Taliban machen nicht mitSammelabschiebung von Männern nach Afghanistan abgesagt

Polizeifahrzeuge stehen vor einem Flugzeug der Qatar Airways auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Deutschland schob damit im Juli 2025 zum zweiten Mal seit der Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 afghanische Staatsangehörige in ihr Herkunftsland ab. (zu dpa: «Gespräche zu regelmäßigen Rückführungen nach Afghanistan») +++ dpa-Bildfunk +++
Inzwischen gibt es von Deutschland selbst organisierte Abschiebungen nach Afghanistan - sowohl Einzelabschiebungen per Linienflug als auch Sammelcharter (Archivfoto).
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Die Taliban stellen sich quer: Ein Abschiebeflug für ausreisepflichtige Afghanen kann nicht stattfinden. Die radikalen Islamisten sind offenbar unzufrieden mit dem Auswärtigen Amt - sie wollen mehr Diplomaten nach Deutschland schicken.

Eine ursprünglich für Ende Mai vorbereitete Sammelabschiebung von ausreisepflichtigen Männern nach Afghanistan ist abgesagt worden, weil die Taliban-Machthaber nicht kooperiert haben. Die Rückführung soll jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Ein Termin dafür steht aber nicht fest.

Dem Vernehmen nach war schon einige Zeit vor dem geplanten Flugdatum klar, dass die Abschiebung nicht würde stattfinden können. Die Bundesländer hatten noch keine Ausreisepflichtigen zum Flughafen geschickt.

Der Flug war abgesagt worden, nachdem sich die militant-islamistischen Herrscher in Kabul unzufrieden gezeigt hatten über die aus ihrer Sicht mangelnde Gesprächsbereitschaft von Vertretern des Auswärtigen Amts. Die Taliban sind vor allem daran interessiert, mehr Diplomaten an die afghanischen Vertretungen in Deutschland zu entsenden. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte auf die Frage, ob die Taliban ihre Kooperationsbereitschaft bei Abschiebungen mit der Entsendung zusätzlicher Diplomaten verknüpften, er könne zu Einzelheiten von Gesprächen nichts mitteilen.

Im August 2024 waren erstmals seit der Machtübernahme durch die Taliban drei Jahre zuvor 28 männliche Straftäter mit Hilfe von Katar von Leipzig nach Kabul abgeschoben worden. Inzwischen gibt es auch wieder von Deutschland selbst organisierte Abschiebungen nach Afghanistan - sowohl Einzelabschiebungen per Linienflug als auch Sammelcharter.

Kritiker bemängeln, dass die Bundesregierung die Taliban einerseits wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen - insbesondere was Frauen betrifft - nicht anerkennt, gleichzeitig aber, um Abschiebungen zu ermöglichen, praktische Zugeständnisse macht. Dazu zählt die Erlaubnis zur Entsendung einzelner Diplomaten an die afghanischen Vertretungen in Deutschland, an der zuvor ausschließlich Diplomaten gearbeitet hatten, die noch von der Vorgängerregierung dorthin entsandt worden waren.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hatte im November erklärt: „Straftäter und Gefährder müssen dabei zunächst Priorität haben.“ Das bedeutet aber nicht, dass die Abschiebungen auch perspektivisch ausschließlich auf diese beiden Gruppen beschränkt sein werden.

Verwendete Quellen: are/dpa