Ungewöhnlicher Tipp gegen Sexualgewalt Polizei rät Frauen zum Erbrechen – Psychologin warnt!

Dieser Polizeitipp sorgt für heftige Kritik!
Wer sexuell angegriffen wird, soll sich notfalls absichtlich übergeben, um den Täter abzuschrecken. Das empfiehlt die Polizei Bremen. Doch eine Psychologin warnt: Die ungewöhnliche Methode könnte für Betroffene sogar lebensgefährlich werden!
Polizei empfiehlt Erbrechen als Schutz vor Vergewaltigung
Kann ausgerechnet Erbrechen einen Vergewaltiger stoppen? Die Polizei Bremen hält das offenbar für möglich. In Selbstbehauptungsseminaren empfiehlt sie Betroffenen unter anderem, im Falle eines sexuellen Angriffs den eigenen Würgereiz auszulösen. Der Ekel soll den Täter dazu bringen, von seinem Opfer abzulassen.
Lese-Tipp: Diese Tipps bringen Schutz vor Einbrechern – wie ihr es den Tätern schwer machen könnt
„Wehren Sie sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Auch das Sich-Erbrechen kann eine wirksame Möglichkeit sein, ein Sexualdelikt abzuwehren“, erklärt Polizeisprecherin Franka Haedke gegenüber der Kreiszeitung. Die Polizei bietet solche Seminare seit mehr als zehn Jahren an, unter anderem für Beschäftigte in Behörden, Unternehmen und medizinischen Einrichtungen. Doch ausgerechnet der ungewöhnliche Tipp zur Abwehr sexueller Übergriffe sorgt jetzt für eine heftige Diskussion.
Psychologin warnt: Erbrechen könnte sogar lebensgefährlich werden
Die Schweizer Psychologin Stefanie Gonin-Spahni von der Universität Bern hält die Empfehlung für problematisch. Gegenüber der Zeitung 20 Minuten erklärt sie: „Willentlich zu erbrechen ist schon unter normalen Umständen schwierig und für die meisten Menschen kaum möglich.“
Hinzu kommt: Viele Menschen erstarren während eines sexuellen Angriffs vor Angst und können sich nicht mehr gezielt wehren. Besonders gefährlich könnte das absichtliche Erbrechen werden, wenn ein Täter sein Opfer festhält oder ihm den Mund zuhält.
„Das ist eine normale Reaktion und kein Versagen. Und wem der Mund zugehalten oder wer auf dem Rücken festgehalten wird, riskiert, beim Erbrechen zu ersticken“, warnt Gonin-Spahni.
Kann Ekel einen Vergewaltiger tatsächlich stoppen?
Auch die Wirksamkeit des Polizeitipps ist umstritten. Ob sich ein Täter durch Erbrechen tatsächlich abschrecken lässt, wurde nach Kenntnis der Psychologin bislang nicht wissenschaftlich untersucht. Gonin-Spahni verweist zudem auf Forschungsergebnisse, wonach sexuelle Erregung das Ekelempfinden verringern kann. Das spreche eher dagegen, dass sich ein Angreifer durch Erbrechen zuverlässig stoppen lasse.
Lese-Tipp: 110 Prozent Gefühl! Polizei setzt auf Schlager im Kampf gegen Kriminalität
Die Empfehlung löst auch in sozialen Netzwerken Kritik aus. Nutzer werfen der Polizei vor, die Verantwortung für sexuelle Gewalt auf die Opfer abzuwälzen. Außerdem sei es realitätsfern, in einer extremen Stresssituation gezielt Erbrechen auszulösen. Die Psychologin sieht darin ebenfalls ein grundsätzliches Problem. „Die Verantwortung für einen Übergriff liegt aber immer beim Täter“, stellt Gonin-Spahni klar. Statt Betroffenen fragwürdige Abwehrmethoden nahezulegen, fordert sie eine stärkere Prävention, die beim Verhalten potenzieller Täter ansetzt.
Polizei gibt weitere Tipps zum Schutz vor sexuellen Übergriffen
Der umstrittene Ratschlag ist allerdings nur ein Teil der Präventionsarbeit der Polizei Bremen. In den Schulungen geht es auch darum, Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen, Konflikte zu entschärfen und sich im Ernstfall Hilfe zu holen. Die Polizei empfiehlt unter anderem, laut auf sich aufmerksam zu machen, andere Menschen gezielt um Unterstützung zu bitten und möglichst frühzeitig zu fliehen. Auch Trillerpfeifen oder Taschenalarme können dabei helfen, Aufmerksamkeit zu erregen. (anr)
Verwendete Quellen: Kreiszeitung.de, 20min.ch


