Die Betreiberinnen sprechen von einer „riesigen Katastrophe“Mann beschwert sich über gebärende Frauen: Geburtshaus Trier muss Raum schließen

Wer ein Baby bekommt, sucht oft lange nach einem passenden Namen
Ein Mann aus Trier hat etwas gegen die Schreie von Gebärenden und Babys und zog vor Gericht (Symbolbild)
picture alliance / Zoonar | Iuliia Zavalishina

Das Geburtshaus in Trier (Rheinland-Pfalz) wollte Familien eine sanfte Alternative zur Klinikgeburt bieten. Doch jetzt sorgt ein ungewöhnlicher Nachbarschaftsstreit für Ärger: Ein Mann fühlte sich von Geburtsschreien gestört – und zog vor Gericht. Die Folgen sind für die werdenden Eltern und das Geburtshaus selbst gravierend. Die Betreiberinnen sprechen von einer „riesigen Katastrophe.”

Klage wegen Schreien während der Geburt

Damit hätten die Betreiberinnen des Trierer Geburtshauses wohl im schlimmsten Traum nicht gerechnet. Wie die Zeitung Volksfreund berichtet, muss die Einrichtung ihr Angebot einschränken – nachdem ein Anwohner gegen die Genehmigung des Hauses geklagt hatte.

Der Grund: Der Mann fühlte sich durch die Geräusche während der Geburten massiv gestört. Vor allem die Schreie der Frauen seien für ihn eine unzumutbare Lärmbelastung gewesen. Seine Wohnung liegt nur rund zehn Meter von dem Raum entfernt, in dem die Entbindungen stattfinden.

Vor dem Verwaltungsgericht Trier kam es schließlich zu einem Vergleich. Beide Seiten einigten sich darauf, dass der größere Geburtsraum künftig nicht mehr für Entbindungen genutzt werden darf. Gerade dort waren bislang auch Wassergeburten in einer Geburtswanne möglich. Im Gegenzug verzichtet der Kläger auf weitere rechtliche Schritte.

Bittere Folgen für werdende Eltern und das Geburtshaus Trier

Für das Geburtshaus ist die Entscheidung ein harter Einschnitt. Erst im Juli 2025 hat die Einrichtung eröffnet und wollte Schwangeren eine familiäre Alternative zur Geburt im Krankenhaus bieten. Bislang kamen dort nur wenige Kinder pro Monat zur Welt. Doch der Wegfall des zentralen Geburtsraums (rund 90% aller Geburten findet dort statt) schränkt die Möglichkeiten der Hebammen deutlich ein – auch wenn Geburten in anderen Räumen grundsätzlich weiter möglich sind. Die fachliche Leiterin des Hauses, Sarah Wolff, zeigte sich im Gespräch mit tagesschau.de fassungslos: „Wir konnten das überhaupt nicht glauben. Vor allem für die Familien ist das natürlich eine riesige Katastrophe.“

Für viele werdende Eltern in Trier könnte es damit deutlich schwieriger werden, ihr Kind außerhalb einer Klinik zur Welt zu bringen.

Der Mann, der wegen der angeblichen Lärmbelästigung vor Gericht gezogen war, wollte sich laut Saarländischem Rundfunk genauso wenig äußern wie seine Anwältin.

Verwendete Quellen: Saarländischer Rundfunk, Geburtshaus Trier, Volksfreund, Tagesschau