Neue BerechnungenLöst Homeoffice Deutschlands Baby-Problem?

Die Schwester Anja betreut am 25.9.2003 auf der Kinderstation des katholischen Krankenhauses St. Elisabeth in Leipzig zahlreiche Neugeborene. Dem Fest der Liebe haben die Ostdeutschen alle Ehre gemacht. Neun Monate nach Weihnachten sind in den Neuen Ländern mit August und September besonders kinderreiche Monate zu verzeichnen, ergab am 25.9. eine dpa-Umfrage bei Krankenhäusern. "Wir haben ein Drittel Kinder mehr als in den Monaten zuvor", sagte der ärztliche Direktor der Klinik "St. Elisabeth", Meinel. Im August erblickten in seinem Haus 140 Kinder das Licht der Welt. "Im September werden es ähnlich viele." Auch die Berliner Charite und die Universitätskliniken in Dresden und Leipzig meldeten eine geburtenstarke Phase. In westdeutschen Kliniken ist vom Baby-Boom als verspätete Bescherung nichts zu spüren.
Deutschland braucht mehr Babys – eine Studie hat nun herausgefunden, wie das möglich ist (Archivbild).
picture-alliance / dpa, Waltraud Grubitzsch

Gibt’s jetzt den neuen, unverzichtbaren Baby-Boom?
Wenn wir mehr zu Hause im Homeoffice und nicht im Büro arbeiten, dann kommen auch mehr Kinder zur Welt. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie. Das klingt erst einmal simpel – hätte für unser Land aber unfassbar positive Effekte.

Studie belegt: Homeoffice führt zu mehr Babys!

Wer regelmäßig im Heimbüro arbeitet, zeugt mehr Nachwuchs – zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Team von Wissenschaftlern. Nachzulesen ist das in der Studie „Arbeiten von zu Hause und Fruchtbarkeit“ des ifo-Instituts und Universität Stanford für 38 Länder, die Ende Januar 2026 veröffentlicht wurde.

Paare, die mindestens einen Tag pro Woche im Homeoffice gearbeitet haben, haben im Schnitt 14 Prozent mehr Kinder bekommen oder geplant als Paare ohne Homeoffice. Wenn beide im Homeoffice gewesen sind, war der Effekt am größten. Genauer gerechnet heißt das: Etwa jede dritte Frau hätte über ihr Leben ein Kind mehr bekommen als vergleichbare Frauen ohne Homeoffice-Möglichkeiten.

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13.500 zusätzliche Geburten pro Jahr in Deutschland möglich

Ein möglicher Grund: eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass ein breiterer Zugang zu Homeoffice die Zahl der Kinder erhöht – vermutlich, weil dadurch der zeitliche und organisatorische Aufwand sinkt, der nötig ist, um Beruf und Familie zu vereinbaren“, sagt ifo-Forscher Mathias Dolls.

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Besonders stark ist der Homeoffice-Effekt demnach in den USA. Doch was lässt sich für Deutschland daraus schließen? „Mehr Flexibilität durch Homeoffice könnte dazu beitragen, dass Menschen ihre gewünschte Familiengröße eher verwirklichen können”, sagt Dolls. 13.500 zusätzliche Geburten pro Jahr in Deutschland seien möglich, wenn wir hierzulande eine Homeoffice-Quote auf US-amerikanischem Niveau hätten.

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Warum brauchen wir einen neuen Baby-Boom?

Die Zeiten des Baby-Booms aus den 1950er- und 1960er-Jahren mit in der Spitze bis zu 1,36 Millionen Geburten im Jahr 1964 sind längst vorbei. Im Jahr 2024 kamen lediglich knapp über 677.000 Kinder zur Welt. Es war der niedrigste Wert seit 2013, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Geburtenrate lag 2024 bei 1,35 Kindern je Frau – sie sinkt seit Jahren.

Dabei braucht Deutschland dringend neue Babys. Denn: Der demografische Wandel – eine ältere und kleinere Bevölkerung – droht uns mit schweren Folgen zu treffen. Insbesondere in den Sozialsystemen, also Rente, Pflege und Gesundheit, klaffen bei ausbleibenden Geburten Riesenlöcher.

Ifo-Forscher Mathias Dolls dazu: „Mehr Homeoffice allein kann das demografische Problem zwar nicht lösen. Es kann aber ein Baustein sein, um den Trend sinkender Geburtenraten etwas abzumildern.“

So berechnet die Studie den Baby-Boom-Effekt

Grundlage der Studie sind Umfragedaten für 38 Länder des „Global Survey of Working Arrangements”. Der Großteil der Befragten war im gebärfähigen Alter zwischen 20 und 45 Jahren. Bei den Berechnungen spielten unter anderem Homeoffice-Quoten und tatsächliche Geburtenziffer eine Rolle.

Die Wissenschaftler legen sich in dem 59-seitigen Aufsatz nicht hundertprozentig fest, ob die Arbeit im Heimbüro nun kausal die Ursache vermehrter Geburten ist, oder ob es sich lediglich um eine Korrelation handelt: Möglich wäre demnach auch, dass Menschen, die Kinder haben oder bekommen wollen, sich gern Jobs mit der Möglichkeit zur Arbeit daheim suchen. (mit dpa)

Verwendete Quellen: ifo Institut-Studie, ifo-Institut-Konjunkturumfrage, Statistisches Bundesamt, Bundeszentrale für politische Bildung, DPA