Liveticker zu Schüssen in StadeNeue Details zum Sorgerechtsstreit: Hat der Tatverdächtige sein Baby geschüttelt?

von Hauke Kutz , Nils Fischer-Stahl, Roger Saha, Nele Hasselbusch, Johanna Grewer, Camilla Koziol und Sebastian Fuhrmann

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.
Bei Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade sind sechs Erwachsene getötet worden. Die Identifizierung der Opfer dauert an, immer mehr Details zum mutmaßlichen Täter und zum Tatablauf werden bekannt. In unserem Live-Ticker informieren wir über alle Entwicklungen und Hintergründe.

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Nele Hasselbusch

Tatverdächtiger soll sein Baby geschüttelt haben 

Der "Spiegel" berichtet über neue Details zum Sorgerechtsstreit. Demnach soll der 45-jährige Tatverdächtige sein drei Monate altes Kind geschüttelt haben. Ein Arzt habe die Verletzungen festgestellt. Zu diesem Zeitpunkt soll die Mutter bereits von dem Mann getrennt gelebt haben. 

Bereits bekannt war, dass das Baby aus der Familie genommen worden war. Warum das geschah, war bislang jedoch unklar. Laut „Spiegel“ gab es außerdem zwei Gerichtsentscheidungen im Sorgerechtsstreit vom 28. April und 20. Mai. Einzelheiten zu den Entscheidungen wurden zunächst nicht bekannt.
Camilla Koziol

Immer wieder legen Menschen Blumen ab oder stellen Kerzen auf

An dem Gebäude, in dem sich das Grauen abspielte, sind von außen keine Beschädigungen zu sehen, wie ein dpa-Reporter berichtet. Bisweilen kommen Anwohner, die trotz Absperrung zu ihrem eigenen Haus dürfen.
Die Tat sorgt für große Bestürzung. Immer wieder kommen Menschen und legen in der Nähe des Tatortes Blumen ab oder stellen im Gedenken an die Opfer Kerzen auf. Die Straße soll voraussichtlich den gesamten Dienstag gesperrt bleiben.

ACTIONPRESS FOTO ONLINE
Camilla Koziol

Beamte schossen auf die Reifen des Fluchtwagens

Die Polizei hatte den Tatverdächtigen kurz nach der Tat festgenommen. Er versuchte mit einem Auto zu fliehen, das eine 65-Jährige fuhr. Beamte schossen auf die Reifen des Wagens. Nach derzeitigem Erkenntnisstand hat die Frau eine enge Verbindung zur Familie des Tatverdächtigen. Auch sie wurde nach Behördenangaben von der Polizei vernommen. Ob die 65-Jährige weiter in Gewahrsam ist, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage nicht. 

Nele Hasselbusch

Region Hannover sagt Veranstaltungen ab 

Die Region Hannover hat nach der Bluttat in Stade mehrere Veranstaltungen abgesagt: "Angesichts dieser Tragödie gebietet es der Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen."

Abgesagt wurden unter anderem der Sommerempfang der Wirtschaftsförderung, das Eröffnungskonzert des Kultursommers sowie zwei Roadshow-Termine am Wochenende. Die Regionsversammlung findet am Dienstag nur in verkürzter Form statt. 
Nele Hasselbusch

Kostenloses Beratungstelefon für Betroffene eingerichtet

Der Opferschutzbeauftragte des Landes Niedersachsen sichert Betroffenen schnelle Hilfe zu. Für Menschen, die Angehörige verloren haben, verletzt wurden oder die Tat auf andere Weise miterleben mussten, wurde ein kostenloses Beratungstelefon eingerichtet. Dort stehen nach Angaben des Landes erfahrene psychosoziale Beraterinnen und Berater für akute Unterstützung bereit.

Der niedersächsische Opferschutzbeauftragte Thomas Pfleiderer erklärt: „Wir können nicht ungeschehen machen, welches Leid durch den Akt der Gewalt über so viele Menschen gebracht wurde.“ Umso wichtiger sei es, den Betroffenen jetzt möglichst schnell und unbürokratisch Hilfe anzubieten. (dpa)
Nele Hasselbusch

Dobrindt zeigt sich nach Tat in Stade sprachlos 

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt äußert sich bestürzt. „Je mehr man davon erfährt, desto sprachloser ist man“, sagte der CSU-Politiker in Berlin. Seine Gedanken und Gebete seien bei den Opfern und ihren Familien.

