Unter Druck gesetzt?„Man fühlt sich gezwungen“ – Trinkgeld am Kartengerät verärgert viele Gäste

Jeder kennt die Situation!
10, 15 oder gleich 20 Prozent Trinkgeld? Was auf vielen Kartengeräten inzwischen Standard ist, nervt offenbar zahlreiche Gäste. Eine aktuelle Forsa-Umfrage zeigt, wie groß das Unbehagen ist – und Verbraucherschützer fordern Konsequenzen.

Trinkgeld Kartenzahlung: Viele fühlen sich unter Druck

Genau diese voreingestellten Trinkgeldvorschläge stören viele Gäste. Im Café Florian in Weinheim zahlen nach Angaben des Betreibers rund 60 Prozent der Kundinnen und Kunden mit Karte. Die Trinkgeldoptionen auf den Kartenlesegeräten hat Andres Salazar dennoch abgeschaltet – nach Beschwerden von Gästen. „Wenn da steht 10, 15, 20 Prozent, man fühlt sich so gezwungen“, sagten die Gäste dem Restauranbetreiber.

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Dieses Gefühl ist anscheinend weiter verbreitet als gedacht. In einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands gaben 53 Prozent der Befragten an, sich durch auffällige Trinkgeldvorschläge unter Druck gesetzt zu fühlen. Besonders dann, wenn Prozentangaben auf dem Display größer dargestellt werden als die Option „kein Trinkgeld“.

70 Prozent fordern, dass die Möglichkeit, kein oder weniger Trinkgeld zu geben, genauso sichtbar und einfach auswählbar sein muss wie die vorgeschlagenen Beträge. Der vzbv kritisiert solche Gestaltung als mögliche „Dark Patterns“ – also Designtricks, die Menschen zu einer bestimmten Entscheidung lenken sollen. Der Verband setzt sich auf europäischer Ebene für ein Verbot manipulativer Trinkgeld-Abfragen beim digitalen Bezahlen ein.

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Karte verändert Trinkgeld

Für viele Betriebe bleibt eine digitale Trinkgeldfunktion trotzdem wichtig. Denn mit der zunehmenden Kartenzahlung verändert sich auch, wie Gäste Trinkgeld geben: Wer kein Bargeld dabeihat, kann sonst oft nichts zusätzlich für guten Service geben.

Entscheidend ist aus Sicht der Branche und der Verbraucherschützer: Trinkgeld muss freiwillig bleiben. Vorgeschlagene Beträge können Orientierung bieten – sie dürfen aber nicht so gestaltet sein, dass Gäste sich zu einer Zahlung gedrängt fühlen.

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Video-Tipp: So viel Trinkgeld ist angemessen!

Im Café Florian setzt Betreiber Salazar deshalb auf eine persönlichere Variante. Er fragt seine Gäste direkt, ob und wie viel Trinkgeld sie geben möchten, und gibt den gewünschten Betrag anschließend selbst ein. So bleibt die Entscheidung bei den Gästen – ohne auffällige Prozentvorschläge auf dem Display.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, Verbraucherzentrale