Seit 41 Jahren vermisstSven (6) verschwindet 1985 spurlos – Kindergartenfreundin Rebecca erinnert sich im RTL-Interview

Ein Kindergartenkind ist plötzlich weg – und kommt nie wieder.
1985 verschwindet der damals sechsjährige Sven Hollstein spurlos. Seitdem wird er vermisst, sein Fall ist bis heute ungeklärt. Doch vergessen ist er längst nicht. Rebecca wohnte damals neben Svens Familie und ist gerade einmal vier Jahre alt, als er verschwindet. Und auch mehr als vier Jahrzehnte später lässt sie diese Erfahrung noch immer nicht los. Im RTL-Interview erklärt sie, wie Svens Verschwinden ihr eigenes Leben und sogar die Erziehung ihrer Kinder geprägt hat.
Sven Hollstein verschwindet 1985 spurlos
Seit mehr als 40 Jahren fehlt von Sven Hollstein jede Spur. Der Fall gehört zu den bis heute ungeklärten Vermisstenfällen, auf die das Bundeskriminalamt im Rahmen seiner Kampagne „Spurlos verschwunden“ aufmerksam macht. Zum Tag der vermissten Kinder am 25. Mai stellte das BKA ihn – neben anderen Cold Cases – erneut in den Mittelpunkt, denn noch heute wird um Hinweise gebeten, die bei der Aufklärung helfen könnten.
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Und es ist nicht nur das BKA, das nach wie vor auf die Aufklärung des Falls hofft. Auch Jahrzehnte später gibt es Menschen aus Svens Umfeld, die den Jungen nicht vergessen haben. Unter einem Instagram-Beitrag des BKA zur Kampagne meldet sich Rebecca zu Wort. „Seit 41 Jahren frage ich mich, was meinem Kindergartenfreund Sven passiert ist“, schreibt sie. Sie wünsche sich vor allem, dass seine Eltern endlich Gewissheit bekommen.
RTL nimmt Kontakt zu Rebecca auf. Im Interview erzählt sie, wie sie die Zeit damals erlebt hat – und warum das Verschwinden ihres Freundes sie bis heute begleitet.
„Er holte mich öfter zum Kindergarten ab“
Rebecca berichtet, Sven und sie seien Nachbarskinder und Kindergartenfreunde gewesen. Sie seien in benachbarten Hochhauskomplexen in Ludwigshafen am Rhein aufgewachsen. „Jeder klingelte immer bei jedem, irgendjemand war zum Spielen immer da“, erinnert sich Rebecca.
Sven habe sie sogar häufiger zum Kindergarten abgeholt. An einen Satz erinnert sich Rebecca noch heute: Über die Sprechanlage habe der Junge immer gefragt: „Kommt die Frau Becker runter?“ Denn Sven habe ihren Namen nicht richtig aussprechen können.
Als Sven verschwindet, ist Rebecca gerade einmal vier Jahre alt. Zu jung, um wirklich begreifen zu können, was um sie herum geschieht. Doch die Erinnerungen an die Aufregung in der Nachbarschaft sind geblieben.
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Plötzlich ist überall Polizei – auch die Kinder suchen nach Sven
„Ich kann mich erinnern, dass der Aufruhr im Wohngebiet recht groß war“, erzählt Rebecca. Überall sei Polizei gewesen, alle hätten nach Sven gesucht. „Sogar wir Kinder bauten das in unsere Spiele ein.“
Gemeinsam mit ihrer Mutter besucht Rebecca damals auch Svens Mutter. Sie erinnert sich daran, dass diese völlig aufgelöst gewesen sei. Rebecca selbst habe dagegen noch nicht wirklich verstanden, warum ihr Freund plötzlich nicht mehr da ist.
Doch sein Verschwinden verändert etwas. Die Erwachsenen hätten die Kinder nun immer wieder davor gewarnt, mit Fremden mitzugehen oder etwas von ihnen anzunehmen. Bei Rebecca setzen sich diese Warnungen damals tief fest.
