Ihr Schicksal brachte Tausende auf die StraßeMit 87 aus ihrem Zuhause geworfen – jetzt ist Spaniens Protest-Oma Maricarmen gestorben

September 22, 2026, Madrid, Spain: Maricarmen attends an event organized by housing activists the day before her scheduled eviction from her home in Madrid..A rally held under the slogan ''Maricarmen Stays.'' The eviction of Maricarmenââ¬âan 87-year-old resident of Madridââ¬â¢s Retiro neighborhoodââ¬âis currently on temporary hold while the Tenants' Union and local residents mobilize to prevent her ousting by a real estate investment fund. (Credit Image: © David Canales/SOPA Images via ZUMA Press Wire
Maricarmen Abascal (†87) lebte 71 Jahre lang in derselben Wohnung in Madrid. Nach ihrer Zwangsräumung wurde sie zur Symbolfigur für den Kampf um bezahlbaren Wohnraum in Spanien.
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von Martina Lewinski

Sie wollte nur Eines: in ihrem Zuhause bleiben.
Fast ihr gesamtes Leben verbringt Maricarmen Abascal in derselben Wohnung in Madrid. 71 Jahre voller Erinnerungen – an ihre Eltern, ihren Bruder und ihr eigenes Leben. Doch am 23. September muss die 87-Jährige ihr Zuhause verlassen. Ihr Schicksal bewegt Spanien und löst eine gewaltige Protestwelle gegen Zwangsräumungen aus. Nun ist Maricarmen im Krankenhaus gestorben.

71 Jahre lang war diese Wohnung ihr Zuhause

María del Carmen Abascal, von allen nur Maricarmen genannt, zieht 1956 in die Wohnung im Madrider Stadtteil Ibiza. Damals mietet ihr Vater das Zuhause für die Familie.

Maricarmen bleibt. Sie wächst dort auf, lebt mit ihrer Mutter und ihrem Bruder zusammen und verbringt schließlich mehr als sieben Jahrzehnte in den vertrauten Räumen.

Auch ihre Eltern sterben dort. Für die 87-Jährige ist die Wohnung deshalb weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Kurz vor ihrer Räumung sagt sie über ihr Zuhause: „Hier habe ich all meine Erinnerungen.“

Maricarmen lebt von einer Rente von rund 1.400 Euro und zahlt nach Angaben von „El País“ weiterhin ihre alte Miete und Rechnungen – insgesamt etwa 500 Euro monatlich.

Neue Eigentümer wollen Maricarmen aus der Wohnung haben

Sechs Jahre vor ihrer Räumung kauft ein Unternehmen die Wohnung. 2020 teilen die neuen Eigentümer Maricarmen schließlich mit, dass sie ausziehen müsse. Es folgen jahrelange juristische Auseinandersetzungen. Insgesamt soll viermal versucht worden sein, die Seniorin aus ihrer Wohnung zu räumen.

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Vorschläge, die Differenz zu einer höheren Miete zu übernehmen oder die Wohnung zu kaufen, seien von den Eigentümern nicht angenommen worden. Für eine neue Miete sollen laut „El País“ 1.600 Euro monatlich verlangt worden sein. Maricarmen aber will bleiben. „Ich werde bis zum Ende kämpfen“, sagt sie immer wieder.

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Ihre Räumung bringt Spanien auf die Straße

Am 23. September wird Maricarmen schließlich aus ihrer Wohnung gebracht. Zu diesem Zeitpunkt ist die 87-Jährige gesundheitlich bereits stark angeschlagen. Sie sitzt im Rollstuhl, braucht im Alltag Unterstützung und hat nach eigenen Angaben deutlich an Kraft verloren.

Nach der Räumung wird sie ins Krankenhaus eingeliefert – und kehrt nicht mehr in ihr Zuhause zurück. Doch ihr Schicksal löst etwas aus, das weit über Madrid hinausgeht. Tausende Menschen gehen auf die Straße. Es kommt zu Demonstrationen und Protestcamps. Auf Plakaten und T-Shirts steht: „Todos somos Maricarmen“ – „Wir alle sind Maricarmen“.

Die Seniorin wird zum Symbol im Kampf gegen Zwangsräumungen und für bezahlbaren Wohnraum.

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Vom Krankenhaus aus ruft sie zum Weiterkämpfen auf

Selbst im Krankenhaus verfolgt Maricarmen die Proteste – und richtet sich noch einmal an die Menschen, die für sie demonstrieren. Sie könne nicht selbst bei ihnen sein, erklärt sie. Doch sie fordert die Demonstrierenden auf, mutig zu bleiben und ihre Rechte zu verteidigen. Ihre Botschaft: „Kämpft, verteidigt, was euch gehört.“

Der Druck zeigt schließlich Wirkung. Nach Angaben von „El País“ kommt es zu einer außergewöhnlichen Einigung: Das Unternehmen erklärt sich bereit, einen neuen Mietvertrag abzuschließen. Maricarmen hätte damit in ihre Wohnung zurückkehren können. Doch dazu kommt es nicht mehr.

Einigung kommt für Maricarmen zu spät

Am Mittwoch stirbt Maricarmen Abascal im Madrider Krankenhaus Gregorio Marañón. Sie wird 87 Jahre alt.

Ihre Familie, ihre Anwältin und die spanische Mietervereinigung erklären gemeinsam, dass die gefundene Lösung zwar historisch gewesen sei – für Maricarmen sei sie jedoch zu spät gekommen. Bis zuletzt hatte sie einen großen Wunsch: Sie wollte einmal in genau dem Zimmer sterben, in dem zuvor schon ihre Eltern gestorben waren. Dieser Wunsch erfüllt sich nicht.

Doch aus dem persönlichen Kampf einer 87-jährigen Frau ist innerhalb weniger Wochen eine Bewegung geworden, die Tausende Menschen mobilisiert hat.

Verwendete Quelle: El País, AFP