Fünfter Drohnen-Angriff in 10 TagenUkraine greift Russen-Ölhafen an – harter Schlag für Exporte

Die Ukraine will russische Energieexporte stoppen. Seit vergangener Woche attackiert das Militär vermehrt den Öl- und Gassektor des Landes. Ziel ist es ukrainischen Angaben zufolge, den Geldzufluss in Moskaus Kriegskasse zu stoppen. Nun trifft es erneut einen wichtigen Hafen.
Die Ukraine hat zum fünften Mal innerhalb von zehn Tagen den russischen Ostseehafen Ust-Luga angegriffen. Dabei sei ein Ölverladeterminal des Pipeline-Konzerns Transneft getroffen worden, sagten drei mit den Vorgängen vertraute Personen. Der Angriff soll mit Langstreckendrohnen erfolgt sein. Dies dürfte die russischen Ölexporte weiter erschweren. Stellungnahmen der Ukraine oder von Transneft liegen bisher nicht vor.
Bei den nächtlichen Angriffen seien drei Menschen verletzt worden, darunter zwei Kinder, teilte der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, mit. Zudem seien mehrere Gebäude an den Hafenanlagen beschädigt worden, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass meldete. Ust-Luga ist ein weitläufiger Komplex von Ölverarbeitungsanlagen und Exportterminals für Rohöl und Ölprodukte am Südost-Ufer des Finnischen Meerbusens. Über den Hafen verschifft Russland Öl und Flüssigerdgas.
Am Finnischen Meerbusen seien Drohnen auch über den Landkreisen Kingisepp an der Grenze zu Estland und Wyborg an der Grenze zu Finnland geortet worden. Am Flughafen der Millionenstadt St. Petersburg mussten wegen der Drohnengefahr mehr als 60 Flüge gestrichen oder verschoben werden.
Wegen der hohen Energiepreise aufgrund des Iran-Krieges könnte Moskau mit dem Export zusätzlich Geld für seine Kriegskasse verdienen. Die ukrainische Armee hat jedoch seit vergangener Woche in mehreren Nächten Ust-Luga, den Ölhafen Primorsk und die Großraffinerie Kirischi attackiert, um die Energieausfuhren zu stören. Die russische Flugabwehr konnte nicht verhindern, dass Tanklager in Brand geschossen und technische Anlagen beschädigt wurden.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Montag erklärt, die Ukraine erhalte von einigen Verbündeten Signale, die weitreichenden Angriffe auf den russischen Ölsektor zurückzufahren. In einem WhatsApp-Chat mit Journalisten fügte er hinzu, falls Russland das ukrainische Energiesystem nicht mehr attackiere, sei die Ukraine im Gegenzug bereit, ihre Angriffe einzustellen. Durch den Iran-Krieg sind die Ölpreise stark gestiegen.
Russland überzieht das Nachbarland Ukraine seit mehr als vier Jahren mit einem verheerenden Krieg. Teil der ukrainischen Gegenwehr sind Luftangriffe auf Industrie- und Militäreinrichtungen im russischen Hinterland.
Verwendete Quellen: gut/dpa/rts


