mehr gebraucht. Hier können sie ihr Wissen weitergeben.“ Unterstützt werden sie dabei von jüngeren Helfern. An diesem Abend arbeitet Anelie mit Sedda Tufan zusammen. Die 27-jährige Jura-Studentin ist als Hilfsköchin dabei. „Ich finde das total wertvoll“, sagt sie. „Die Omas haben so viel Erfahrung. In unserer Generation geht das oft verloren – wir kochen schnell Nudeln oder gehen essen. Hier lernt man wieder richtige Hausmannskost.“
Essen wie bei der Großmutter
Am Abend sitzen rund 30 Gäste gemeinsam am Tisch. Viele kennen sich vorher nicht. Gegessen wird zusammen, fast wie bei einem Familienessen. Jeder nimmt sich selbst vom Teller, Getränke stehen zur Selbstbedienung bereit. Das Konzept kommt an – und besonders die „Matschepampe“ sorgt für Begeisterung. Zum Dessert gibt es einen Klassiker aus Anelies Heimat: Kaiserschmarrn. Die 81-Jährige serviert ihn persönlich, erzählt Geschichten aus ihrem Leben und kommt mit den Gästen ins Gespräch.
Spontan vorbeikommen geht allerdings nicht: Die Plätze bei „Omagerichte“ werden online reserviert und vorab bezahlt. Ab 34 Euro ohne Alkohol, mit Bier und Wein ab 43 Euro pro Person. Dafür gibt es einen Abend voller Erinnerungen – und Essen, das schmeckt wie früher bei Oma.

































