„Ich kann mich nicht erinnern”Im Flieger mit Klebeband fixiert! Jetzt spricht der Flugzeug-Rüpel

Layne L. mit Klebeband in einem Flugzeugsitz fixiert
Layne L. hat am 3. September Crew und Passagiere in einem Armerican Airlines-Flug beleidigt und musste fixiert werden
Instagram/richardolenick
von Philipp Petersdorff

Er soll im Flugzeug gepöbelt und einen Mitreisenden angegriffen haben.
Am Ende wird Layne L. (67) mit Kabelbindern und Klebeband an seinem Sitz fixiert. Jetzt hat sich der Amerikaner erstmals selbst vor Gericht geäußert. Doch von der Eskalation über den Wolken will er nichts mehr wissen.

Audioaufnahme aus Gerichtstermin

„Ich kann mich an nichts erinnern, was passiert ist.“ Mit diesen Worten meldet sich Layne L. erstmals nach jenem Flug zu Wort, der für ihn statt in New Jersey in Polizeigewahrsam endet. Bei seiner ersten Anhörung in Annapolis wirkt der 67-Jährige selbst überrascht davon, was ihm vorgeworfen wird. Das berichtet das US-Portal The Baltimore Banner, dem eine Audioaufnahme des Gerichtstermins vorliegt.

„Oh mein Gott. Was für ein Schlamassel”

Layne L. sitzt am 3. September im American-Airlines-Flug 618 von Dallas nach Newark. Doch nach Angaben der Polizei wird sein Verhalten an Bord zunehmend ungebührlich. Zeugen berichten demnach von Schimpfwörtern und rassistischen Beleidigungen. Schließlich wird L. mit Kabelbindern und Klebeband fixiert und die Maschine nach Baltimore umgeleitet.

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Im Video: Deshalb wird der Passagier mit Klebeband fixiert

Einen Tag später sitzt der 67-Jährige vor Bezirksrichter George Haag. Als dieser ihm zu Beginn der Anhörung die Vorwürfe nennt, scheint L. seinen Ohren kaum zu trauen. „Ich habe einen Polizisten angegriffen? Steht das da?“, fragt er und erklärt: „Ich habe meine Brille nicht dabei.“

Der Richter liest ihm daraufhin die Anschuldigungen vor. L.s Reaktion: „Oh mein Gott. Was für ein Schlamassel. Ich kann mich an nichts davon erinnern.“ L. ist wegen Körperverletzung zweiten Grades und ungebührlichen Verhaltens angeklagt.

Zwei Cocktails, dann setzt L.s Erinnerung aus

Ganz weg ist seine Erinnerung an die Reise allerdings nicht. L. erzählt bei der Anhörung, zwei Screwdriver getrunken zu haben, also Cocktails aus Wodka und Orangensaft. Außerdem erinnert er sich noch an ein Gespräch mit seinem Sitznachbarn Rabbiner Jonathan Cahn. Danach klafft in seiner Erinnerung nach eigener Aussage eine gewaltige Lücke.

Cahn erinnert sich dagegen sehr genau an die gemeinsame Reise. Gegenüber The Banner schildert er, dass die beiden etwa zwei Stunden miteinander gesprochen hätten. So intensiv, dass Flugbegleiter laut Cahn sogar glaubten, die Männer seien alte Freunde. Tatsächlich hätten sie sich an diesem Tag zum ersten Mal getroffen. Als das Gespräch auf Religion gekommen sei, habe sich L. Verhalten verändert.

Auch gegenüber der Daily Mail schildert Cahn diesen plötzlichen Stimmungswechsel. Zuvor hätten sich die beiden freundlich unterhalten. Dann sei L. aus seiner Sicht innerhalb eines Augenblicks wie ausgewechselt gewesen. Laut The Sun wirft Cahn seinem Sitznachbarn vor, ihn anschließend antisemitisch beleidigt und körperlich angegriffen zu haben. L. soll angefangen haben, zu fluchen und vulgäre sowie blasphemische Äußerungen von sich zu geben. „Er hat alles und jeden beschimpft“, sagt Cahn.

Mit Klebeband an den Sitz gefesselt

Während der Auseinandersetzung kündigt der Pilot schließlich eine Notlandung an. Zwei Männer, die einige Reihen weiter vorne sitzen, holen laut Cahn Klebeband und überwältigen L. Die Bilder davon sind drastisch. Der 67-Jährige sitzt in seinem First-Class-Sessel, große Mengen silbernes Klebeband halten ihn fest.

Am Baltimore-Washington International Airport nimmt die Polizei ihn in Gewahrsam. Beim Verlassen des Flugzeugs soll L. dann auch noch einem Beamten gegen die Brust geschlagen haben. Und auch beruflich hat die Geschichte für Konsequenzen. L. war Immobilienmakler. Sein Arbeitgeber hat die Zusammenarbeit mit ihm nach Bekanntwerden der Vorwürfe beendet.

Verwendete Quellen: The Banner, The Sun