Hat sich der Eigentümer zu wenig um die Immobilie gekümmert?Obwohl noch persönliche Sachen drin sind! Haus in Hamburg teilweise abgerissen

Ein großer Riss durchzieht das Haus in der Holstenstraße.
Ein großer Riss durchzieht das Haus.
RTL
von Alisha Elling, Lorenz Bille und Yao Protze

Wegen akuter Einsturzgefahr wird ein Mehrfamilienhaus in Hamburg-Altona teilweise abgerissen!
Weil die Mieter schnell raus mussten, befinden sich drinnen noch etliche persönliche Gegenstände. Der Vermieter wusste offenbar früher Bescheid. Hat er die Tragödie billigend in Kauf genommen?

Putz rieselt von der Decke

Jetzt ist es zu spät: Das Haus in Hamburg-Altona kann nicht abgestützt werden. Das haben Überprüfungen in der vergangenen Woche ergeben. Elf Mietparteien wohnen in dem Haus, darunter eine alleinerziehende Mutter mit ihren zwei Kindern. Als die akute Einsturzgefahr bestätigt ist, müssen sie alle raus aus dem Haus. Manche haben offenbar nur zehn Minuten Zeit, um alles Wichtige einzupacken. So wie Milena Thompson, sie wohnt seit drei Jahren in dem Haus. Was bei ihr mit Altbaucharme anfängt, wird vor allem in diesem Jahr zum Albtraum: zuerst geht die Balkontür nicht mehr richtig zu, dann rieselt Putz von der Decke, die Risse in Wand und Decke vergrößern sich. „Und dann haben wir angefangen, den Vermieter davon zu berichten, haben angerufen und es kam dann erstmal keine Rückmeldung,” sagt sie auf RTL-Nachfrage.

Lese-Tipp: Vermieter will Mieter rausekeln – ist das etwa der Grund?

Vermieter sei seiner Verantwortung nicht nachgekommen

Mieter sollen den Eigentümer sogar schon Monate vorher auf Schäden am Haus hingewiesen haben. Passiert sei aber offenbar nichts. Milena Thompson sagt dazu: „Wir sind der Auffassung, dass der Vermieter seiner Verantwortung, sein Eigentum zu pflegen und instand zu halten, nicht nachgekommen ist.”
Ende Juni meldet sich dann ein Angehöriger eines Mieters beim Bezirksamt Altona. Die Behörde schaltet am 10. Juli das Amt für Bauordnung und Hochbau ein. Drei Tage später lautet die dringende Empfehlung: Das Haus müsse von Fachleuten überprüft werden. Später stellt die Bauaufsicht dann schwere Mängel an der Statik fest. Das Haus wird geräumt und darf seitdem nicht mehr bewohnt werden.

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Bei einer weiteren Kontrolle Anfang August zeigt sich: Die Risse im Haus haben sich verändert. Das Gebäude kann offenbar nicht mehr abgestützt werden. Der hintere, besonders beschädigte Teil ist deshalb am Dienstagvormittag (11. August) abgerissen worden.

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Vermieter äußert sich nicht

Einen Tag vor dem Abriss findet eine Demo vor dem Haus statt, knapp 100 Menschen sind gekommen. Es ist ein letzter Aufmarsch gegen den die Ungerechtigkeit.
Angemeldet hat die Demonstration Heike Sudmann von der Partei Die Linke. Sie sagt zu RTL: „Wenn ein Haus auf einmal einsturzgefährdet ist, heißt das doch, dass der Eigentümer sich jahrelang nicht gekümmert hat. Die Risse sind ja auch nicht von heute auf morgen entstanden. Und der Eigentümer, der sonst ja Luxuswohnungen auf Sylt baut, muss sich schon fragen lassen: Wie kann dieser Zustand eintreten?” Der Vermieter hat sich trotz Nachfrage bisher nicht zu der Thematik geäußert.

Mieter vor ungewisser Zukunft

Wie es für die Mieter weitergeht, ist unklar. In Milena Thompsons Wohnung lagen noch Tagebücher, Fotoalben, Erbstücke ihrer Familie: „Uns wurde lange versprochen, dass wir auf jeden Fall noch mal die Möglichkeit bekommen, unsere Sachen aus dem Haus zu bergen,” sagt sie. Die Möglichkeit gibt es jetzt nicht mehr. Ihre Habseligkeiten sind unter dem Schutt des Hauses begraben. Bis Sonntag ist die Mieterin noch im Hotel untergebracht, wie es dann für sie weitergeht, weiß sie nicht.

Verwendete Quellen: RTL-Eigenrecherche