Svens Verschwinden löst bei Rebecca große Ängste aus
Rebecca entwickelt zu der Zeit nach eigenen Angaben eine starke Angst vor „bösen Menschen, Verbrechern und Dunkelheit”, habe viele Albträume gehabt. Gleichzeitig hätten die Kinder aber weiterhin selbstständig draußen spielen dürfen, „ab und zu hat mal ein Elternteil aus dem Fenster geschaut”.
Wie tief die Angst bei Rebecca sitzt, zeigt eine Situation, die sich rund zwei Jahre später ereignet habe. Ihre zwei Jahre jüngere Schwester habe auf dem Spielplatz großen Durst bekommen und einen vorbeikommenden Mann aus der Nachbarschaft nach etwas zu trinken gefragt. Er habe ihr daraufhin Wasser aus seiner Fahrradflasche gegeben.
Für Rebecca ist das ein Schock. Sie bekommt Panik, schleppt ihre Schwester weinend nach Hause und erzählt ihrer Mutter völlig aufgelöst, ihre Schwester müsse nun sterben – weil sie etwas von einem fremden Mann angenommen hat.
„Die Angst bekam ein reales und fieses Gesicht“
Jahrzehnte später ist Rebecca selbst Mutter. Doch die Erfahrungen aus ihrer Kindheit verschwinden nicht. Im Gegenteil: Als ihre eigenen Kinder größer werden, muss sie einen Weg finden, sie vor Gefahren zu warnen, ohne ihnen ihre eigenen Ängste mitzugeben.
„Die Angst, jemand könnte das meinen Kindern antun, was Sven mutmaßlich angetan wurde, bekam einfach ein reales und fieses Gesicht“, erzählt sie RTL. Dabei ist bis heute ungeklärt, was tatsächlich mit Sven geschehen ist.
Rebecca habe deshalb schon früh versucht, ihre Kinder für mögliche Gefahren zu sensibilisieren. Gleichzeitig wolle sie keine „Glucke“ sein und ihnen keine unnötige Angst machen. „Ich möchte meine Ängste nicht auf meine Kinder übertragen. Sie sollen offen durch die Welt gehen und sich frei entwickeln können.“
Rebecca muss beim Vorlesen manchmal weinen
Wie sehr der ungeklärte Vermisstenfall sie noch heute beschäftigt, merkt Rebecca selbst in alltäglichen Situationen mit ihrem fünfjährigen Sohn. „Ich muss z. B. bis heute sehr oft spontan weinen, wenn ich aufklärende Kinderbücher zu diesem Thema meinem gerade fünfjährigen Sohn vorlese. Ich muss immer abwägen: Kann ich das heute? Oder belastet es mich emotional zu stark?”
Auch bei ihrer inzwischen 19-jährigen Tochter sei das Thema während der Kindheit immer wieder präsent gewesen. Als besonders schwer habe Rebecca das Loslassen empfunden – etwa, als ihre Kinder erstmals in die Betreuung gingen oder später ihren Schulweg allein bewältigten.
Was geschah mit Sven Hollstein?
Svens Schicksal beschäftigt Rebecca bis heute. Wenn in den Nachrichten über verschwundene oder misshandelte Kinder berichtet wird, werde das Thema für sie sofort wieder präsent. Auch ihr heutiges Psychologiestudium habe ein Stück weit mit ihren eigenen Erfahrungen zu tun.
Vor allem aber denke sie immer wieder an Svens Eltern. „Als Mutter so etwas aushalten zu müssen, ist das Schlimmste“, sagt Rebecca.
Mehr als vier Jahrzehnte nach Svens Verschwinden bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: Was ist damals mit dem Jungen passiert? Genau deshalb macht das Bundeskriminalamt mit seiner Kampagne „Spurlos verschwunden“ erneut auf den Cold Case aufmerksam. Die Hoffnung: Dass sich auch nach all den Jahren noch Menschen melden, deren Hinweise bei der Aufklärung des Falls helfen können.
Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche, Bundeskriminalamt, Instagram/bundeskriminalamt


