Mutter kämpft um AufklärungSie wog nur noch 20 Kilo! 16-Jährige stirbt nach Untersuchungshaft

18 Tage lang hat eine Jugendliche in Untersuchungshaft ihre Unschuld beteuert.
Sie darf ihre Familie nicht sehen und berichtet später von massivem Druck durch ihre Ermittler. Fünf Monate nach ihrer Entlassung stirbt die 16-Jährige in Japan.
Mutter fordert Antworten
„Meine Tochter war nicht wiederzuerkennen, als sie starb.“ Mit diesen Worten schildert eine Mutter ihren Schmerz. Ihre Tochter, in Gerichtsakten unter dem Namen Runa geführt, war erst 16 Jahre alt. Die Jugendliche war festgenommen worden, obwohl sie nach Angaben ihrer Familie nichts falsch gemacht hatte. Nach fast drei Wochen in Untersuchungshaft kam sie wieder frei. Fünf Monate später starb sie. Nun verklagt die Mutter den Staat auf umgerechnet rund 540.000 Euro Entschädigung.
18 Tage Haft trotz Unschuldsbeteuerungen
Runa arbeitete in einer Pflegeeinrichtung für Menschen mit Behinderungen. Im vergangenen Jahr wurde sie festgenommen, weil sie eine Patientin misshandelt haben soll. Die Familie weist den Vorwurf zurück. Nach ihrer Darstellung wollte die Jugendliche lediglich verhindern, dass die Frau eine andere Bewohnerin beißt. Obwohl Runa ihre Unschuld beteuerte, blieb sie 18 Tage in Untersuchungshaft. Kontakt zu ihrer Familie durfte sie in dieser Zeit nicht aufnehmen.

Laut der jetzt eingereichten Klage soll die Jugendliche während der Vernehmungen massiv unter Druck gesetzt worden sein. Ihr sei gedroht worden, in eine Erziehungsanstalt zu kommen. Außerdem habe man ihr gesagt, sie werde ihre Mutter nicht wiedersehen. In ihrem Tagebuch hielt sie die Aussagen der Ermittler fest. Dort zitierte sie Wärter unter anderem mit diesen Worten: „Du hast es getan, oder etwa nicht? Gib es schon zu!“ Erst nach 18 Tagen stellten die Behörden die Ermittlungen ein. Runa kam frei. Der Fall ereignete sich in Japan und sorgt dort mal wieder für Diskussionen über das Justizsystem.
Diagnosen nach der Entlassung
Doch die Unterschungshaft hat Spuren hinterlassen. Nach Angaben der Familie diagnostizierten Ärzte bei der Jugendlichen später eine posttraumatische Belastungsstörung, extremen Stress und eine Essstörung. Als sie fünf Monate nach ihrer Freilassung starb, wog sie laut Klageschrift nur noch 20 Kilogramm. Die Mutter will nun klären lassen, wie es soweit kommen konnte: „Ich will wissen, was mit ihr passiert ist, warum sie festgenommen und inhaftiert wurde und warum sie sterben musste“, sagte sie auf einer Pressekonferenz
Kritik an sogenannter Geisel-Justiz
Menschenrechtsorganisationen und Kritiker werfen Japans Justiz seit Jahren vor, Beschuldigte durch lange Untersuchungshaft und intensive Verhöre zu Geständnissen zu drängen. Der Fall der 16-Jährigen gilt dort inzwischen als neues Beispiel für diese umstrittene Praxis, die Kritiker als „Geisel-Justiz“ bezeichnen. Die Staatsanwaltschaft in Kobe wollte sich zu den Vorwürfen bislang nicht äußern. (ppe)
Verwendete Quellen: AFP


