KinderschutzVerdacht auf Kindesmisshandlung? Diese Anzeichen solltet ihr kennen

Trauriges Mädchen
Kindesmisshandlung ist ein schwerer Vorwurf – umso wichtiger ist es also, Anzeichen richtig zu deuten und im Verdachtsfall nicht wegzuschauen. (Symbolbild)
picture alliance / blickwinkel/McPHOTO/M. Begsteiger

Wegsehen ist keine Option!
Ein blauer Fleck allein ist noch kein Beweis, doch manchmal gibt es Warnsignale, die niemand ignorieren sollte. Kindesmisshandlung ist ein schwerwiegender Verdacht – wir erklären, worauf ihr achten könnt und welche Stellen im Ernstfall helfen.

Welche Anzeichen auf Misshandlung hindeuten können

Ein Kind versteckt immer wieder seine Arme. Oder es hat auffällig häufig Verletzungen, die nicht zu seiner Geschichte passen. Solche Situationen lösen oft ein ungutes Bauchgefühl aus. Doch was tun, wenn der Verdacht auf Kindesmisshandlung im Raum steht? Wichtig ist vor allem eins: Nicht vorschnell urteilen, aber auch nicht wegsehen.

Nicht jeder blaue Fleck bedeutet automatisch Gewalt. Gerade kleinere Kinder stürzen beim Spielen häufig. Es gibt jedoch Verletzungen, die Fachleute als auffälliger ansehen. Dazu gehören unter anderem Blutergüsse, Striemen, Bissverletzungen oder Verbrennungen an:

  • Augen, Schädeldecke oder Wangen

  • Ohren und Mund

  • Rücken und Gesäß

  • Außenseiten der Unterarme

Als Orientierung gilt außerdem die sogenannte Hutkrempen-Regel. Verletzungen oberhalb einer gedachten Linie von Stirn und Ohren können besonders aufmerksam machen. Wiederholen sich auffällige Verletzungen über längere Zeit, kann eine Beratung beim zuständigen Jugendamt sinnvoll sein.

Mit dem Kind sprechen – aber ohne Druck

Besteht die Möglichkeit, mit dem Kind zu sprechen, empfehlen Experten offene Fragen. Statt Vermutungen vorzugeben, sollte das Kind selbst erzählen können. Aus „Hat dich jemand geschlagen?“ wird besser: „Das sieht schmerzhaft aus. Wie ist das passiert?“ So lässt sich eher einschätzen, ob die Schilderung nachvollziehbar wirkt. Auch Rainer Becker, Ehrenvorsitzender der ständigen Kindervertretung der Deutschen Kinderhilfe e. V., rät dazu, sich in die Situation hineinzuversetzen. Sein Maßstab lautet: „Fragen Sie sich, wie Sie sich fühlen würden, wenn jemand so etwas mit Ihnen (als Kind) machen würde, der Ihnen körperlich wesentlich überlegen ist! Dann wissen Sie, ob es geboten ist, etwas zu tun.“

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Was ihr im Verdachtsfall tun könnt

Beobachtet ihr eine akute Gewaltsituation und glaubt, dass ein Kind unmittelbar in Gefahr ist, solltet ihr sofort die Polizei verständigen. Falls möglich, können Fotos, Videos oder ein Autokennzeichen die Ermittlungen unterstützen.
Rainer Becker empfiehlt, in einer akuten Situation Hilfe ohne Vorwurf anzubieten, etwa: „Sie scheinen im Moment ziemlich gestresst zu sein, kann ich Ihnen irgendwie helfen? Soll ich einen Augenblick auf Ihr Kind aufpassen, bis Sie sich wieder beruhigt haben?” Davon, alleine „den Helden zu spielen“, rät Becker ab.

Ist keine akute Gefahr erkennbar, gilt das Jugendamt als wichtigste Anlaufstelle. Dort können Verdachtsfälle gemeldet und das weitere Vorgehen besprochen werden. Wer einen Hinweis gibt, sollte laut Kinderhilfe möglichst den Namen des Ansprechpartners notieren, den Vorfall schriftlich dokumentieren und sich den Eingang der Meldung bestätigen lassen.

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Diese Stellen bieten Hilfe

Neben Polizei und Jugendamt gibt es zahlreiche Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Stellen für Kinder und Jugendliche:

Sexueller Kindesmissbrauch
Sexueller Kindesmissbrauch

Für Eltern und Angehörige:

Auch für Menschen, die befürchten, selbst eine Gefahr für Kinder werden zu können, gibt es mit dem Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ ein spezielles Hilfsangebot.

Im Video: Erschreckendes Reporter-Experiment: Wo fängt Gewalt gegen Kinder an?

Gewalt beginnt nicht erst mit schweren Verletzungen

Für Familientherapeutin Ruth Marquardt fängt Gewalt deutlich früher an, als viele Menschen glauben. „Selbst der Klaps ist nach heutigen Erkenntnissen schon zu viel. Denn alles das ist zu viel, was dem Kind signalisiert: Du bist nichts wert, ich bin stärker als du”, weiß die Expertin. Kinder würden die Schuld häufig bei sich selbst suchen. Irgendetwas an mir muss falsch sein, sei in solchen Momenten der erste Gedanke. Ein Trugschluss mit fataler Wirkung. Hat ein Kind körperliche oder seelische Gewalt erlebt, brauche es vor allem Sicherheit. „Es braucht Verständnis bei den Bezugspersonen, viel Geduld, Liebe und Zuwendung“, sagt die Therapeutin. Manche Kinder zögen sich komplett zurück, andere reagierten aggressiv.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche