Neue Studie: Kinder-Ausbeutung für Klicks?Kinder bringen die meisten Likes – aber zahlen den höchsten Preis

Der heile Familien-Content auf Social Media hat eine dunkle Kehrseite.
Eine neue Studie zeigt jetzt: Besonders die Kleinsten werden im Netz besonders stark ausgeschlachtet. Je jünger das Kind, desto mehr Likes für die Eltern. Und das kann für sie dramatische Folgen haben. Unter anderem die norddeutschen Landesmedienanstalten hatten die Studie in Auftrag gegeben.
Kinder als Klick-Garanten
Die Zahlen sind alarmierend. Rund 10.000 Beiträge von 359 deutschsprachigen Social-Media-Profilen mit einer Reichweite von unfassbaren 109 Millionen Followern wurden analysiert. Das Ergebnis: Ein Drittel aller Influencer zeigt Kinder klar erkennbar, bei großen Accounts sogar jeder zweite.
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„Statistisch gesehen erhalten Beiträge, in denen sehr junge Kinder im Alter zwischen null und drei Jahren auftauchen, besonders viele Likes und Interaktionen”, kommentiert die Niedersächsischen Landesmedienanstalt NLM die Studie. Heißt, dass Babys die größten Reichweiten-Booster sind und damit zum zentralen Bestandteil eines lukrativen Geschäftsmodells werden.
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Intime Einblicke für Reichweite
Ob beim Wickeln, Weinen oder Toben – gerade emotionale und intime Momente sorgen für besonders viel Aufmerksamkeit. Doch genau hier wird es gefährlich. „Kinder zahlen für die Likes einen hohen Preis: den ihrer Privatsphäre und ihres persönlichen Schutzraumes”, warnt die Landesmedienanstalt. Denn was einmal im Netz landet, bleibt. Fotos und Videos können kopiert, verfremdet und sogar für Fake-Profile oder Deepfakes missbraucht werden. Fremde wissen plötzlich, wie ein Kind aussieht, heißt oder wo es sich regelmäßig aufhält.
Druck, Likes, Dauer-Content: Was das mit Kindern macht
Noch gravierender sind die möglichen Folgen für die Entwicklung der Kinder. In den Handlungsempfehlungen warnen die Medienanstalten: Kinder könnten unter Druck geraten, für Inhalte und auch für Liebe und Aufmerksamkeit „funktionieren” zu müssen. Ihr Selbstwert könne sich an Klickzahlen orientieren. Und auch das Zuhause verändert sich: Wird es zum Dauer-Drehort, könnte es seine wichtigste Funktion als geschützter Rückzugsort verlieren.

Die Studie wurde von mehreren Landesmedienanstalten in Auftrag gegeben – darunter die Niedersächsische und Bremische Landesmedienanstalt und die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein. Durchgeführt wurde sie vom Leibniz-Institut für Medienforschung.
Die Forscher und Medienanstalten richten sich direkt an Eltern und Influencer. „Stellen Sie nur Posts online, die Sie auch Ihrem erwachsenen Kind gegenüber noch verantworten können”, heißt es in den Leitlinien der beteiligten Medienanstalten. Außerdem wird geraten, Kinder möglichst gar nicht erkennbar zu zeigen oder zumindest zu verpixeln. Denn eines ist klar: Das Internet vergisst nicht.
Verwendete Quellen: Studie „Darstellung von Babys und Kleinkindern in monetarisierten Social-Media-Profilen“
































