Undercover als WegwerfagentenMorddrohung gegen RTL-Reporterin! DAS deckte unser Team im Russland-Netzwerk auf
Wie groß ist in Deutschland die Gefahr durch russische Agenten?
Das will ein RTL-Reporterteam herausfinden. Ein Jahr lang recherchieren unsere Journalisten undercover, schleusen sich in die prorussische Influencer-Szene ein und dokumentieren, wie Desinformation ihren Weg in Millionen Social-Media-Feeds findet. Außerdem geben sich als sogenannte Wegwerfagenten für Russland aus – bis zu einer schockierenden Nachricht.
Wie kommt der russische Geheimdienst an seine Informationen?
Erst Anfang August warf ein gescheiterter Sprengstoffangriff auf ukrainische Frachtflugzeuge am Flughafen Leipzig/Halle erneut die Frage auf: Wird Deutschland womöglich bereits seit längerem systematisch zum Opfer hybrider Angriffe durch russische Geheimdienste – mithilfe sogenannter „Wegwerfagenten“? Wie leicht lassen sich mitten in Deutschland Menschen für russische Interessen rekrutieren?
Um das herauszufinden, recherchieren die Reporter insgesamt ein Jahr lang unter aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen und in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden undercover. Über den Messengerdienst Telegram erhalten sie Aufträge von mutmaßlich russischen Akteuren, die sie gegen Bezahlung in der Kryptowährung Bitcoin erfüllen sollen. RTL-Reporterin Angelique Geray baut sich außerdem über Monate eine zweite digitale Identität auf: Als vermeintlich prorussische Influencerin „Katja“ versucht sie, auf Social Media Reichweite aufzubauen und Kontakte zu knüpfen.
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Mitglied im Bündnis Sahra Wagenknecht: Welche Rolle spielt Jovica Jović?
Schon nach kurzer Zeit landet Katjas Profil auf dem Radar von Jovica Jović, einer der größten Namen in der prorussischen Szene in Deutschland mit rund 35.000 Followern auf TikTok. Er ist Mitglied im Bündnis Sahra Wagenknecht. . Als „Katja“ telefoniert die Reporterin zunächst mit Jović und vereinbart schließlich ein Treffen. Beim Abendessen und auf der Fahrt dahin spricht Jović nicht nur gern über seine prorussischen Aktivitäten, er deutet auch an, dass der russische Geheimdienst bei der Propaganda-Maschine womöglich auch eine Rolle spielen könnte.
So sagt er zunächst: „Ich sag jetzt nicht, dass der russische Geheimdienst mitmacht, weil ich tue jetzt dumm.“ Auf die konkrete Frage, ob der russische Geheimdienst hinter der Kampagne stecke, antwortet er im Folgenden: „Das weiß man ja nicht. Also ich weiß es nicht – theoretisch. Praktisch weiß ich es.“
In einem späteren offenen Interview mit der Reporterin bestreitet Jović Verbindungen zum russischen Geheimdienst. Auch seine Beteiligung an der Desinformationskampagne weist er zurück und betont, ihm ginge es um Aufklärungsarbeit. Das BSW teilt auf Anfrage mit: „Herr Jovic ist einfaches Mitglied des BSW ohne jegliche Funktion“ und weiter: „Wir werden der Sache selbstverständlich nachgehen.“
Reporter sollen CDU-Mitglied ausspionieren
Die Aufträge klingen dabei meist zunächst alltäglich und nach schnell verdientem Geld: ein Foto machen, ein Paket abholen, eine SIM-Karte besorgen. Doch dahinter zeigt sich ein System, bei dem solche scheinbar harmlosen Tätigkeiten nur einzelne Bausteine einer größeren Operation sein können – mit potenziell gravierenden strafrechtlichen Konsequenzen.
So sollen die Reporter eine Menschenrechtsorganisation auskundschaften, einen CDU-Mitarbeiter ausspionieren, eine Partei infiltrieren und Informationen über deutsche Rüstungsunternehmen beschaffen. In diesen Recherchen sprechen sich die RTL-Reporter eng mit Anwälten und den Behörden ab.
Außerdem rekonstruieren sie einen mutmaßlichen russischen Sabotageakt, bei dem bereits vor zwei Jahren präparierte Pakete in Frachtflugzeugen am Flughafen Leipzig/Halle in Brand geraten sollten, und treffen in Litauen einen angeklagten mutmaßlichen Wegwerfagenten.
An einem geheimen Ort treffen sie den Rüstungsmanager Stefan Thumann. Er musste untertauchen und spricht zum ersten Mal über seine Situation. Thumann liefert Drohnen an die Ukraine. Mindestens zwei mutmaßliche Wegwerfagenten sollen ihn im Auftrag Russlands ausspioniert und verfolgt haben, bei der Festnahme des einen fand man eine Machete.
Drohung gegen RTL-Reporterin: „Wirst du fliehen wollen, bekommst du eine Kugel!“
Billig rekrutierte Helfer, Cyberangriffe, Spionage, Sabotage und Propaganda mit schwer nachweisbaren Verbindungen zu den eigentlichen Auftraggebern: Die Recherchen zeichnen das Bild einer hybriden Angriffsstrategie Russlands.
Und dass die russische Seite im Zweifel nicht lange fackelt, muss Reporterin Angelique am eigenen Leib erfahren. Als ihre Tarnung auffliegt, erhält sie eine Morddrohung per Mailbox: „Wirst du fliehen wollen, bekommst du eine Kugel!“ RTL hat für die Reporterinnen und Reporter ein Sicherheitskonzept.


![DIESES FOTO WIRD VON DER RUSSISCHEN STAATSAGENTUR TASS ZUR VERFÜGUNG GESTELLT. [RUSSIA, MOSCOW - AUGUST 22, 2026: Russian Security Council Deputy Chairman Dmitry Medvedev addresses a plenary session as part of Stage 2 of the United Russia Party's Congress ahead of the 2026 Russian State Duma election, at Megasport Sports Palace. Mikhail Tereshchenko/TASS]](https://www.rtl.de/img/31260363/1788345427/c3_4/1920/dieses-foto-wird-von-der-russischen-staatsagentur-tass-zur-verfuegung-gestellt-russia-moscow-august-22-2026-russian-security-council-deputy-chairman-dmitry-medvedev-addresses-a-plenary-session-as-part-of-stage-2-of-the-united-russia-partys-congress-ahead-of-the-2026-russian-state-duma-election-at-megasport-sports-palace-mikhail-tereshchenkotass.webp)
