Berlinerin im RTL-InterviewFünffach-Mutter Jeannine verliert Bein im Ägypten-Urlaub – „Ich glaube, ich sterbe jetzt”

Berliner Mutter von fünf Kindern verliert Bein im Ägypten-Urlaub – Jetzt spricht sie im RTL-Interview
Bei einem Bootsausflug in Ägypten verliert die Berliner Fünffachmutter Jeannine ein Bein, weil der Motor zu früh gestartet wird.
privat
von Strauß, Jana und Rouven Schroth

„Mein Bein ist ab“.
Sie will mit ihren Kindern Delfine sehen, schnorcheln, Urlaub machen – und wenig später kämpft sie um ihr Leben. Bei einem Bootsausflug in Ägypten verliert die Berliner Fünffachmutter Jeannine ein Bein, weil der Motor zu früh gestartet wird. Jetzt liegt sie im Unfallkrankenhaus, ihre Tochter sammelt Spenden – und die Familie versucht, den Albtraum zu sortieren. Jetzt spricht sie erstmals über den Vorfall im RTL-Interview.

Bootsdrama in Ägypten: Familie kämpft um Zukunft und Gerechtigkeit

Jeannine ist mit ihrer jüngsten Tochter und weiteren Angehörigen auf einem Speedboot, will Delfine beobachten und danach schnorcheln. Mehrere Boote liegen dicht nebeneinander vor Anker, Guides und Touristen springen ins Wasser. Als Salzwasser in ihre Taucherbrille läuft, schwimmt Jeannine zurück zum Boot, greift an der Leiter nach oben, um die Brille zu richten – die Schiffsschraube befindet sich direkt zwischen den Leitern. In diesem Moment, schildert sie, startet der Kapitän den Motor. Durch den Sog wird ihr Bein in die laufende Schraube gezogen. „Ich hatte mein Bein in der Hand“, erzählt Jeannine im Interview, ihr Bruder brüllt dem Bootsführer zu, den Motor sofort auszuschalten.

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Was dann passiert, beschreibt der Bruder, der anonym bleiben will, als blutiges Chaos: Das Wasser färbt sich rot, Jeannines abgetrenntes Bein treibt bereits an der Oberfläche. Er zieht seine Schwester mit Hilfe des Kapitäns aufs Boot, bindet mit einer Schnur den Oberschenkel ab, legt improvisierte Verbände mit Strandtüchern an, um Blutungen zu stoppen und das zweite, ebenfalls verletzte Bein zu stabilisieren. Unter Schock fährt der Captain los, halb über das Meer, halb über Huckelpisten an Land, bis Notarztboot und Krankenwagen übernehmen. Im ägyptischen Krankenhaus müssen Ärzte mehrere Liter Blut ersetzen, setzen zunächst alles daran, das Bein wieder anzubringen, bevor sie einen Tag später entscheiden: Der Blutzufluss reicht nicht, das Gewebe droht zu sterben – zur Vermeidung einer Sepsis wird amputiert.

Kita-Köchin Jeannine, Mutter von fünf Kindern, kämpft nach einem schrecklichen Bootsunfall in Ägypten um ihre Zukunft.
Jeannine, Mutter von fünf Kindern, kämpft nach einem schrecklichen Bootsunfall in Ägypten um ihre Zukunft.
Gofundme

Jeannine, die zuhause als Köchin in einer Berliner Kita arbeitet, wird nach ersten Operationen und Tagen zwischen Bewusstsein und Koma nach Deutschland verlegt. Im Unfallkrankenhaus Berlin‑Marzahn kämpft sie sich Schritt für Schritt zurück, „den Umständen entsprechend“, wie sie selbst sagt. Für ihre fünf Kinder bedeutet der Unfall: Die Mutter, die bisher alles getragen hat, ist plötzlich selbst auf Hilfe angewiesen. Die Tochter (12), die das Drama mit im Wasser erlebt hat, steht noch unter Schock.

Tochter Luisa-Samara startet auf GoFundMe den Hilferuf „Bitte helft meiner Mama“. Sie beschreibt Jeannine als Frau mit „unglaublich großem Herzen“, die „unzähligen Menschen geholfen hat, ohne je eine Gegenleistung zu erwarten“ – jetzt braucht ausgerechnet dieser Mensch Hilfe. Mit den Spenden will die Familie medizinische Kosten, Reha, Medikamente, Hilfsmittel, Fahrten zu Ärzten und möglicherweise auch rechtliche Schritte nach dem Unfall finanzieren. Jeannines Umfeld in der Kita unterstützt den Aufruf, Eltern verteilen bei der Berliner Skate Night Schilder und QR‑Codes, sammeln Geld für die Fünffachmutter.

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Über die Verantwortlichen spricht die Familie vorsichtig. Der Bruder sagt im Gespräch, auf dem Boot hätten eigentlich zwei Personen sein müssen – einer am Steuer, einer mit Blick ins Wasser, ob noch Menschen in der Nähe sind. Stattdessen sei der Motor gestartet worden, während die Gruppe gerade erst ins Wasser gegangen sei, und der Kapitän habe die Gefahr nicht erkannt.

Berliner Fünffachmutter verliert Bein bei Schnorchelausflug in Ägypten.
Dieses Boot soll Jeannines Bein abgetrennt haben.
privat

Jetzt wartet auf die Familie nach dem Horror-Unfall auch noch ein langer Weg durch die Justiz. Über die deutsche Botschaft haben sie einen Anwalt in Ägypten eingeschaltet, der sie durch das Verfahren begleitet – der Bootsführer des Unfallbootes sitzt laut Bruder in Untersuchungshaft, ihm wird grob fahrlässige schwere Körperverletzung vorgeworfen. Das ist für sie aber nicht das wichtigste, denn Jeannine will schnell genesen und für ihre Gesundheit kämpfen.

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Dass sie das tut, zeigt ihre Geschichte schon jetzt: Vom Moment, in dem sie im roten Wasser schreit „mein Bein ist ab“, über die Fahrt, in der sie sagt „ich glaube, ich sterbe jetzt“, bis zu dem Satz ihres Bruders: „Ich habe dir das Leben gerettet, jetzt kämpfst du gefälligst.“ Es ist der Satz, den sich die Familie jetzt selbst jeden Tag sagt – in der Hoffnung, dass aus einem zerstörten Bein am Ende wenigstens eine Zukunft wird, die wieder mehr ist als nur Überleben.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen, GoFundMe