Nach Wirbel um Youtuber Jordan und SemihElefanten-Trainer erklärt umstrittenes Video – doch PETA bleibt bei harter Kritik

Elefantendame Citta wird für einen Livestream der Influencer Jordan und Semih vor die Kamera geholt.
Elefantendame Citta wird für einen Livestream der Influencer Jordan und Semih vor die Kamera geholt. Die Aktion sorgt im Netz für heftige Kritik und eine Debatte über Tierschutz.
m.twitch.tv/jordan_semih
von Martina Lewinski

Diese Bilder haben eine heftige Debatte ausgelöst.
Die Influencer Jordan und Semih tanzen und springen in ihrem Livestream vor Elefantendame Citta herum, laute Musik läuft – im Netz hagelt es Kritik. Doch nun meldet sich der Halter des Tieres zu Wort und erklärt, wie der Dreh tatsächlich abgelaufen sein soll. Einige Szenen könnten dadurch in einem anderen Licht erscheinen. Doch ändert das auch etwas am Vorwurf der Tierquälerei? RTL hat bei PETA nachgehakt.

Elefanten-Halter zeigt, wie die Kulisse wirklich aussah

Im Stream entsteht der Eindruck, Elefantendame Citta stehe mit den beiden Influencern in einem kleinen, dunklen Studio. Tatsächlich wurde der Dreh nach Recherchen von „Bild“ aber auf dem Elefantenhof Platschow in Ziegendorf in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen.

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Halter Sonni Frankello zeigt anschließend auf Instagram, wie die Kulisse aufgebaut war. Schwarze Spanplatten sollten demnach das Studio der Influencer nachbilden. Citta wurde also offenbar nicht, wie es im Stream zunächst wirken konnte, in einen vollständig geschlossenen kleinen Raum gebracht.

Ursprünglich hätten Jordan und Semih den Elefanten laut Frankello sogar nach Dortmund bringen lassen wollen. Das sei ihm jedoch zu weit gewesen. Stattdessen seien die Influencer für den Dreh auf den Elefantenhof gekommen.

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Halter: Influencer waren „wirklich etwas wild“

Auch zum Verhalten der beiden 23-Jährigen äußert sich der Elefantenhalter. „Sie waren wirklich etwas wild“, sagt Frankello gegenüber „Bild“.

Die Influencer seien vor dem Dreh darüber informiert worden, wie sie sich in der Nähe des Elefanten verhalten sollten. Frankellos Tochter Jennifer erklärt dem Bericht zufolge, sie habe einen der beiden während des Drehs sogar an der Schulter berührt, um ihm zu signalisieren, dass er ruhiger werden müsse.

Frankello betont zugleich, dass er eingegriffen hätte, wenn aus seiner Sicht eine Gefahr für das Tier bestanden hätte. Im Stream ist zu sehen, wie Jordan und Semih vor Citta singen, tanzen und springen. Zeitweise läuft Musik, während die Elefantendame verschiedene Kunststücke ausführt.

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„Neue Informationen ändern nichts an der Kritik”

RTL hat PETA angesichts der neuen Informationen zur Kulisse um eine erneute Einschätzung gebeten. An der grundsätzlichen Bewertung der Tierschutzorganisation ändert sich dadurch nichts.

„Die Inhalte des Videos sind hochgradig problematisch“, sagt PETA-Tierpsychologin Jana Hoger im Gespräch mit RTL. Besonders der Umgang mit Citta und die Kunststücke, die der Elefant vorführen muss, stoßen bei ihr auf Kritik. „Wir sehen hier ein Tier, das auf schlimmste Weise gedemütigt wird“, sagt Hoger.

Nach Einschätzung der Tierschützerin stehen hinter solchen Kunststücken keine natürlichen Verhaltensweisen. Sie kritisiert, dass Elefanten für entsprechende Vorführungen dressiert werden: „Solche Dinge passieren grundsätzlich bei Elefanten, die in Menschenhand sind und mit denen irgendwelche Kunststücke gemacht werden, unter Schmerzen, Zwang, Druck und Gewalt.“

Die neuen Bilder vom Drehort ändern für Hoger deshalb wenig. Entscheidend sei aus Sicht von PETA nicht die Kulisse, sondern das, was Citta während des Streams tun musste. Dass Tiere auch heute noch für derartige Unterhaltung eingesetzt würden, sei aus Sicht von PETA „aufs Schlimmste zu verabscheuen“.

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PETA warnt vor Tieren als Mittel für Klicks

Hoger richtet ihren Appell dabei nicht nur an Jordan und Semih. Grundsätzlich sollten sich Influencer aus ihrer Sicht fragen, welche Bedürfnisse Tiere haben, bevor sie diese für Inhalte in sozialen Netzwerken einsetzen. Besonders kritisch sieht PETA Situationen, in denen Tiere genutzt werden, um Reichweite und damit möglicherweise Einnahmen zu erzielen.

Hoger appelliert außerdem an Nutzer, problematische Tier-Videos nicht zusätzlich zu verbreiten. Gleichzeitig beobachte sie eine positive Entwicklung: Immer mehr Menschen würden in sozialen Netzwerken kritisch hinschauen und mögliche Missstände im Umgang mit Tieren nicht einfach hinnehmen.

Der Stream von Jordan und Semih ist inzwischen gelöscht. Die neuen Aufnahmen vom Drehort zeigen zwar, dass Citta offenbar nicht in dem vollständig geschlossenen Raum stand, den die Bilder zunächst vermuten ließen. Für PETA ändert das jedoch nichts am entscheidenden Punkt: Ein Wildtier sollte aus Sicht der Organisation nicht für Kunststücke, Unterhaltung und Klicks herhalten müssen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, Bild, Instagram/Sonni Frankello