Top-Manager kritisiert 1.000-Euro-PrämieTUI-Chef rechnet mit Bundesregierung ab: „Bekommt keiner der Verantwortlichen mehr mit, wie die Situation in Deutschland ist?”

Sebastian Ebel ist Chef des TUI-Konzerns
Sebastian Ebel ist Chef des TUI-Konzerns
RTL

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Der oberste Chef des weltweiten Touristikkonzerns TUI mit Sitz in Hannover rechnet brutal mit der Bundesregierung ab. Streitpunkt ist die 1.000 Euro-Entlastungsprämie, die Unternehmen ihren Mitarbeitern auf eigene Kosten zahlen können. TUI-Chef Sebastian Ebel schrieb im Portal LinkedIn: „Bekommt keiner der Verantwortlichen mehr mit, wie die Situation in Deutschland ist?” Die Unternehmen in Deutschland hätten kaum mehr Luft zum Atmen, so der Top-Manager weiter.

Streit um 1.000-Euro-Entlastungsprämie von Bundeskanzler Friedrich Merz und Vize-Kanler Lars Klingbeil

Berlin, Deutschland, 26.03.2026: Deutscher Bundestag: 68. Bundestagssitzung: Bundesminister der Finanzen Lars Klingbeil SPD und Bundeskanzler Friedrich Merz CDU *** Berlin, Germany, 26 03 2026 German Bundestag 68 Bundestag session Federal Minister of Finance Lars Klingbeil SPD and Federal Chancellor Friedrich Merz CDU Copyright: xdtsxNachrichtenagenturx dts_113514
Machen sich mit ihren Vorschlägen gerade wenig Freunde: Finanzminister und Vize-Kanzler Lars Klingbeil (SPD, links) und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
IMAGO/dts Nachrichtenagentur

1.000 Euro zusätzlich für Arbeitnehmer und Angestellte. Aber bitte aus der eigenen Tasche der Chefs. Dieser Plan der Bundesregierung stößt bei Arbeitgebern nahezu durchweg auf Ablehnung. TUI-Boss Sebastian Ebel rechnet brutal mit der Koalition aus CDU/CSU und SPD ab. Der Top-Manager: „Jede Woche eine zusätzliche bürokratische Hürde. Und dazu eine potenzielle 1.000 Euro steuerfreie Zahlung je Mitarbeiter seitens der Bundesregierung zulasten der deutschen Unternehmen, die eh kaum noch Luft zum Atmen haben.” Und dann kommt der Satz, der wie ein Beben wirkt: „Bekommt keiner der Verantwortlichen mehr mit, wie die Situation in Deutschland ist?”

Rumms! Was als Frage formuliert ist, lässt sich auch so deuten: Die Bundesregierung hat keine Ahnung von der Lage im Land. Und der mächtige Ferien-Boss Ebel ist mit seiner Kritik an Merz, Klingbeil & Co. nicht allein. Vor allem die 1.000-Euro-Prämie ist zahlreichen Firmenchefs ein Dorn im Auge.

Unternehmen und Gewerkschaften laufen Sturm gegen die Entlastungsprämie

1.000 Euro zusätzlich? Und das steuer- und abgabenfrei? Für Beschäftigte hört sich das gut an, denn die Preise legen wieder zu. Doch wie gehen die großen Arbeitgeber mit dem Regierungsvorschlag um? Die Deutsche Presse-Agentur hat dazu zahlreiche Unternehmen befragt. Keines wollte sich festlegen, die vorgeschlagene Prämie von bis zu 1.000 Euro zu zahlen. Teils gab es auch deutliche Kritik. Handwerkspräsident Jörg Dittrich forderte gar die Rücknahme der Pläne. „Diese Prämie ist sozial ungerecht und wirtschaftspolitisch falsch”, sagte Dittrich der Bild-Zeitung. Es drohe eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen denen, die zahlen, und denen, die es nicht können.

Verdi-Chef Frank Werneke sprach von einem „Rohrkrepierer”. „Damit werden große Erwartungen geweckt. Aber welcher Arbeitgeber wird das Geld freiwillig bezahlen?”, sagte Werneke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Länder, Bund und Kommunen hätten als Arbeitgeber von mehr als fünf Millionen Beschäftigten bereits erklärt, sie wollten nicht zahlen. „Wenn nicht mal der Staat seine eigenen Gesetze umsetzen will, warum sollten das dann private Arbeitgeber tun?”, sagte der Gewerkschafter.

Die Commerzbank hat der Prämie schon eine Absage erteilt, auch der Handelsverband (vertritt rund 100.000 Einzelhändler) ist kritisch. Nach Angaben des Branchenverbandes lässt sich bislang nicht absehen, wie viele Handelsunternehmen die Prämie auszahlen. Bei Beschäftigten werde eine Erwartung geweckt, die viele Unternehmen wegen der schwierigen wirtschaftlichen Ausgangslage nicht erfüllen können, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

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Das ist der Plan: So soll die 1.000-Euro-Entlastungsprämie funktionieren

Weil Energie- und andere Preise infolge des Iran-Kriegs gestiegen sind, hatte die Bundesregierung vorgeschlagen, dass Arbeitgeber den Mitarbeitern eine steuer- und abgabenfreie Krisenprämie auszahlen können. Nach Angaben von Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer läuft die regierungsinterne Abstimmung derzeit. Die Prämie solle möglichst schnell in Kraft treten. In den Gesprächen geht es auch darum, den zunächst für 2026 geplanten Begünstigungszeitraum auf das Jahr 2027 auszudehnen.

Verwendete Quelle: dpa, TUI