Apples neue Kopfhörer im TestAirPods 5 erstaunlich gut: Braucht es die Pro-Variante überhaupt noch?

Apple bringt aktive Geräuschunterdrückung jetzt in beide AirPods-5-Modelle - und das Ergebnis überrascht. Auch Klang und Transparenzmodus überzeugen. Vor allem die 169-Euro-Version kommt den AirPods Pro gefährlich nahe. Ganz ersetzen kann sie das Spitzenmodell trotzdem nicht.
Müssen es wirklich noch die AirPods Pro sein? Diese Frage drängt sich bei den neuen AirPods 5 überraschend schnell auf. Apple spendiert inzwischen beiden Varianten aktive Geräuschunterdrückung (ANC), verbessert Klang und Robustheit und verlangt mit 149 beziehungsweise 169 Euro sogar vergleichsweise moderate Preise. Gerade das teurere Modell mit kabellosem Ladecase übernimmt dabei erstaunlich viele Funktionen, die lange den Pro-Kopfhörern vorbehalten waren.
Optisch bleibt Apple seiner Linie dagegen treu. Die AirPods 5 sitzen weiterhin ohne Silikonaufsätze im Ohr und dichten den Gehörgang entsprechend nicht vollständig ab. Ob diese Bauweise gefällt, bleibt Geschmackssache - beziehungsweise eine Frage der Ohren. Wer mit den normalen AirPods bisher gut zurechtkam, bekommt auch diesmal einen leichten und angenehmen Kopfhörer, der selbst nach längerer Zeit kaum stört.
Erstaunlich viel Ruhe ohne Silikon
Die eigentliche Überraschung ist das ANC. Apple spricht von bis zu 50 Prozent stärkerer Geräuschunterdrückung gegenüber den AirPods 4 mit ANC. Im Alltag funktioniert das für einen Kopfhörer ohne abdichtende Silikontips bemerkenswert gut. Gleichmäßiges Brummen, Straßenlärm oder die Geräuschkulisse in öffentlichen Verkehrsmitteln treten deutlich in den Hintergrund.
An die Abschottung klassischer In-Ears und insbesondere der AirPods Pro kommt das System zwar nicht heran - angesichts der offenen Bauweise ist das Ergebnis trotzdem beeindruckend.
Noch stärker ist der Transparenzmodus. Umgebungsgeräusche und Stimmen wirken sehr natürlich, ohne den etwas künstlichen Eindruck, den solche Modi bei vielen Konkurrenten hinterlassen. Wer seine Umgebung bewusst wahrnehmen möchte, muss die AirPods deshalb kaum noch aus dem Ohr nehmen.
Auch beim Klang näher an den Pro
Klanglich legt Apple ebenfalls nach. Die AirPods 5 wirken voller als ihre Vorgänger, Stimmen kommen klar heraus und vor allem der Bass besitzt mehr Substanz. Naturgemäß erreicht ein nicht vollständig abgedichteter Kopfhörer bei sehr tiefen Frequenzen nicht ganz den Druck eines guten In-Ears. Für die Bauform ist das Ergebnis aber ausgesprochen ausgewogen.
Mit iOS 27 lässt sich der Klang zudem über einen Equalizer für Tiefen, Mitten und Höhen stärker an den eigenen Geschmack anpassen. Das war bei AirPods lange erstaunlich eingeschränkt. Ein durchaus merklicher, wenn auch nicht revolutionärer Klangfortschritt.
Bei Telefonaten machen die AirPods ebenfalls eine gute Figur. Stimmen werden klar übertragen und störende Umgebungsgeräusche zuverlässig reduziert. Dazu kommen bekannte Funktionen wie Adaptives Audio, Konversationserkennung, personalisiertes 3D-Audio und Live-Übersetzung.
Die 20 Euro Aufpreis sollte man investieren
Etwas merkwürdig ist Apples Aufteilung in zwei Modelle. Die AirPods 5 kosten 149 Euro, für 169 Euro gibt es die Variante mit kabellosem Ladecase. Der Unterschied beschränkt sich allerdings nicht nur aufs Laden: Nur beim teureren Modell kann die Lautstärke direkt per Wischbewegung am Stiel geregelt werden, außerdem hält der Akku etwas länger. Das Case lässt sich drahtlos laden und besitzt einen Lautsprecher für die "Wo ist?"-Funktion bei Verlust.
Angesichts von lediglich 20 Euro Preisunterschied ist die Kaufentscheidung ziemlich einfach. Gerade die Lautstärkeregelung direkt am Ohr möchte man nach kurzer Zeit nicht mehr missen.
Der Akku bleibt die Schwachstelle
Eine echte Schwäche bleibt jedoch die Laufzeit. Mit eingeschaltetem ANC nennt Apple bis zu vier Stunden für das Basismodell beziehungsweise fünf Stunden für die Variante mit kabellosem Ladecase. Zusammen mit dem Case sind es 20 beziehungsweise 22 Stunden. Für Pendeln, Sport und den normalen Arbeitstag reicht das problemlos, bei einer langen Reise gehören die Hörer aber vergleichsweise früh zurück ins Case.
Hier bieten manche Konkurrenten deutlich mehr. Immerhin lassen sich die kleinen Akkus schnell nachladen - und im normalen Alltag fällt die begrenzte Laufzeit deshalb weniger stark ins Gewicht als auf dem Papier.
Fazit: Die Pro braucht längst nicht jeder
Die AirPods 5 sind eines dieser Apple-Updates, die auf dem Papier unspektakulärer wirken als im Alltag. Vor allem das erstaunlich wirksame ANC ohne Silikonstöpsel macht den Unterschied. Dazu kommen guter Klang, ein hervorragender Transparenzmodus und die gewohnt nahtlose Zusammenarbeit mit iPhone und Co.
Wer maximale Geräuschunterdrückung möchte, eine stärkere Abschirmung bevorzugt oder die zusätzlichen Gesundheits- und Hörfunktionen der AirPods Pro nutzt, findet dort weiterhin das bessere Gesamtpaket. Für viele iPhone-Nutzer dürfte dieser Abstand inzwischen aber überraschend klein geworden sein.
Vor allem die AirPods 5 mit kabellosem Ladecase für 169 Euro treffen einen interessanten Sweetspot: Sie sind bequem, klingen gut und bieten inzwischen fast alles, was im Alltag wirklich wichtig ist. Die Pro-Variante braucht deshalb längst nicht mehr jeder.


