Freude oder Frust im UnterrichtStudie zeigt: Haben Lehrer gut Laune, gibt es gute Noten!

ACHTUNG: SPERRFRIST 1. JUNI 15:00 UHR. ACHTUNG: DIESER BEITRAG DARF NICHT VOR DER SPERRFRIST, 1. JUNI, 15.00 UHR, VERÖFFENTLICHT WERDEN! EIN BRUCH DES EMBARGOS KÖNNTE DIE BERICHTERSTATTUNG ÜBER STUDIEN EMPFINDLICH EINSCHRÄNKEN. - ARCHIV - 15.11.2023, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Schüler meldet sich in einer vierten Klasse in einer Grundschule in Stuttgart. (zu dpa: «Ist der Lehrer gut drauf, klappt's eher mit den guten Noten») Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Grummelige Lehrer machen schlechteren Unterricht, was sich wiederum auf die Noten ihrer Schüler auswirkt.
Bernd Weißbrod/dpa

Die Gefühlslage im Klassenzimmer ist entscheidend für den Bildungserfolg der Schüler. Eine positive Haltung der Lehrkraft stärkt das Selbstvertrauen und Interesse der Kinder. Eine neue Untersuchung zeigt, wie dieser Mechanismus weltweit funktioniert.

Lehrer sind entscheidend für die Lernmotivation ihrer Schüler. Das bestätigt die Analyse eines Forschungsteams unter anderem aus München, Berlin und Kiel. Demnach macht es einen immensen Unterschied, ob die Lehrkräfte im Unterricht Freude oder Ärger empfinden. Lehren sei nicht nur eine intellektuelle, sondern auch emotionale Tätigkeit, sagte Marina Elena Pfeifer von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Hauptautorin der Studie.

Wenn Lehrkräfte Freude an ihrem Tun empfinden, bieten sie demnach qualitativ hochwertigeren Unterricht, der das Selbstvertrauen der Schüler in ihre Fähigkeiten, ihr Interesse und ihre schulischen Leistungen stärkt. Verärgerte Lehrer hingegen gehen mit schlechterem Unterricht und schlechteren Lernergebnissen der Schüler einher, wie das Team im „Journal of Educational Psychology“ berichtet.

Die Forschenden hatten Daten von 679 Mathelehrern und mehr als 17.500 um die 15 Jahre alten Schülern in acht Ländern zusammengetragen. Einbezogen wurden Schulen in Chile, China, Kolumbien, Deutschland, Japan, Mexiko, Spanien und Großbritannien. Alle Klassen bearbeiteten für eine gute Vergleichbarkeit dieselbe Mathematiklektion - die Einführung quadratischer Gleichungen.

Die Lehrkräfte wurden mithilfe der sogenannten „Teacher Emotions Scale“ befragt, wie viel Freude sie während des Unterrichts hatten oder wie groß ihre Verärgerung war. Die Wahl sei auf Freude und Ärger gefallen, weil dies nach vorhergehenden Analysen die prägnantesten positiven und negativen von Lehrkräften erlebten Emotionen seien. Die Kinder wurden gebeten, die Unterrichtsqualität ihrer Lehrer zu bewerten sowie über ihr Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten und ihr Interesse am Fach zu berichten. Zudem absolvierten sie einen Leistungstest.

Lehrer, die mehr Freude empfanden, waren im Mittel eher in der Lage, den Unterricht effektiv zu gestalten, unterstützende Beziehungen zu den Schülern aufzubauen und kognitiv anregende Unterrichtsstrategien anzuwenden. Dies wiederum war mit einem höheren Selbstvertrauen der Schüler, größerem Interesse am Lernen und besseren Testergebnissen verbunden. Lehrer, die eher Ärger empfanden, zeigten im Durchschnitt in allen drei Aspekten eine schlechtere Unterrichtsqualität, auch die Lernergebnisse ihrer Schüler waren schlechter.

Vermutlich geraten Lehrer leicht in selbstverstärkende Kreisläufe, wie Pfeifer erklärte. „Ein verärgerter Lehrer könnte Schwierigkeiten haben, die Klasse effektiv zu führen, was zu schlechten Leistungen der Schüler führt, was wiederum dazu führt, dass sich der Lehrer noch frustrierter und erfolgloser fühlt - ein Teufelskreis.“ Ein fröhlicher Lehrer wiederum schaffe eine positive Spirale, bei der effektiver Unterricht zum Erfolg der Schüler führt - „was den Lehrer noch glücklicher und stolzer auf seine Arbeit macht“.

Am faszinierendsten sei die Übereinstimmung der Ergebnisse in den verschiedenen Ländern gewesen, sagte Pfeifer. „Trotz erheblicher kultureller, wirtschaftlicher und sprachlicher Unterschiede blieben die Mechanismen, durch die die Emotionen eines Lehrers die Unterrichtsqualität und die Schülerleistungen beeinflussen, weltweit bemerkenswert ähnlich.“

Es sei wichtig, die positive Haltung von Lehrkräften zu fördern, schließen die Forschenden aus ihren Ergebnissen. „Die wichtigste Schlussfolgerung für die Praxis ist, dass die Förderung des emotionalen Wohlbefindens von Lehrkräften nicht nur ein ‚nettes Extra‘ ist - sie ist entscheidend für den Lernerfolg der Schüler“, so Pfeifer. Schulen und politische Entscheidungsträger sollten der Reduzierung von Lehrerstress daher Priorität einräumen.

Verwendete Quellen: abe/dpa