Auch sie hat schon Deepfakes von sich gesehen „Mir wurde komplett übel“– Ricarda Lang über den Deepfake-Fall Collien Fernandes

„Täterparadies Deutschland“: Die ehemalige Grünen-ChefinRicarda Lang fordert harte Gesetze gegen digitale Gewalt.
„Täterparadies Deutschland“: Die ehemalige Grünen-ChefinRicarda Lang fordert harte Gesetze gegen digitale Gewalt.
RTL

Es ist viel mehr als nur eine Promi-Geschichte!
Ricarda Lang zeigt sich vom Fall Collien Fernandes zutiefst schockiert. Im ntv/RTL-Interview fordert die Grünen-Politikerin deshalb deutlich schärfere Gesetze gegen digitale Gewalt – Deutschland sei aktuell ein „Täterparadies“. Die 32-Jährige spricht aus Erfahrung: Auch sie hat bereits KI-Deepfakes von sich gesehen.

Unvorstellbare Form von Schutzlosigkeit

Der Fall von Collien Fernandes, die ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vorwirft, über Jahre Deepfakes von ihr im Netz verbreitet zu haben, hat in den Augen von Ricarda Lang eine besondere Dimension. „Mir ist, ehrlich gesagt, komplett übel geworden“, sagt sie. Sie habe in den vergangenen Jahren zwar viele Erfahrungen mit digitaler Gewalt gemacht und sei eigentlich hart gesotten. „Aber in diesem Fall kommt ja noch dazu, dass es ihr eigener Ehemann gewesen sein könnte – die Person, der man am meisten vertraut.“ Das schaffe eine Form von Schutzlosigkeit, die selbst für sie schwer nachzuvollziehen sei.

Lese-Tipp: Während ihrer Deepfake-Recherche – schrieb Collien HIER mit Christian Ulmen?

Im Video: Wie gut kannte Collien ihren Mann all die Jahre wirklich?

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

„Das ist ein ganz, ganz schreckliches Gefühl”

Für Lang ist klar: Das, was Collin Fernandes passiert sei, sei kein Einzelfall oder nur „eine Promigeschichte, über die wir jetzt reden.” Denn digitale, sexualisierte Gewalt sei für viele Frauen in diesem Land Alltag, so die Politikerin, die hier seitens der Gesetzgebung dringend Handlungsbedarf sieht. Neue technische Mittel wie KI machten es möglich, Frauen gezielt zu erniedrigen und sie fertig zu machen.

„Denn das Erstellen, das Verbreiten und das Bearbeiten von sexualisierten Darstellungen von Menschen ist gerade von unserem Strafrecht mehr schlecht als recht erfasst. Hier braucht es einen eigenen, umfassenden Straftatbestand“, fordert Ricarda Lang. Ihre harte Analyse lautet: Deutschland ist bei digitaler Gewalt gerade ein „Täterparadies“. Auch sie selbst hat schon Deepfakes von sich gesehen. „Da fühlt man sich komplett ja entwürdigt. Das ist ein ganz, ganz schreckliches Gefühl”, so die 32-Jährige.

Lese-Tipp: Wie finde ich heraus, ob Deepfakes von mir im Netz kursieren?

Streaming Tipp
Angriff auf unsere Kinder - Der Feind im Chat
Jetzt auf RTL+ streamen

Lese-Tipp: Anzeige gegen Ulmen: Ist das spanische Recht strenger als das deutsche?

Ricarda Lang fordert härtere Gesetze

Jetzt dürfe es in ihren Augen aber nicht bei Empörung bleiben. Der Druck müsse genutzt werden, um die Gesetze zu ändern. Ihre Partei bringe bereits diesen Donnerstag einen Gesetzesentwurf für besseren digitalen Gewaltschutz in den Bundestag ein. Ricarda Lang wünscht sich, dass alle demokratischen Fraktionen dafür an einem Tisch zusammenkommen. „Ich glaube, der Druck ist jetzt gerade da. Ich habe das Gefühl, der Wille ist auch da.“ Jetzt müsse das politische Handeln folgen.

Das sagt Christian Ulmens Anwalt

Nach der Spiegel-Berichterstattung meldete sich Christian Ulmens Anwalt zu Wort. Prof. Dr. Christian Schertz vertritt die presserechtlichen Interessen des Schauspielers. Er teilte mit: „Die Berichterstattung ist nach summarischer Überprüfung aus mehreren Gründen rechtswidrig. Wir sind daher auch beauftragt, gegen den Spiegel rechtliche Schritte einzuleiten. Es handelt sich zum einen in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung. Zum anderen werden unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet. Wir bitten daher unbedingt, die Persönlichkeitsrechte von Herrn Ulmen zu beachten und von einer Übernahme einseitiger Vorwürfe Abstand zu nehmen.” Eine RTL-Anfrage ließ Rechtsanwalt Prof. Dr. Schertz zunächst unbeantwortet. Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.