Von einfachen Aufgaben bis KI15 Jahre Siri: Wie sich die Sprachassistentin verändert hat

Vor mittlerweile 15 Jahren kam mit dem iPhone 4S erstmals Apples Sprachassistentin Siri auf den Markt. Damals begann alles mit einfachen Sprachbefehlen, heute stehen auch komplexere Aufgaben auf dem Programm.
Heute vor 15 Jahren, am 14. Oktober 2011, sind die ersten Kundinnen und Kunden offiziell in eine neue Apple-Ära gestartet. Nachdem das Unternehmen aus Cupertino kurz zuvor sein iPhone 4S (später iPhone 4s) vorgestellt hatte, war das Smartphone ab jenem Freitag in den USA, Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan und Großbritannien erhältlich. Damit bekam die Kundschaft nicht nur ein upgedatetes Gerät, sondern auch eine besondere Neuheit, denn das 4S wurde mit Siri-Unterstützung ausgeliefert.
Die neue Sprachassistentin von Apple sollte die Bedienung des Smartphones verändern und einfache Fragen beantworten. In einer Pressemitteilung war damals die Rede von einem intelligenten Assistenten, "der dabei hilft, Dinge zu erledigen, indem man einfach danach fragt". Eine damalige Beispielfrage: "Werde ich dieses Wochenende einen Regenschirm benötigen?"
Das "S" stand für "Siri"
Dass man sich bei Apple wohl viel von Siri erhofft hat, zeigte schon die damalige Namensgebung des zu diesem Zeitpunkt neuesten iPhones. Der einstige Apple-Chef Tim Cook (65) philosophierte unter anderem laut "TechCrunch" auf einer Technologiekonferenz im Mai 2012 über die Namensgebung von Apple-Geräten. Dabei verriet er, dass das "S" beim iPhone 4S tatsächlich für "Siri" stand.
Cook hatte den schwer erkrankten Steve Jobs (1955-2011) im Jahr 2011 erst vertreten und war wenige Wochen vor dem Tod des Apple-Mitgründers fest zum neuen Konzernboss aufgestiegen. Das iPhone 4S wurde einen Tag vor dem Tod von Jobs enthüllt. Es war eines der ersten großen Produkte unter der Führung Cooks, unter dem in den folgenden Jahren etwa auch die Apple Watch und die AirPods veröffentlicht wurden. Außerdem brachte er Abo-Dienste wie Apple TV und Apple Music mit an den Start. In diesem Jahr wurde Cook von John Ternus (51) abgelöst.
Von den einfachen Anfängen bis...
2011 war es für Apple-Fans eine kleine Sensation, mit ihrem Smartphone sprechen zu können und eine hoffentlich passende Antwort zu erhalten. Siri stellte etwa den Wecker auf Kommando oder legte Erinnerungen an. Dabei konnte die Sprachassistentin einfache Zusammenhänge verstehen. Aus heutiger Sicht waren die Möglichkeiten allerdings überschaubar. Komplexere Fragen oder Aufgaben brachten Siri bald an ihre Grenzen.
Siri war aber nicht die einzige Sprachassistentin auf dem Markt und Amazons Alexa oder der Google Assistant schienen ihr später den Rang abzulaufen. In den folgenden Jahren wurde die Helferin allerdings kontinuierlich weiterentwickelt. Die Assistentin hielt unter anderem auch auf der Apple Watch und Smart Speakern wie dem HomePod Einzug. Damit konnte sie beispielsweise auch im Zuhause von Userinnen und Usern kompatible Smart-Home-Geräte steuern oder auf Zuruf ein bestimmtes Lied abspielen.
15 Jahre später kann Siri weit mehr als damals und steht dank des Aufkommens Künstlicher Intelligenz (KI) vor dem nächsten großen Schritt. Apple stellte im Sommer 2024 neue KI-Funktionen unter dem Namen "Apple Intelligence" vor, Siri sei damit jetzt "tiefer in die Systemfunktionen integriert", hieß es in einer Mitteilung. Dazu gehörte auch die Möglichkeit, mit Siri auf ChatGPT zurückzugreifen, um komplexere Fragen zu beantworten.
Im Jahr 2026 hat Apple schließlich die neue Generation namens "Siri AI" vorgestellt. Die KI-Siri soll etwa natürlichere Gespräche ermöglichen und längst vergessene Fotos oder E-Mails finden, die schon vor Jahren geknipst wurden beziehungsweise eingegangen sind.
Keine Siri AI in Deutschland?
Allerdings gibt es für Nutzerinnen und Nutzer aus Deutschland und der gesamten EU einen Haken: In der Europäischen Union wird Siri AI zunächst nicht für iOS-, iPadOS- und watchOS-Geräte verfügbar sein - also nicht für iPhones, Tablets und Smartwatches von Apple. Außerdem gibt es Siri AI bislang nur auf Englisch.
Hintergrund sind von der EU-Kommission überwachte Regelungen. Der Digital Markets Act (DMA) sieht Apple als sogenannten Gatekeeper. Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sollen mit dem Gesetz "große Plattformunternehmen (sog. Gatekeeper) klaren und strengen Regeln" unterworfen werden. Für Apple bedeuten die Vorgaben, auch den Einsatz anderer KI-Assistenten auf dem iPhone zu ermöglichen.
Die Regelungen gehen allerdings gegen die Vorstellung in Cupertino. Im Juni wurde mitgeteilt, dass Siri AI in der Europäischen Union nicht mit der Veröffentlichung von iOS 27 und iPadOS 27 auf den Markt gebracht werde. Vorschläge von Apple, "mit denen Siri AI in der EU eingeführt und gleichzeitig andere virtuelle Assistenten sicher unterstützt werden sollten", habe man bei den zuständigen Behörden nicht akzeptiert. Da die Apple Watch für Siri AI ein gekoppeltes iPhone benötigt, haben auch Watch-Nutzerinnen und -Nutzer zunächst keinen Zugriff. Kompatible Macs und die Vision-Pro-Brille sind nicht betroffen.
Der Darstellung Apples widersprach die Kommission kurz darauf deutlich. Die Entscheidung, Siri AI nicht in der EU einzuführen, liege "allein bei Apple und nur bei Apple", hieß es. Nichts in dem Gesetz verbiete dem Unternehmen, "neue Produkte in der EU auf den Markt zu bringen. Was Apple jedoch genau wie jedem anderen 'Gatekeeper' nicht gestattet ist, ist, den Markt abzuschotten. Es steht ihnen nicht zu, zu entscheiden, wer in Europa innovativ sein darf. Und es steht ihnen nicht zu, auszuwählen, welche KI-Tools unsere EU-Bürger nutzen dürfen und welche nicht."
15 Jahre nach ihrem Debüt hat sich Siri damit vom vergleichsweise einfachen Sprachhelfer zu einem zunehmend leistungsfähigen KI-Assistenten entwickelt. Bis sämtliche neuen Möglichkeiten auch auf deutschen iPhones ankommen, müssen sich Nutzerinnen und Nutzer allerdings noch gedulden.
(wue/spot)


