Ungewöhnlich große Anzahl genetischer Veränderungen – was bedeutet das?Neue Corona-Variante „Cicada” auf dem Vormarsch

Thüringen hat knapp 130 Millionen an Corona-Entschädigungen für Verdienstausfälle ausgezahlt. (Archivbild)
Neue Corona-Variante „Cicada” breitet sich aus (Symbolbild)
Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Ableger des Coronavirus mit dem Spitznamen „Cicada” sorgt weltweit für Aufruhr.
Die neue Variante verfügt über eine ungewöhnlich große Anzahl genetischer Veränderungen. Laboruntersuchungen deuten darauf hin, dass unsere körpereigene Abwehr noch eine geringere Wirksamkeit gegen diese Variante zeigt. Was bedeutet das genau?

Corona-Variante „Cicada” lief lange unter dem Radar: Wirken die früheren Impfungen gegen sie?

Jetzt rückt eine neue Corona-Variante in den Fokus: BA.3.2. Ihr Spitzname „Cicada” soll erklären, was die Variante besonders macht: Wie eine Zikade (Insekt), die lange verborgen bleibt und dann plötzlich erscheint – so, wie BA.3.2.

„Cicada” breitet sich neuesten Erkenntnissen zufolge bislang unbemerkt zunehmend in Europa und auch in Deutschland aus. Gesundheitsbehörden beobachten die Entwicklung aktuell sehr genau. Grund dafür ist hauptsächlich die ungewöhnlich hohe Zahl an Mutationen der Variante. Diese könnten es dem Virus erleichtern, bestehende Immunität teilweise zu umgehen – auch die, die eigentlich durch Covid-Impfungen da sein sollte.

Warum die Cicada-Variante international für Aufsehen sorgt, liegt in erster Linie an ihrer auffälligen genetischen Struktur. BA.3.2 weist laut Experten 70 bis 75 Veränderungen im sogenannten Spike-Protein auf – jenem Teil des Virus, mit dem es in menschliche Zellen eindringt. „Die Zahl der Mutationen macht es weniger wahrscheinlich, dass die aktuellen Impfstoffe hochwirksam gegen diese Variante sind”, erklärt der Infektiologe Robert H. Hopkins laut „USA Today”.

Auch der Epidemiologe Kyle B. Enfield von der University of Virginia sieht darin einen möglichen Vorteil für das Virus: „Diese Veränderungen erschweren es dem Immunsystem, das Virus zu erkennen”, schreibt er im Wissenschaftsportal „The Conversation”. Die derzeit eingesetzten Covid-19-Impfstoffe seien auf Varianten aus der JN.1-Linie zugeschnitten. Die neue Variante BA.3.2 unterscheidet sich dem Experten zufolge jedoch deutlich davon und ist für das Immunsystem gewissermaßen ein „neuer Gegner”. Dadurch könnten die Impfstoffe Infektionen weniger effektiv verhindern, weil sie das Virus nicht so schnell erkennen.

Wie gefährlich ist die Corona-Variante „Cicada”?

Gleichzeitig gibt es bisher keine Hinweise auf schwerere Verläufe, mehr Krankenhaus-Aufnahmen oder mehr Todesfälle durch BA.3.2. Die Weltgesundheitsorganisation bewertet das zusätzliche Risiko im Moment als niedrig. Bei den Beschwerden sieht BA.3.2 bisher nicht anders aus als andere Corona-Varianten. Typisch sind Husten, Schnupfen, Halsschmerzen sowie Kopf- und Gliederschmerzen.

Verwendete Quellen: ntv.de/ WHO/ CDC / rsa