Nach Angaben Dobrindts war der mutmaßliche Täter zu einem Gespräch über den Umgang mit seinem drei Monate alten Kind in die Mutter-Kind-Einrichtung eingeladen. Weil die Situation als schwierig eingeschätzt worden sei, hätten mehr Mitarbeiter an dem Termin teilgenommen als üblich. Während des Gesprächs habe der Mann dann eine Waffe gezogen und sechs Menschen erschossen. Zugleich betonte der Innenminister, der Tatverdächtige sei in der Vergangenheit keine „polizeilich sehr stark auffällige Person“ gewesen. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat dauern an. (dpa)
Nele Hasselbusch

"Als ich die Schreie gehört habe, bin ich weggerannt" – das erlebten Augenzeugen der Bluttat 

Augenzeugen berichten, wie sie die Bluttat in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade erlebt haben. Das Video zeigt die dramatischen Minuten, den aktuellen Stand der Ermittlungen und wie die Menschen vor Ort trauern.

Camilla Koziol

Unter den Opfern sind drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover

In einem Statement des Jugendamts wird klar, wie dramatisch der Verlust der drei Menschen ist. Unter anderem teilt die Behörde RTL mit: "Wir sind zutiefst erschüttert über den gewaltsamen Tod mehrerer Menschen in Stade. Unter den Opfern sind drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover, die sich zu einem Hilfeplangespräch in der Jugendhilfeeinrichtung befanden. Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten den Familien, Freundinnen und Freunden der Getöteten sowie allen Kolleginnen und Kollegen, die dieses unfassbare Ereignis verarbeiten müssen.

Die Mitarbeitenden der Kinder- und Jugendhilfe setzen sich täglich mit großem Engagement, hoher Professionalität und Menschlichkeit für den Schutz von Kindern und Jugendlichen ein und begleiten Familien in oftmals sehr belastenden Lebenssituationen. Dass Kolleginnen und Kollegen bei der Ausübung ihrer verantwortungsvollen Aufgabe ihr Leben verlieren, macht uns fassungslos. Viele unserer Mitarbeitenden trauern und stehen unter dem Eindruck dieser schrecklichen Tat. Sie in dieser Situation zu begleiten und zu unterstützen, hat für uns höchste Priorität. (...)"

Nele Hasselbusch

Heute Abend Andacht in Stade 

Die evangelische Kirche lädt heute um 18.00 Uhr zu einer öffentlichen Andacht in die St.-Wilhadi-Kirche in Stade ein. Eingeladen sind alle, die ihrer Trauer, Erschütterung und Anteilnahme Ausdruck verleihen möchten.

Regionalbischöfin Sabine Preuschoff erklärt: „Mit der Andacht in St. Wilhadi möchten wir Raum geben, um mit unserem Erschrecken, unseren Fragen und unseren Erlebnissen nicht allein zu sein.“ Zuvor hatte sie den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl ausgesprochen und den Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorgern für ihren Einsatz gedankt. Auch Landesbischof Ralf Meister und Landrat Kai Seefried werden an der Andacht teilnehmen. 
Nele Hasselbusch

Haftvorführung am Nachmittag? Staatsanwaltschaft prüft Haftantrag

Derzeit wird der Haftbefehl gegen den 45-jährigen Tatverdächtigen vorbereitet. Nach Informationen von RTL laufen die Abstimmungen zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft noch. Wegen der komplexen Ermittlungen brauche das Verfahren Zeit. Nach derzeitiger Tendenz soll der Mann noch heute Nachmittag einem Haftrichter vorgeführt werden. Gesetzlich muss über den Haftantrag bis spätestens Mitternacht entschieden werden. 

Zudem bestätigten die Ermittler, dass es sich bei dem Termin in der Jugendhilfeeinrichtung nicht um einen Gerichtstermin, sondern um ein Gespräch unter Beteiligung des Jugendamts zum weiteren Vorgehen im Sorgerechtsverfahren handelte. Keine Erkenntnisse gibt es derzeit zu möglichen Clan-Verbindungen des Tatverdächtigen aus dem Raum Hannover. 
Nele Hasselbusch

Frau fuhr Stade-Killer vom Tatort – wer ist die 65-Jährige? 

Neben dem mutmaßlichen Schützen hat die Polizei auch eine 65-Jährige festgenommen. Nach Angaben der Ermittler saß sie am Steuer des Fluchtfahrzeugs und hat nach bisherigem Kenntnisstand eine enge Verbindung zur Familie des 45-jährigen Tatverdächtigen. Nach der Tat stieg er laut Polizei zu der Frau in einen Mercedes. Gemeinsam versuchten sie zu fliehen. Auf einer Landstraße schossen Polizeibeamte auf die Reifen des Wagens, der schließlich zum Stehen kam.

Währenddessen laufen die Ermittlungen am Tatort auf Hochtouren. Die Polizei spricht von einer aufwendigen und detaillierten Spurensicherung. Aus ermittlungstaktischen Gründen machen die Behörden derzeit weder Angaben zur Tatwaffe noch zum genauen Ablauf der Tat. Auch die Frage, ob gegen den mutmaßlichen Schützen Haftbefehl beantragt wird, ist bislang noch offen. (dpa)

Der mutmaßliche Schütze soll nach der Tat in diesen Mercedes gestiegen sein. Das Fluchtfahrzeug wurde wenig später von der Polizei gestoppt.
Der mutmaßliche Schütze soll nach der Tat in diesen Mercedes gestiegen sein. Das Fluchtfahrzeug wurde wenig später von der Polizei gestoppt. News5
Nele Hasselbusch

Opfer noch nicht identifiziert – Polizei korrigiert Angaben zu Verletzten 

Nach der Bluttat in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade laufen die Ermittlungen heute weiter. Der Tatort bleibe dafür voraussichtlich noch den gesamten Tag gesperrt. Die Identifizierung der sechs Todesopfer ist nach Angaben der Polizei noch nicht abgeschlossen. Unter den Opfern befinden sich vier Frauen und zwei Männer.

Zugleich korrigierten die Ermittler frühere Angaben zu Verletzten: Anders als zunächst berichtet, gibt es keine weiteren Verletzten. Zwei Menschen waren zunächst reanimiert beziehungsweise ins Krankenhaus gebracht worden, erlagen jedoch ihren schweren Verletzungen. Damit kamen insgesamt sechs Menschen ums Leben.

Nach bisherigen Erkenntnissen soll ein 45-jähriger Mann während eines Termins in der Mutter-Kind-Einrichtung im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit das Feuer eröffnet haben. Die Mutter des drei Monate alten Kindes sowie das Baby gehören laut Polizei nicht zu den Todesopfern. Die 34-Jährige befand sich am späten Abend laut Polizei noch in polizeilichen Maßnahmen - dabei werden unter anderem Personalien aufgenommen. Die Tochter sei in die Obhut des Jugendamtes übergeben worden.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz äußert sich zur Tat. Auf X schreibt er: "Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark." Seine Gedanken seien bei den Angehörigen der Opfer und allen Betroffenen.
(dpa)
Sebastian Fuhrmann

Polizei: Motiv für Bluttat in Stade offenbar Sorgerechtsstreit

In Stade westlich von Hamburg sterben mehrere Menschen durch Schüsse. Nun werden mehr Details zum mutmaßlichen Täter bekannt. 
Motiv für die Tat war vermutlich ein Sorgerechtsstreit. Das Motiv liege "vermutlich im Umfeld, das heißt in einem Sorgerechtsstreit", sagte die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol auf einer Pressekonferenz. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich demnach um einen 45 Jahre alten, in Deutschland geborenen Mann mit türkischen Wurzeln aus dem Raum Hannover. 
Die bei den Schüssen getöteten Menschen sind alle Mitarbeiter der Jugendeinrichtung.
Der Verdächtige hatte den Angaben nach in der Einrichtung einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter - zusammen mit vielen seiner Opfer. Zum Tatverdächtigen sagte Schuol darüber hinaus: "Es liegen zu ihm polizeiliche Erkenntnisse vor, unter anderem aus dem Bereich Bedrohung, aber er galt bisher nicht als absolut gewalttätig in unserem polizeilichen System." 
Nach derzeitigem Ermittlungsstand sei unklar, woher der mutmaßliche Täter die Waffe hatte und ob es mehrere Waffen gab. Sicher sei, dass der Tatverdächtige keine Erlaubnis zum Führen der gefundenen Waffe hatte. (dpa) 
Sebastian Fuhrmann

Pressekonferenz der Ermittler ist vorbei 


Die Pressekonferenz zu den Hintergründen der schrecklichen Tat ist beendet. Wir melden uns gleich hier mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse. 
Camilla Koziol

Unklar, ob Schüsse in einem Raum oder in mehreren Räumen fielen

Das ermittle derzeit noch die Spurensicherung.