Alarmstufe Rot am MarktÖlpreise klettern auf über 100 Dollar – Analysten sind beunruhigt

Ölinporte weltweit unter Druck. Die Raffinerie von BP in Lingen. Für die EU ist die Raffinerie ein essenzieller Standort zur Sicherung von Energie. Die Anlage verarbeitet jährlich 4,5 Mio. t Rohöl und produziert u.a. Benzin, Diesel, Kerosin und petrochemische Vorprodukte. Im Fall einer Sperrung der Straße von Hormus könnten Ölimporte weltweit zum Stoppen kommen. Dies hätte weltweit Folgen auf Energiepreise und Infrastruktur auch in Europa. Lingen Niedersachsen Deutschland *** Oil imports under pressure worldwide BPs refinery in Lingen The refinery is an essential location for securing energy for the EU The plant processes 4.5 million tons of crude oil annually and produces gasoline, diesel, kerosene and petrochemical precursors, am Copyright: xdiebildwerftx
Die Ölimporte stehen weltweit unter Druck: Hier die Raffinerie von BP in Lingen.
IMAGO/diebildwerft

Die Blockade-Drohungen von US-Präsident Trump zeigen erste Wirkung - allerdings wohl kaum die von ihm erhoffte: Die Ölpreise verteuern sich bereits jetzt wieder deutlich. Und Analysten sind beunruhigt.

Die Ankündigung der US-Blockade in der Straße von Hormus ab diesem Montag hat die Ölpreise über die Marke von 100 Dollar getrieben. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um rund acht Prozent auf 102,80 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl WTI stieg um 8,6 Prozent auf 104,88 Dollar.

Zuvor waren Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über eine Beendigung des Krieges gescheitert. US-Präsident Donald Trump kündigte daraufhin am Sonntag an, die Marine werde die strategisch wichtige Meerenge blockieren. Das US-Zentralkommando teilte mit, die Blockade des gesamten Schiffsverkehrs zu und von iranischen Häfen werde an diesem Montag um 16.00 Uhr beginnen. Damit steht eine zweiwöchige Feuerpause auf dem Spiel.

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten am Sonntag, jedes militärische Schiff, das sich der Straße von Hormus nähere, werde als Verletzung der Waffenruhe betrachtet und hart und entschlossen bekämpft. Trump räumte am Sonntag Ortszeit gegenüber dem Sender Fox News ein, dass die Öl- und Benzinpreise bis zu den Kongresswahlen im November hoch bleiben könnten. Dies gilt als seltenes Eingeständnis der möglichen politischen Folgen seiner Entscheidung von vor sechs Wochen, den Iran anzugreifen.

Aus Sorge vor der US-Blockade meiden Öltanker neuesten Schifffahrtsdaten zufolge bereits zunehmend die Straße von Hormus. Ein unter maltesischer Flagge fahrender Supertanker kehrte am Sonntag vor der Durchfahrt um und ankerte im Golf von Oman, wie Daten von LSEG und Kpler zeigten. Das Schiff sollte eigentlich irakisches Rohöl für Vietnam laden. Zwei pakistanische Tanker sowie ein Schiff unter liberianischer Flagge fuhren am Sonntag hingegen in den Golf ein.

Analysten warnten vor massiven Auswirkungen auf den Ölmarkt. Die USA würden nun auch die verbleibenden iranischen Öllieferungen von bis zu zwei Millionen Barrel pro Tag durch die Meerenge blockieren, sagte Saul Kavonic vom Analysehaus MST Marquee. Dies werde die ohnehin bestehenden Versorgungsengpässe weiter verschärfen, hieß es bei der Bank ANZ.

Verwendete Quellen: ghö/rts