So schlugen Täter schon in Berlin zuMega-Stromausfall nach Brand in Reutlingen – Verdacht fällt auf Linksextremisten

In Reutlingen brennt es in der Nacht in einem Umspannwerk, bis zum Nachmittag sind noch immer Tausende Haushalte ohne Strom. In Sicherheitskreisen heißt es, man gehe von einem linksextremistischen Anschlag aus.
Der nächtliche Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen, der einen großflächigen Stromausfall in der Region auslöste, könnte nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen gezielt gelegt worden sein. Die Vorgehensweise deute auf linksextremistische Täter hin und weise Parallelen etwa zu entsprechenden Taten in Berlin auf, hieß es. Hinweise auf einen möglichen Drahtzieher im Ausland gebe es nicht.
Von offizieller Stelle gibt es noch keine Stellungnahme dazu: „Dem Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg liegen derzeit keine weiterführenden Erkenntnisse zur mutmaßlichen Brandstiftung in Reutlingen vor“, teilte eine Sprecherin der Behörde mit. „Bislang wurden noch keine Bekennerschreiben veröffentlicht.“
In der Nacht hatte es im Umspannwerk Reutlingen-West gebrannt, sodass dieses ausfiel und eine weitere Anlage in Mitleidenschaft zog. Die Folgen: Zehntausende Menschen sind zunächst ohne Strom, auch ein Krankenhaus ist betroffen. Zwar konnte in einigen Gebieten die Versorgung am Morgen wieder hergestellt werden, auch in der Klinik. Doch noch immer sind 7600 Haushalte ohne Strom. Durch den Brand und den Stromausfall soll ein Schaden von mehreren Millionen Euro entstanden sein.
Auch der Netzbetreiber Netze BW gibt an, Hinweise auf Brandstiftung zu haben. Es seien drei Brandstellen gefunden worden, außerdem seien der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt, sagt ein Sprecher. Bestätigt ist ein Anschlag bislang jedoch nicht. Die Polizei ermittelt. Auch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg ist eingebunden.
„Wir beziehen ein, ob es eventuell ein technischer Defekt sein könnte oder eine Brandlegung, eventuell fahrlässig oder auch vorsätzlich“, sagt Tina Rempfer vom Polizeipräsidium Reutlingen. Oberster Schwerpunkt der Spezialisten vor Ort sei die Ursachenforschung. Auch ein Brandmittelspürhund ist auf dem Gelände. Er könnte erschnüffeln, ob Brandbeschleuniger benutzt wurden.
Ausgerechnet der Chef der Stadtwerke wird zum Augenzeugen. Er sei um 1.40 Uhr aufgewacht und habe gesehen, dass der Strom weg sei, schildert Jens Balcerek danach. „Ich bin dann auf den Balkon gegangen und hab dann nur filmen können von vier Kilometern Entfernung, wie das Umspannwerk abgebrannt ist.“ Auf der Plattform X kursiert ein Video, das den nächtlichen Vorfall zeigen soll - aufgenommen wohl aus einer benachbarten Gemeinde. Zu sehen sind unter anderem Lichtblitze, zu hören sind Explosionsgeräusche.
Der Vorfall erinnert an zwei mutmaßlich linksextremistische Brandanschläge auf die Stromversorgung in Berlin. Nach dem Anschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und rund 2000 Gewerbebetriebe vom Stromausfall betroffen. Der Ausfall dauerte rund 60 Stunden, erst am Nachmittag des 11. September waren wieder alle Haushalte am Netz.
Bei einem zweiten Anschlag am 3. Januar wurden fünf Hoch- und zehn Mittelspannungskabel auf einer Kabelbrücke zerstört. Erst am 7. Januar und damit nach rund 100 Stunden war die Stromversorgung wieder für alle Betroffenen hergestellt. Damals herrschte eisige Kälte und es lag Schnee - und der Stromausfall sorgte auch dafür, dass viele Zentralheizungen nicht mehr liefen. Tausende Berliner flüchteten zu Freunden, Bekannten und in Hotels.
Verwendete Quellen: jog/dpa


