Zahlen und Tipps zur ImpfungImpfquoten zu niedrig: Das sollten Sie vor dem Winter wissen

Nur gut ein Drittel der Menschen ab 60 lässt sich gegen Grippe impfen. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erfassung. Was hinter den Zahlen steckt, wie hoch die krankheitsbedingten Kosten insgesamt sind - und wie einfach Impfen mittlerweile geworden ist.
Immer weniger Menschen lassen sich gegen Krankheitserreger wie das Grippevirus oder Covid-19 impfen. Und das, obwohl die Impfung zum Beispiel durch Angebote in den Apotheken immer einfacher und umfangreicher werden. Die vom Robert Koch-Institut (RKI) erfasste Grippe-Impfquote ist in der Saison 2024/2025 bei Älteren (über 60) mit 34 Prozent auf einen Tiefstand gefallen, auch bei Covid-19 (13 Prozent), Pneumokokken (21 Prozent) und Gürtelrose (24 Prozent) sind die Zahlen niedrig. Darauf verwies auch die Initiative "Gesund durch den Winter" beim 2. Bayerischen Präventionstag in München.
Impfquote so niedrig wie nie
Am größten ist die Lücke also ausgerechnet dort, wo das Risiko am höchsten ist. Denn gerade bei älteren Menschen kann eine Influenza schwer verlaufen. Für andere Atemwegserkrankungen wie RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) liegen zwar noch keine gesicherten Quoten vor, aber auch hier empfiehlt das RKI eine Impfung für alle Personen ab 75 Jahren, bei Vorerkrankungen oder anderen Risikofaktoren auch schon ab 60.
Nicht in dieser Statistik enthalten sind allerdings Impfungen in Apotheken oder Betrieben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU streben für ältere Menschen eine Impfquote von 75 Prozent an. Denn gerade im Alter kann eine Influenza schwere Folgeerkrankungen auslösen, darunter Lungenentzündungen.
Milliardenkosten durch Krankheitstage
Wie teuer krankheitsbedingte Ausfälle insgesamt sind, zeigen weitere Statistiken. Nach Daten des Statistischen Bundesamts fehlten Beschäftigte 2025 im Schnitt 14,6 Arbeitstage, 2021 waren es noch 11,2. Ein Teil des Anstiegs dürfte allerdings auf die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab 2022 zurückgehen, durch die Krankmeldungen vollständiger erfasst werden.
Arbeitgeber wandten 2025 nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft rund 85,6 Milliarden Euro für die Entgeltfortzahlung einschließlich Sozialbeiträgen auf. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Krankengeld erreichten laut dem Verband der Ersatzkassen (vdek) 21,6 Milliarden Euro. Allein Krankheiten des Atmungssystems verursachten 2024 laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin geschätzte Produktionsausfälle von 24,3 Milliarden Euro. Diese Beträge beziehen sich jedoch nicht allein auf Grippe, sondern auf verschiedene Erkrankungen.
Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit, Pflege und Prävention im Bayerischen Landtag und Schirmherr der Initiative "Gesund durch den Winter", wirbt für Impfungen als Teil der Prävention: "Die Prävention, besonders durch das Impfen, ist ein einfaches, aber sehr wirkungsvolles Mittel, um unsere Gesellschaft zu schützen."
Kürzere Wege zur Impfung
Die Grippeschutzimpfung können entsprechend geschulte Apothekerinnen und Apotheker bereits seit Oktober 2022 regulär anbieten. Neu seit Juli 2026 ist, dass sie Erwachsenen ab 18 Jahren grundsätzlich auch mit weiteren Impfstoffen impfen dürfen, sofern es sich um inaktivierte Wirkstoffe (sogenannte Totimpfstoffe) handelt und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören unter anderem Impfungen gegen Covid-19, Gürtelrose, Pneumokokken oder RSV.
Grundlage ist das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG). Stefanie Renner, stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK), hält solche niederschwelligen Angebote für wichtig, wie sie auf dem Präventionstag im Bayerischen Landtag betonte: Wer für eine Impfung erst einen Arzttermin vereinbaren müsse, schiebe sie leichter auf.
Ein Angebot im Betrieb oder in einer Apotheke vor Ort könne den Zugang erleichtern, so Renner. Denn auch die Möglichkeit, dass Betriebsärzte Mitarbeitende gegen saisonale oder alters- oder risikoabhängige Infektionen impfen, wurde seit der Coronakrise deutlich ausgeweitet.
Impfpass prüfen, bald auch digital
Vor dem Winter lohnt sich auf jeden Fall ein Blick in den Impfpass. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeimpfung unter anderem allen Menschen ab 60 Jahren. Bei Erwachsenen mit vollständiger Grundimmunisierung soll der Schutz gegen Tetanus und Diphtherie alle zehn Jahre aufgefrischt werden.
Künftig könnte auch das Smartphone helfen: Die Bundesregierung plant eine digitale Impfübersicht mit Erinnerungsfunktion in der elektronischen Patientenakte, derzeit vorgesehen ab Mitte 2027. Das entsprechende Gesetz ist noch nicht verabschiedet; die Umsetzung bleibt abzuwarten.
(des/jmk/spot)


