Kapitän soll ihr mit Arrest gedroht habenTierärztin mit heftigen Vorwürfen nach Timmy-Freilassung

Der Buckelwal wird in seiner Barge vom Schlepper Fortuna B entlang der dänischen Küste in Höhe unterhalb von Skagen, im sogenannten Skagerrak, durch die Ostsee gezogen (Luftaufnahme aus einem Flugzeug). Die Robin Hood begleitet den Konvoi weiterhin.
Der Buckelwal wurde in einer Barge vom Schlepper "Fortuna B" gezogen.
picture alliance/dpa / Christoph Reichwein

Das Schicksal des gestrandeten Buckelwals ist nach seiner Freilassung in der Nordsee unklar. Das Drama nimmt jedoch auch ohne ihn kein Ende: Die anwesende Tierärztin beklagt sich über die Crew des Transportschiffs „Fortuna B“ und auch über die Art der Freisetzung.

Der Streit um den Umgang mit dem gestrandeten Buckelwal nimmt auch nach dessen Freisetzung in der Nordsee kein Ende. Die anwesende Tierärztin Kirsten Tönnies kritisiert im Gespräch mit ntv das Benehmen der Crew des Schleppers „Fortuna B“ und auch die Art der Freilassung. Sie habe sich an Bord des Transportschiffs frei bewegen können, sei jedoch abfällig behandelt worden, sagt die Veterinärmedizinerin. „Die letzten anderthalb, zwei Tage war es wirklich mulmig für mich auf dem Schiff. Die Situation war wirklich unangenehm.“ Der Kapitän habe jedes Gespräch verweigert und ihr sogar mit Arrest gedroht.

Ein Streitpunkt war demnach die Wortwahl der Crew. Laut der Tierärztin soll diese abfällig geäußert haben, nachdem der Wal freigesetzt wurde: „Jetzt sind wir das Drecksvieh los und wieder frei für andere Aufträge“, gibt sie die Aussagen wieder.

Auch die Freisetzung selbst lief demzufolge nicht vorbildlich ab. „Mir ist geschildert worden, dass er mithilfe von Seilen mit der Fluke rückwärts herausgezogen werden sollte“, sagte die Tierärztin. „Wiederholt. Ich bin sehr kritisch mit dem Rückwärtsrausziehen. Vorwärts ist okay. Rückwärts ist gegen die Natur der Tiere, damit bin ich nicht einverstanden.“

Der Wal wurde am Samstag etwa 70 Kilometer von der nördlichsten Stadt Dänemarks, Skagen, entfernt freigesetzt. Angaben zum Zustand des Tiers und zum genauen Ablauf der Freisetzung sind nicht bekannt. Auch Videoaufnahmen der Freisetzung sind bisher nicht öffentlich. Die Besatzung des Begleitschiffs „Robin Hood“ spricht in einem Schreiben allerdings von einem Erfolg: Die Freisetzung sei in Abstimmung mit allen Beteiligten erfolgt, heißt es.

Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen, zuletzt vor der Insel Poel. Am Dienstag wurde er in einen Lastkahn bugsiert, der dann an die „Fortuna B“ gekoppelt Richtung Nordsee fuhr.

Bereits die Bergung war gegen den Rat vieler Wissenschaftler, Fachinstitutionen und Tierschutzorganisationen erfolgt. Die Überlebenschance schätzte Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace als minimal ein. Die mehrfache Strandung gilt als klares Anzeichen dafür, dass der Wal krank war, als er die deutsche Küste erreichte.

Weiterhin wird davon ausgegangen, dass das Tier extrem geschwächt ist. Kaum abzuschätzen ist, ob tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt von einer „Rettung“ gesprochen werden kann. Nur mit Trackingdaten und damit dem jeweiligen Aufenthaltsort des Wals ließe sich transparent machen, ob sich das Leiden des Wals auf dieser Reise gelohnt hat.

Der Schlepper der privaten Rettungsinitiative ist nach der Freisetzung des Wals inzwischen wieder zurück in Deutschland. Die „Fortuna B“, legte kurz vor Mitternacht im Hafen von Cuxhaven an. Das andere große Schiff des Transport-Konvois war die „Robin Hood“. Sie befand sich am späten Sonntagabend nach Daten des Schiffs-Ortungsdienstes Vesselfinder in der Nähe der Westküste Dänemarks.

Verwendete Quellen: chr/dpa