Wer braucht welches Modell?Series 12 und Ultra 4: Die neuen Apple Watches im Test

Äußerlich hat sich bei Apples neuen Smartwatches wenig getan. Doch Series 12 und Ultra 4 messen Gesundheitsdaten deutlich häufiger und wollen die tägliche Fitness besser einschätzen. Dabei rückt die günstigere Series 12 näher an das Ultra-Modell heran als je zuvor.
Wer die Apple Watch Series 12 oder die Ultra 4 erstmals in die Hand nimmt, entdeckt kaum Unterschiede zu den Vorgängern. Apple verzichtet auf einen großen Designwechsel und konzentriert sich stattdessen auf das Innenleben. Vor allem die Gesundheitssensoren wurden umfangreich überarbeitet.
Das neue Health Sensing System misst die Herzfrequenz im Hintergrund nun alle fünf Sekunden statt ungefähr alle fünf Minuten. Auch die Herzfrequenzvariabilität wird wesentlich häufiger erfasst. Dadurch entstehen nicht nur engmaschigere Daten, sondern auch die Grundlage für den neuen Tagesformwert. Er berücksichtigt unter anderem Schlaf, Aktivität, Vitalwerte und Erholung und soll einschätzen, wie belastbar der Körper aktuell ist. spot on news hatte die Gelegenheit, beide Modelle ausgiebig zu testen.
Series 12 bleibt die angenehmere Alltagsuhr
An der grundsätzlichen Aufteilung ändert sich wenig. Die Series 12 ist leichter, schlanker und im Alltag unauffälliger. Das gilt auch nachts: Beim Schlaftracking fällt sie am Handgelenk kaum auf. Das helle Always-On-Display lässt sich auch draußen gut ablesen, Bedienung und Geschwindigkeit geben kaum Anlass zur Kritik.
Die Ultra 4 setzt dagegen weiter auf ihr großes 49-Millimeter-Titangehäuse. Das wirkt deutlich massiver und ist gerade nachts schlicht zu klobig, um völlig in Vergessenheit zu geraten. Dafür bringt sie ein noch helleres Display, den Action Button, Dual-Frequenz-GPS und zusätzliche Outdoor- und Tauchfunktionen mit.
Der größte Fortschritt steckt bei beiden Modellen in der Gesundheitsüberwachung. Die häufigeren Messungen sorgen für ein vollständigeres Bild über den Tag. Interessanter als einzelne zusätzliche Datenpunkte ist dabei der neue Tagesformwert: Apple versucht, verschiedene Gesundheits- und Fitnessdaten stärker zu einer verständlichen Einschätzung zusammenzuführen.
Im Test wirkte diese Einordnung grundsätzlich nachvollziehbar, deckte sich aber nicht immer mit dem eigenen Körpergefühl. An manchen Tagen meldete die Uhr eine gute Tagesform, obwohl man sich selbst eher müde fühlte - oder umgekehrt. Als zusätzliche Orientierung ist der Wert trotzdem hilfreich, als objektive Wahrheit sollte man ihn nicht verstehen. Garmin, Oura oder Whoop bieten ähnliche Konzepte schon länger, Apples Umsetzung fügt sich dafür sehr nahtlos in die vorhandenen Gesundheitsfunktionen ein.
Beim Akku hat die Ultra 4 ihren großen Vorteil
Die Series 12 bleibt beim Akku konservativ. Apple nennt weiterhin bis zu 24 Stunden Laufzeit. Im Alltag kommt sie problemlos durch einen Tag samt Schlaftracking, spätestens am folgenden Tag muss sie aber wieder ans Ladegerät. Ein deutlicher Fortschritt ist dagegen das schnellere Laden: In rund 30 Minuten ist die Batterie wieder bei zirka 80 Prozent. Kurze Ladepausen reichen damit meist aus, um das Schlaftracking problemlos mitzunehmen.
Deutlich entspannter geht es mit der Ultra 4 zu. Apple verspricht hier bis zu 50 Stunden normale Nutzung und bis zu 84 Stunden im Stromsparmodus. Im Alltag sind zwei Tage ohne Nachladen völlig problemlos drin. Gerade auf Reisen, bei längeren Trainings oder am Wochenende ist das ein deutlich spürbarer Vorteil.
Damit wird aber auch deutlich, wie nahe die Series 12 inzwischen an das Spitzenmodell herangerückt ist. S11-Chip, neue Gesundheitssensoren, Tagesform, EKG, Schlaftracking und viele weitere zentrale Funktionen gibt es bei beiden Uhren. Der Aufpreis für die Ultra fließt deshalb vor allem in Akku, robustes Titangehäuse, helleres Display, präziseres GPS und zusätzliche Outdoor-Funktionen.
Viele KI-Funktionen fehlen noch
Bei den neuen KI-Funktionen müssen Käufer in Deutschland Abstriche machen. Siri AI ist auf der Apple Watch in der Europäischen Union zunächst nicht verfügbar. Auch Funktionen wie "Live Rewind" und "Siri Recap" sollen erst später starten und zunächst nicht in der EU angeboten werden.
Damit fällt ein Teil der von Apple beworbenen Neuerungen hierzulande vorerst weg. Für die Kaufentscheidung sind deshalb Gesundheitssensorik, Akku und Hardware derzeit deutlich wichtiger als die KI-Versprechen.
Fazit: Die Series 12 setzt die Ultra unter Druck
Die Apple Watch Series 12 sieht nach einem kleinen Update aus, ist technisch aber interessanter, als es das vertraute Design vermuten lässt. Die neue Sensorik und der Tagesformwert verbessern vor allem das Gesundheits- und Fitnesspaket. Der größte Schwachpunkt bleibt die vergleichsweise kurze Akkulaufzeit. Preislich reicht die Spanne von 449 Euro für das günstigste Aluminium-Modell bis zu rund 1.399 Euro für eine entsprechend ausgestattete Keramikversion. Zur Wahl stehen Dunkelbronze, Lichtgold, Space Grau und Schwarz bei Aluminium, Natur und Brillantgold bei Titan sowie Perlweiß und Nachtblau bei Keramik.
Die Ultra 4 bleibt die bessere Wahl für lange Touren, intensiven Outdoor-Einsatz und alle, die möglichst selten laden wollen. Sie kostet je nach Armband zwischen 899 und 999 Euro und ist mit Titangehäuse in Natur oder Schwarz erhältlich. Gleichzeitig fällt es schwerer denn je, ihren deutlichen Aufpreis allein mit den Funktionen zu rechtfertigen.
Für die meisten Nutzer dürfte deshalb die Series 12 das spannendere Gesamtpaket sein: Sie übernimmt fast alle wichtigen Neuerungen der Ultra 4, trägt sich deutlich angenehmer - vor allem nachts - und kostet in der Basisversion nur etwa halb so viel.
(dr/spot)


