Jeff Foster eilt zur Hilfe‚Free Willy‘-Experte soll jetzt gestrandeten Ostseewal retten

06.04.2019, Russland: PRIMORYE TERRITORY, RUSSIA - APRIL 6, 2019: Charles Vinick, Director of the Whale Sanctuary Project, gives a briefing in Srednyaya Bay, Primorye Territory, on his visit to the Russian "whale jail", aimed to find a solution to release orcas and belugas and re-adapt them to the natural environment. Yuri Smityuk/TASS Foto: Yuri Smityuk/TASS/dpa
Charles Vinick von The Whale Sanctuary Project vermittelte drei Experten.
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Sowohl das Konzept als auch das Team zur Rettung des gestrandeten Wals wird erneuert. Einer der neuen Experten verhalf bereits einem weltberühmten Wal zur Freiheit. Der damalige Leiter der „Willy“-Auswilderung schickt ihn und zwei weitere Helfer.

Nachdem Mitglieder der Initiative zur Rettung des gestrandeten Wals weggebrochen sind, heuert Geldgeber Walter Gunz neue Helfer an. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung handelt es sich um Experten des kanadischen Whale Sanctuary Project, das sich für den Schutz von Meeressäugern einsetzt. Darunter ist demnach Jeff Foster, der maßgeblich an der Auswilderung des Orcas aus dem Hollywood-Film „Free Willy“ beteiligt war.

Der Kontakt kam dem Bericht zufolge über Charles Vinick, den Chef von The Whale Sanctuary Project. Vinick leitete 2002 nach Angaben der Organisation die Auswilderung des Schwertwals Keiko, bekannt aus der „Free Willy“-Reihe. Rund eineinhalb Jahre später starb Keiko allerdings an einer Lungenentzündung.

Die aus dem Rettungsteam ausgeschiedene Tierärztin Jenna Wallace warnte mit schweren Vorwürfen vor Vinick: „Vinick ist weder Meeresbiologe noch ein Doktor, er ist ein Betrüger. Das Einzige, was er kann, ist Spenden zu sammeln und dann nichts zu tun“, sagte sie T-Online. „Er ließ Wale verhungern, bei denen er vorgab, sie retten zu wollen.“ Vinick werde den Wal nicht retten, sondern nur Geld sammeln. Wallace selbst soll wegen Differenzen im bisherigen Team abgereist sein.

Vinicks Mitstreiter Foster hat laut dem Whale Sanctuary Project umfangreiche Erfahrung in der direkten Arbeit mit Meeressäugern, ebenso Michael Partica. Daneben soll dem Bericht zufolge Tierpflegerin Kyra Wadsworth helfen. Die drei werden demnach aus Island eingeflogen, am Mittag sollten sie eintreffen.

Auch das Rettungskonzept wird erneuert. Weitere Maßnahmen müssten fachlich fundiert sein, das Verhalten des Tieres berücksichtigen und mit den zuständigen Stellen abgestimmt werden, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus. Den Wal mit Luftkissen anzuheben und mithilfe von Pontons und einer Plane abzutransportieren, komme jedenfalls nicht infrage, sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend.

Nun ist der Einsatz einer rund 15 Meter breiten, absenkbaren Barge im Gespräch. Dabei handelt es sich um eine Art nicht selbstfahrenden Lastkahn, der von Schleppern gezogen wird. Die Barge sei auf dem Weg aus dem Hamburger Raum in Richtung Wismarbucht, sagte ein Mitglied der privaten Rettungsinitiative. Wann genau sie eintreffe, sei nicht klar.

Der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal liegt weiter in der Kuhle am Ende der Kirchsee. Die Wasserschutzpolizei beobachtete das Tier in der Nacht rund um die Uhr. „Wir waren die ganze Nacht vor Ort. Er war nicht so aktiv“, sagte ein Sprecher am Morgen.

Expertinnen und Experten der Internationalen Walfangkommission empfehlen eine möglichst ruhige und palliative Versorgung des Meeressäugers. Backhaus sieht sich dadurch bestätigt. „Diese Einschätzung deckt sich mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war“, sagte er. Ein wissenschaftliches Gutachten sei schon Anfang April zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Rettungsversuch nicht erfolgversprechend sei und erhebliche Risiken für das Tier berge.

Auf dieser Grundlage hatte das Land entschieden, auf weitere aktive Eingriffe vorerst zu verzichten. Mit Blick auf das Vorgehen der Privatinitiative sagte der Minister: „Es gab keinen Zuschlag und keine Genehmigung - sondern eine rechtlich gebotene Duldung.“ Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei es allen erlaubt, einem hilflosen Tier zu helfen. Maßstab für das staatliche Handeln sei ausschließlich das Tierwohl. Das Land begleite die Maßnahmen eng, Veterinärinnen und Veterinäre seien rund um die Uhr vor Ort.

Verwendete Quellen: chl/dpa