Cold Case seit 26 Jahren ungeklärtEin Geschenk für Mama – dann verschwand sie für immer! Was geschah mit Sandra Wißmann aus Berlin?

Sandra Wißmann
Sandra (damals 12) wollte ein Geburtstagsgeschenk für ihre Mutter kaufen, als sie spurlos verschwand 
Polizei Berlin

Ein heller Nachmittag, ein kurzer Weg, ein liebevoller Plan!
Die zwölfjährige Sandra Wißmann will im November 2000 nur ein Geburtstagsgeschenk für ihre Mutter kaufen – und kommt nie wieder nach Hause. 300 Meter vor der Haustür verliert sich jede Spur. 26 Jahre später ist der Fall noch immer ungeklärt und viele Fragen quälen ihre Familie bis heute.

Sandra Wißmann ist seit Ende 2000 verschwunden

Es ist der 28. November 2000, ein Dienstag, der das Leben der Familie Wißmann für immer verändern wird. Die 12-jährige Sandra ist ein lebensfrohes, zuverlässiges Mädchen. Sie liebt Gitarrenunterricht, Turnen und ihre Familie über alles. An diesem Tag hat sie eine besondere Mission: Mit 35 Mark von ihrem Taschengeld will sie ein Geschenk für ihre Mutter Beate besorgen, die bald Geburtstag hat. Kurz vor 15 Uhr verabschiedet sie sich. Es sind keine 300 Meter bis zum Kaufhaus– ein Weg, den sie kennt, eine Ecke, in der ständig Menschen unterwegs sind.

Zeugen sehen das Mädchen zwischen 16 und 17 Uhr im Kaufhaus am Hermannplatz und auf dem Rückweg, nur eine Straßenecke vom Elternhaus entfernt. Doch die letzten Meter nach Hause wird Sandra nie gehen. Eine Mitschülerin will sie fünf Minuten später deutlich weiter oben am Cottbusser Damm an einer Brücke am Planufer gesehen haben. Eine Beobachtung, die die Ermittler bis heute beschäftigt. Warum geht ein zuverlässiges, pünktliches Kind an der heimischen Abzweigung vorbei? Wollte sie weiter nach einem Geschenk suchen? Hat sie unterwegs jemanden getroffen. Kriminalhauptkommissar Holger Lietz, Leiter der 5. Mordkommission beim LKA Berlin, sagt im Podcast „Aktenzeichen XY… Unvergessene Verbrechen“: „Im Grunde könnte uns nur Sandra diese Frage eindeutig beantworten, aber wir können sie ja leider nicht fragen.“

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Als Sandra zur vereinbarten Zeit nicht zurück ist, wird ihre Mutter nervös. Die Minuten werden zu Stunden, die Sorge zur panischen Angst. Sie eilt selbst zum Kaufhaus, lässt ihre Tochter ausrufen – ohne Erfolg. Sie sucht Spielplätze, Hinterhöfe und Einfahrten ab. Doch von Sandra fehlt jede Spur. Die einbrechende Dunkelheit verstärkt die Vorahnung, dass etwas Schreckliches passiert sein muss. Um 18.30 Uhr wählt die Familie den Notruf und meldet ihre Tochter als vermisst. Es ist der Beginn eines Albtraums, aus dem die Familie bis heute nicht erwacht ist.

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Großfahndung in Berlin: Eine Stadt sucht ein Kind

Die Polizei startet eine der größten Suchaktionen der Stadt. Über hundert Beamte durchkämmen die Gegend. Keller, Dachböden, Müllcontainer und Baustellen werden durchsucht – alles wird auf den Kopf gestellt. Doch die Suche bleibt ergebnislos. Es gibt keine Lösegeldforderung, keine Kleidung, nicht einmal die Einkaufstüte mit dem Geschenk wird je gefunden.

Die Ermittlungen bringen jedoch eine beunruhigende Spur zutage: Kurz vor Sandras Verschwinden versucht ein unbekannter Mann in unmittelbarer Nachbarschaft, ein 13-jähriges Mädchen mit einem Trick in seine Wohnung zu locken. Er bittet um Hilfe, er bräuchte nur jemanden, der ihm eine Wasserwaage hält. Das Mädchen wird misstrauisch und kann entkommen. War es derselbe Mann, der kurz darauf auf die vertrauensselige Sandra traf? Der Unbekannte, beschrieben als klein, dicklich und ungepflegt, konnte nie identifiziert werden.

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Für die Angehörigen beginnt eine Zeit der unerträglichen Ungewissheit. Der Psychologe Dr. Leon Windscheid beschreibt diesen Zustand im Podcast als „unklaren Verlust” – eine Wunde im Kopf, die nicht heilen kann. Der Vermisste ist physisch weg, aber psychisch allgegenwärtig. Die Familie ist zerrissen zwischen der Hoffnung auf ein Wiedersehen und der lähmenden Angst vor dem Schlimmsten. Diese fortwährende Belastung zermürbt und überschattet das gesamte Familienleben. Besonders die Geschwister leiden, fühlen sich oft übersehen und kämpfen mit Schuldgefühlen, obwohl sie keine Schuld trifft.

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Neue Hoffnung nach 26 Jahren

Heute, 26 Jahre später, hat Kriminalhauptkommissar Holger Lietz vom LKA Berlin den Fall wieder aufgerollt. Er geht davon aus, dass Sandra einem Täter begegnete, der ihr Vertrauen erschlich. „Als Täter versuche ich ja, die Tat so durchzuführen, dass es keiner mitbekommt”, erklärt der Ermittler. Ein lauter Kampf ist in der belebten Großstadt nicht nötig, wenn man das Vertrauen eines Kindes gewinnt.

Für die Klärung des Falls hat die Polizei Berlin eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt. Hinweise nimmt die 5. Mordkommission unter der Telefonnummer 030/4664 911 555 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Mit der neuen Öffentlichkeitskampagne hofft die Polizei, doch noch den entscheidenden Hinweis zu erhalten. Vielleicht gibt es Mitwisser, die ihr Schweigen brechen, oder Menschen, die als Kinder etwas beobachtet haben, das sie damals nicht einordnen konnten.

Für die Familie von Sandra Wißmann ist es vielleicht die letzte Chance, nach Jahrzehnten der Ungewissheit endlich Frieden zu finden.

Verwendete Quellen: Podcast „Aktenzeichen XY… Unvergessene Verbrechen”