Monatlich kündbarNetflix für Magazine? Für wen sich das „All-you-can-read“-Prinzip lohnen kann

Ein Abo, Tausende Magazine und Zeitungen: Lese-Flatrates wollen den klassischen Gang zum Kiosk ersetzen.
Netflix für Magazine? Ganz so einfach ist der Vergleich natürlich nicht. Das Prinzip kommt uns inzwischen aber ziemlich bekannt vor: Statt einzelne Inhalte zu kaufen, zahlen wir monatlich einen festen Betrag und können dafür aus einer großen Bibliothek auswählen. Doch lohnt sich „All you can read“ wirklich – oder zahlt man am Ende für jede Menge Titel, die man gar nicht liest?
Was bedeutet „All you can read“ eigentlich?
Das Prinzip ist schnell erklärt: Statt am Kiosk jede Ausgabe einzeln zu bezahlen oder mehrere Abos abzuschließen, bündelt ein Anbieter zahlreiche Magazine und Zeitungen in einer App. Einer der bekanntesten Anbieter ist Readly. Der digitale Zeitungskiosk verspricht Zugriff auf mehr als 5.000 nationale und internationale Titel. Das klingt erst einmal nach ziemlich viel Lesestoff fürs Geld. Ob sich eine solche Flatrate tatsächlich rechnet, hängt allerdings stark von den eigenen Lesegewohnheiten ab.
Bei Readly gehören nach Angaben des Anbieters beispielsweise Titel wie Vogue, Cosmopolitan, Hörzu, WirtschaftsWoche, Chip, Auto Motor und Sport, Sport Bild, Bild und Die Welt zum Angebot. Zum Ausprobieren ist die Einstiegshürde derzeit niedrig: Der erste Monat kostet knapp einen Euro, anschließend werden 14,99 Euro pro Monat fällig. Eine längere Vertragsbindung gibt es laut Anbieter nicht, das Abo ist monatlich kündbar.
Gelesen wird auf Smartphone, Tablet oder am Computer. Ausgaben lassen sich außerdem herunterladen und anschließend offline öffnen. Wer vor einer längeren Zugfahrt oder einem Flug noch schnell ein paar Magazine aufs Tablet lädt, braucht unterwegs also keine Internetverbindung.
Hinweis: Die Preise sind volatil und die Händler passen bisweilen auch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) an. Sollten sich die Preise von den hier angegebenen unterscheiden, haben die Händler sie nach Veröffentlichung des Artikels geändert.
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Wann rechnet sich eine Magazin-Flatrate?
Wer am Kiosk regelmäßig zwei, drei oder noch mehr Magazine mitnimmt, kennt das: Aus ein paar Euro hier und da wird schnell ein stattlicher Betrag. Genau für solche Leserinnen und Leser kann das Flatrate-Modell interessant sein.
Readly kostet regulär ab 14,99 Euro pro Monat. Entscheidend ist deshalb weniger, ob man theoretisch Zugriff auf Tausende Titel bekommt, sondern wie viele davon tatsächlich gelesen werden.
Wer beispielsweise morgens Nachrichten liest, am Wochenende durch Wohn- oder Lifestyle-Magazine blättert und zwischendurch noch bei Technik, Wirtschaft oder Sport vorbeischaut, kann vergleichsweise viel aus einem einzigen Abo herausholen.
Noch interessanter kann das Modell für Haushalte mit unterschiedlichen Interessen sein: Bei Readly lassen sich im teureren Family-Modell bis zu fünf Profile innerhalb eines Accounts anlegen. So muss sich nicht die ganze Familie auf Vogue oder Auto Motor und Sport einigen.
Der größte Vorteil ist nicht unbedingt der Preis
Ein Punkt wird bei der reinen Kostenrechnung schnell übersehen: Eine Flatrate verändert auch die Art, wie wir Magazine lesen.
Am Kiosk überlegen wir vielleicht zweimal, ob uns ein Heft wirklich interessiert. In einer Flatrate können wir dagegen einfach hineinblättern. Heute Interior, morgen Reise, danach ein Kochmagazin – ohne jedes Mal eine weitere Ausgabe kaufen zu müssen. Genau darin dürfte für viele der eigentliche Reiz liegen: weniger festlegen, mehr entdecken.
