Kurioser Zug-Irrsinn in NiedersachsenBahn bewacht Übergang – obwohl dort gar keine Züge fahren

Ein Bahnübergang ohne Bahnverkehr – aber mit Bewachung.
Im niedersächsischen Bunde (Landkreis Leer) stehen seit Ende Juli Mitarbeiter an einem Übergang, um vorbeifahrende Züge abzusichern. Das Absurde: Regulärer Zugverkehr findet auf der Strecke noch gar nicht statt, sagen Anwohner. Die Bahn hält dagegen.
Streckenposten warten in Bunde auf Züge, die nicht kommen
Ein Mitarbeiter sitzt im Auto am Bahnübergang, wenige Meter entfernt steht sogar ein Dixi-Klo bereit. Laut NDR wurde der Übergang am Heerenweg in Bunde zeitweise im Zwei-Schicht-System rund um die Uhr überwacht. Ein Streckenposten berichtete dem Sender, dass dort zuletzt am 30. Juli ein Zug vorbeigefahren sei.
Seine Aufgabe: Sobald sich tatsächlich ein Zug nähert, bekommt er einen Anruf und muss den Bahnübergang von Hand sichern. Während seiner eigenen Schichten habe er bislang allerdings noch kein einziges Mal aktiv werden müssen. Reguläre Personenzüge fahren auf der Strecke nämlich nicht. Nach Angaben der Bahn wird die Strecke diese Woche dennoch von 8 bis 16 Uhr bewacht, kommende dann von 7 bis 22 Uhr.
Ein Bahnsprecher reagiert bei RTL auf die Kritik an der Bewachung der Strecke. Dort würden sehr wohl Züge fahren. „Die Strecke steht für Test-, Schulungs- und Erkundungsfahrten bis 70 km/h Geschwindigkeit bereit und wird auch bereits aktuell in diesem Rahmen befahren und genutzt. Daher auch der wichtige Hinweis: Die Strecke ist eine Eisenbahnstrecke in Betrieb und darf nicht betreten werden. Wir bitten alle Bürgerinnen und Bürger, die Gleise nicht als Aufenthaltsort zu nutzen und insbesondere nicht auf oder an den Gleisen zu verweilen.” Warum der Streckenposten bisher keinen Zug gesehen hat, bleibt unklar.
Darum lässt die Bahn den Übergang bewachen
Hinter dem kuriosen Überwachungseinsatz steckt ein Problem mit dem neu gebauten Übergang selbst. Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn RTL erklärt, entspricht dieser nicht den technischen Vorgaben. Es bestehe die Gefahr, dass Fahrzeuge beim Überqueren aufsetzen. Der Bahnsprecher: „Da dies die Betriebssicherheit der Strecke beeinträchtigen könnte, ist Personal vor Ort, um den Bahnübergang bei einer Zugfahrt händisch zu sichern.” Falls einer vorbeikommt.
Anwohner kritisiert Planung – Kosten bleiben geheim
Wie viel die Bewachung des Bahnübergangs kostet, bleibt offen. Auf RTL-Nachfrage wollte die Deutsche Bahn dazu keine Angaben machen. Klar ist aber: Weil die Straße am Übergang nicht richtig gebaut wurde, müssen dort noch einmal Arbeiter ran. „Wir gehen davon aus, in Kürze gemeinsam den genauen Zeitraum für die Inbetriebnahme der Strecke für den regulären Personenverkehr bekanntgeben zu können. Dann informieren wir umgehend”, so die Bahn zu RTL.
Auch die „Wunderline“ lässt weiter auf sich warten
Der Bahnübergang gehört zur geplanten „Wunderline“ zwischen Bremen und Groningen (Niederlande). Nachdem 2015 ein Schiff die Friesenbrücke bei Weener gerammt hatte, entschied die Bahn, Teile der Strecke zwischen Bad Nieuweschans in den Niederlanden und Ihrhove neu zu bauen.
Doch die Inbetriebnahme der Verbindung wurde bereits mehrfach verschoben. Zuletzt sollte die Strecke Mitte 2026 starten.
Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche/ NDR/ Deutsche Bahn Mitteilung zur Wunderlinie

