Tiere systematisch gejagtNazideutschland zählte zu größten Walfangnationen

Sammler Gert Rosenbohm hält einen mit der Gravurtechnik Scrimshaw bearbeiteten Walzahn mit dem Motiv eines Walfangschiffs in den Händen. Rosenbohm sammelt Walzähne mit maritimen Motiven und verziert auch selbst Walzähne und Knochen mit der besonderen Gravurtechnik.
Ein mit Scrimshaw bearbeiteter Walzahn mit dem Motiv eines Walfangschiffs. Mit der Gravurtechnik vertrieben sich Seeleute auf langen Fahrten die Zeit.
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Während heute zahlreiche Deutsche um den wochenlang gestrandeten Wal bangen, wurden die Tiere in den 1930er-Jahren systematisch gejagt. Denn damals waren Fette und Öle knapp.

Viele fiebern mit dem Schicksal des in der Ostsee gestrandeten und am Morgen in der Nordsee freigesetzten Buckelwals mit. Es gab aber Zeiten, in denen hierzulande Menschen die Meeressäuger systematisch gejagt haben.

In der Zeit des Nationalsozialismus gehörte Deutschland zu den größten Fangnation weltweit. In der Antarktis wurden von 1936 bis 1939 nach Angaben des Bremerhavener Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) Tausende Blau- und Finnwale von deutschen Fangflotten getötet.

Der Grund dafür war: Fette und Öle waren damals Mangelware. „Walöl der großen Furchenwale war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der Hauptbestandteile von Margarine“, sagt Annika Opitz vom DSM. Walöl wurde auch für die Produktion von Seifen und Waschmitteln verwendet.

Um unabhängig vom Import von Walprodukten aus Norwegen und Großbritannien zu werden, wurden in Deutschland sieben Fabrikschiffe mit mehr als 50 Fangschiffen gebaut. An Bord der Fabrikschiffe wurde das komplette Tier verarbeitet. Die Barten wurden laut DSM zu Korsettstangen, Knochenmehl zu Dünger verarbeitet.

Die Seeleute an Bord vertrieben sich die Zeit auf der langen Fahrt damit, Bilder auf Zähne der erlegten Tiere zu ritzen - Scrimshaws nennen sich die maritimen Kunstwerke. Exemplare sind auch im Schifffahrtsmuseum zu sehen.

Das Walfängerschiff Rau IX liegt im Hafen.
Das Walfängerschiff "Rau IX" in Bremerhaven.
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Das 1939 gebaute Fangboot „Rau IX“ liegt als historisches Zeugnis für Deutschlands Bestrebungen im industriellen Walfang in Bremerhaven. Es gehörte zu einer Serie von Schiffen, die der niedersächsische Margarine-Fabrikant Walter Rau bauen ließ.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges brach der internationale Walfang in der Antarktis zusammen. Danach gab es in Deutschland keine eigene Walfangflotte mehr.

Verwendete Quellen: chl/dpa