Das hat allerdings eine Kehrseite. Wer bereits Netflix, Spotify, Cloud-Speicher, Fitness-App und andere Dienste bezahlt, kennt das berüchtigte Abo-Sammelsurium. Auch 14,99 Euro sind nur dann gut investiert, wenn der Dienst tatsächlich regelmäßig genutzt wird.
Für wen lohnt sich „All you can read“ eher nicht?
Wer ohnehin nur ein einziges Lieblingsmagazin liest, braucht keine Bibliothek mit Tausenden Titeln. In diesem Fall kann ein klassisches Digital- oder Printabo direkt beim Verlag günstiger oder zumindest passender sein.
Auch Fans des gedruckten Hefts sollten sich vom günstigen Preis nicht vorschnell überzeugen lassen. Auf dem Sofa durch ein Hochglanzmagazin zu blättern, Seiten umzuschlagen oder Ausgaben zu sammeln, ist schlicht ein anderes Erlebnis als Lesen auf dem Tablet.
Hinzu kommt: Eine riesige Auswahl bedeutet nicht automatisch, dass das persönliche Lieblingsmagazin dabei ist. Der Katalog kann sich zudem verändern. Vor einem Abschluss lohnt sich deshalb ein Blick auf die aktuell verfügbaren Titel.
Und Kindle-Fans sollten ebenfalls genauer hinschauen: Readly ist auf Smartphones und Tablets sowie über den Browser nutzbar. Für klassische E-Ink-Reader ist das Angebot dagegen nicht ohne Weiteres ausgelegt.
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Viel Auswahl – aber auch Kritik an der App
Ganz ohne Kritik kommt der digitale Zeitungskiosk ebenfalls nicht davon. Nutzererfahrungen zur Bedienung fallen unterschiedlich aus. Neben positiven Bewertungen finden sich insbesondere zur überarbeiteten App Beschwerden.
Bemängelt werden unter anderem eine als weniger übersichtlich empfundene Navigation, Ladezeiten und Veränderungen an einzelnen Funktionen. Wie störend das im Alltag ist, dürfte auch davon abhängen, auf welchem Gerät und wie intensiv der Dienst genutzt wird.
Gerade deshalb ist eine günstige Testphase interessant: Statt sich allein von der Zahl der verfügbaren Magazine überzeugen zu lassen, lässt sich ausprobieren, ob Bedienung und digitales Lesegefühl überhaupt zu den eigenen Gewohnheiten passen.
Readly, Kindle Unlimited oder Audible?
Nicht jede Flatrate richtet sich an denselben Lesetyp. Wer vor allem Magazine und Zeitungen verschiedener Verlage lesen möchte, ist bei einem spezialisierten digitalen Kiosk wie Readly grundsätzlich näher am gewünschten Angebot.
Wer dagegen hauptsächlich Romane und Sachbücher verschlingt, findet mit Kindle Unlimited eine Alternative. Amazon bietet dort Zugriff auf eine große Auswahl an E-Books und einige Zeitschriften.
Und wer eigentlich gar nicht lesen, sondern lieber zuhören möchte, landet eher bei einem Hörbuchdienst wie Audible. Der entscheidende Punkt ist also nicht, welcher Dienst die größte Zahl verspricht – sondern welche Inhalte tatsächlich zum eigenen Medienkonsum passen.
Unser Check: Wann sich das Abo auszahlt
„All you can read“ klingt zunächst nach einem ziemlich einfachen Deal: möglichst viel Inhalt für einen festen Monatspreis. Wirklich lohnenswert wird das Prinzip aber vor allem für Menschen, die mehrere unterschiedliche Magazine und Zeitungen regelmäßig lesen oder gerne neue Titel ausprobieren.
Wer nur einem oder zwei Magazinen treu ist, lieber Papier in der Hand hält oder schon jetzt zahlreiche kaum genutzte Abos bezahlt, dürfte dagegen mit einem Einzelabo besser fahren.
Das derzeitige Aktionsangebot von Readly senkt die Hürde zum Ausprobieren deutlich. Danach sollte allerdings der kleine persönliche Abo-Check folgen: Welche Titel habe ich tatsächlich gelesen – und wären sie einzeln günstiger gewesen? Ist die Antwort ernüchternd, darf auch eine Flatrate wieder gehen.
Verwendete Quellen: readly.de, amazon.de, eigene RTL-Recherche
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