Zum 65. Geburtstag: Auslands-Chefkorrespondentin Antonia Rados über ihre Arbeit in Krisengebieten

15. Juni 2018 - 13:24 Uhr

Antonia Rados wird 65 - spannende und auch traurige Momente liegen als Journalistin hinter ihr

Ihr erster Einsatz war 1980. Bürgerkrieg im Libanon, Beirut. Die Auslands-Chefkorrespondentin von RTL und ntv Antonia Rados sollte ein Interview mit PLO-Chef Jassir Arafat machen. "Ich tauchte da auf, ohne irgendeine Ahnung. Falsch vorbereitet, falsch gekleidet. Hochhackige Schuhe, hellblaues Leinenkostüm." Aber das Interview mit Arafat klappte. "Da habe ich mir dann gedacht: Naja, so schwierig ist es auch nicht." Jetzt, 38 Jahre später, ist Rados immer noch Kriegs- und Krisenreporterin. Am Freitag (15. Juni) wird sie 65. Ausschnitte aus ihrer Karriere sehen Sie im Video!

So wurde Antonia Rados zu dem, was sie heute ist

Doch ihr Geburtstag bedeutet Antonia Rados nicht viel. Eigentlich wollte die gebürtige Österreicherin schon damals Auslandskorrespondentin werden, doch vor 40 Jahren sei es noch unvorstellbar gewesen, eine Frau aus Washington oder Paris berichten zu lassen, erzählt sie. "Damals wurde man noch als 'Mädel' bezeichnet." Ihre einzige Möglichkeit, wenigstens vorübergehend aus dem Ausland zu berichten: Sie musste Gegenden bereisen, die anderen zu gefährlich waren.

Und dabei hat sie etwas festgestellt: Rados ist überzeugt, dass Frauen anders über den Krieg berichten als Männer. "Sie berichten nicht so sehr über den Krieg selbst, sondern über die Folgen. Soldaten sind etwas extrem Fremdes für sie. Frauen sind nicht fasziniert von Waffensystemen. Ich erlebe es immer wieder, dass männliche Kollegen dann zu fachsimpeln beginnen. Oder dass sie in uniformartigen Verkleidungen herumlaufen. Frauen machen das nicht."

Antonia Rados über ihre "schlimmste Erfahrung"

Häufig hat Rados aus islamischen Ländern berichtet. "Man wird dort als westliche Frau zu einem Ehren-Mann erhoben. Das habe ich gerade noch im Jemen erlebt. Man wird dann zum Essen eingeladen wie ein Mann. Andererseits darf man aber auch die Frauen befragen. Das ist ein großer Vorteil."

Viele Tragödien hat sie im Laufe der Jahre hautnah miterlebt, im Irak, in Syrien, im Jemen. "Für mich war das Schlimmste vor einigen Jahren, als ich über eine junge Frau in Afghanistan berichtete, die sich selbst angezündet hatte. Aus Verzweiflung über eine Zwangsehe. Diese Frau erwartete Hilfe von uns, aber ich konnte diese Hilfe nicht leisten. Ich wusste, dass sie sterben würde, der Arzt hatte mir das gesagt. Das hat mir Alpträume bereitet." Immer wieder denkt sie: "Ich kann doch nichts tun. Oder nur sehr wenig tun."

"Für Krisenreporter gibt es kein Rentenalter" - Antonia Rados privat

Seit mehr als 30 Jahren lebt Antonia Rados in Paris. Ihr Partner ist Franzose. "Das ist eine andere Welt." Das gelte völlig unabhängig davon, wo man lebe: Paris, Düsseldorf, irgendein kleiner Ort, egal. Der Kontrast sei das Leben im Krieg und im Frieden. Beides müsse man strikt getrennt halten. Ihre französischen Freunde und Freundinnen wissen teilweise gar nicht, was sie beruflich macht. Wenn sie losfährt, nimmt sie nur sehr wenig mit: einen kleinen Rucksack, darin eine Taschenlampe, ein paar Blusen, Nivea, etwas zu lesen und Schokolade. Es ist die Neugier, die sie immer wieder raustreibt. "Afghanistan und den Iran habe ich vor 30 Jahren zum ersten Mal besucht, und noch immer stehen diese Länder im Mittelpunkt des Interesses. Ich will einfach wissen: Wie sieht es dort jetzt aus? Was sagen die Menschen?" Antonia Rados ist sich sicher: "Für Krisenreporter gibt es kein Rentenalter."