Riesiges Sparschwein für KrisenWegen Krise: Top-Ökonom will Deutschlands Goldreserven jetzt verkaufen

Die Deutsche Bundesbank präsentiert am 23.08.2017 in ihrer Zentrale in Frankfurt am Main (Hessen) einen Goldbarren, der in diesem Jahr aus London verbracht wurde. Die Bundesbank hat die Verlagerung ihrer Goldreserven aus dem Ausland gut drei Jahre früher abgeschlossen als geplant. Nach Angaben der Bundesbank liegen jetzt 1710 Tonnen oder 50,6 Prozent des deutschen Goldschatzes in heimischen Tresoren. (zu dpa "Bundesbank: Hälfte des deutschen Goldes nun in heimischen Tresoren" vom 23.08.2017) Foto: Arne Dedert/dpa
Die Deutsche Bundesbank sitzt im wahrsten Sinne des Wortes auf einem gigantischen Goldschatz.
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Der Goldpreis hat über das vergangene Jahr zugelegt. Die Bundesbank sitzt auf gigantischen Reserven, und Deutschland steckt in einer schweren Krise. Für DIW-Chef Fratzscher ist klar: Der Staat kann mit dem „riesigen Sparschwein“ die Wirtschaft ankurbeln.

Ökonom Marcel Fratzscher drängt Deutschland dazu, angesichts der aktuellen Krise einen Teil seiner Goldreserven zu verkaufen. „Die deutschen Goldreserven haben einen Wert von heute knapp 440 Milliarden Euro“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zu t-online. „Das ist ein riesiges Sparschwein für Krisen. Einen zumindest kleinen Teil davon sollten wir zur Bekämpfung dieser Krise und zur Entlastung von Bürgerinnen und Bürgern und Unternehmen nutzen.“ Fratzscher zufolge kann der Erlös auch in Bildung oder Infrastruktur investiert werden.

Die Deutsche Bundesbank besitzt 3350 Tonnen Gold. Die Bestände sind nach denen der USA die weltweit zweitgrößten. 1710 Tonnen des deutschen Goldes werden in Frankfurt am Main gelagert, 1236 Tonnen in New York und 404 Tonnen in London.

Fratzscher zufolge kann der Verkauf nicht von der Bundesregierung angeordnet werden. „Das Gold wird von der Bundesbank verwaltet“, sagt der DIW-Chef. „Selbst ein Bundeskanzler kann nicht einfach sagen: Ihr müsst jetzt das Gold verkaufen.“ Dennoch sprach er sich dafür aus, mit dem „Tabu“ zu brechen, diese Reserven anzutasten.

Die geografische Verteilung der Goldreserven hat historische Gründe: Die Bank Deutscher Länder baute ab Mitte 1951 als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven auf. Das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg ließ den deutschen Goldschatz rasant wachsen. Denn der florierende Export brachte der Bundesrepublik viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht wurden. Während des Kalten Krieges war es gewollt, deutsches Gold „westlich des Rheins“ und möglichst weit außerhalb der Landesgrenzen zu verwahren: als möglichen Puffer für Währungskrisen.

Im vergangenen Jahr hatte der Goldpreis aufgrund geopolitischer Spannungen, der expansiven Geldpolitik vieler Notenbanken und wegen Inflationsängsten stark zugelegt. Er stieg von gut 2600 US-Dollar auf mehr als 5000 US-Dollar. Derzeit steht der Goldpreis bei gut 4700 US-Dollar.

Verwendete Quellen: chr/dpa