EU fördert neue TechnikUrsula von der Leyen: Atomkraft-Aus war „strategischer Fehler“

European Commission President Ursula von der Leyen addresses the Nuclear Energy Summit at the Seine Musicale venue in Boulogne-Billancourt, outside Paris, on March 10, 2026. (Photo by Abdul Saboor / POOL / AFP)
Von der Leyen will die Atomkraft stärken.
AFP / ABDUL SABOOR

Der Anteil des Atomstroms am europäischen Energiemix ist in den vergangenen 30 Jahren deutlich gesunken. Für die Kommissionschefin ist das ein „strategischer Fehler“. An der angeblichen globalen Renaissance der Technologie will von der Leyen teilhaben.

Die Europäische Union will den Ausbau der Kernenergie fördern, um eine erschwingliche und klimafreundliche Stromversorgung für die Industrie und die Bevölkerung sicherzustellen. „In den letzten Jahren erleben wir eine weltweite Renaissance der Kernenergie. Und Europa will an dieser Renaissance teilhaben“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim zweiten internationalen Gipfel zur Kernenergie in Boulogne-Billancourt bei Paris. Die europäische Abkehr von der Atomkraft sei ein „strategischer Fehler“ gewesen.

„Deshalb legen wir heute eine neue europäische Strategie für kleine modulare Reaktoren vor. Unser Ziel ist einfach: Wir wollen, dass diese neue Technologie in Europa bis Anfang der 2030er Jahre einsatzbereit ist“, sagte von der Leyen. Die kleinen Reaktoren sollten neben den herkömmlichen Kernreaktoren eine Schlüsselrolle bei einer flexiblen, sicheren und effizienten Energieversorgung spielen.

In der Praxis findet bisher keine „Renaissance“ statt. 2025 wurden laut World Nuclear Industry Status Report 2025 (WNISR) weltweit vier neue Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 4,4 Gigawatt (GW) ans Netz angeschlossen: zwei in China sowie je einer in Indien und Russland; zugleich wurden sieben Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 2,8 GW stillgelegt. Auf dem gesamten amerikanischen Kontinent befindet sich derzeit kein einziger kommerzieller Kernreaktor im Bau. In der Europäischen Union ist die einzige Anlage, die sich derzeit im Bau befindet, der Reaktor Mochovce-4 in der Slowakei. Dessen Bau begann 1985.

Um die Entwicklung der Mini-Atomkraftwerke voranzutreiben, sollten Vorschriften über die Grenzen hinweg angeglichen werden, sagte die EU-Kommissionschefin. Das Geschäftsmodell der modularen Reaktoren sei nämlich auf Skalierung angewiesen und die Kooperation über die europäischen Grenzen hinweg von entscheidender Bedeutung. „Der Grundgedanke ist einfach: Wenn der Einsatz einer Technik sicher ist, muss es einfach sein, sie überall in Europa einzusetzen.“

Außerdem müssten Investitionen mobilisiert werden. „Heute kann ich verkünden, dass wir Investitionen in innovative Kerntechnologien mit einer Garantie in Höhe von 200 Millionen Euro unterstützen werden“, sagte von der Leyen. Die Mittel sollten nicht nur das Risiko von Investitionen in CO2-arme Technologien senken, sondern auch anderen Investoren ein klares Signal geben, sich anzuschließen. Ziel sei die Verbesserung der Investitionsbedingungen in der europäischen Kernenergieindustrie.

„Unser Ehrgeiz beschränkt sich jedoch nicht auf kleine modulare Reaktoren. Wir müssen auch das gesamte nukleare Ökosystem stärken - von den Brennstoffen bis zur Technologie, von den Lieferketten bis zu den Kompetenzen“, sagte die Kommissionschefin. Europa verfüge über alles, um den technologischen Wettlauf in der Kernenergie zu gewinnen. „Europa soll ein globales Zentrum der Kernenergie der nächsten Generation werden.“

Verwendete Quellen: lme/dpa