Ein Zug kam aus München

Schweres Zugunglück in Tschechien - 3 Tote, mindestens 40 Verletzte

05. August 2021 - 9:39 Uhr

Tschechien: Zwei Personenzüge zusammengestoßen - 2 Tote, viele Verletzte

Ein aus München kommender Expresszug ist in Tschechien mit einem Personenzug zusammengestoßen. Drei Menschen sind nach Angaben der tschechischen Polizei bei dem Unglück ums Leben gekommen. Mehr als 40 Menschen seien verletzt worden, etwa ein Dutzend von ihnen seien in einem kritischen Zustand. Dutzende Rettungskräfte sind vor Ort.

Zug-Unfall nahe der Grenze zu Bayern

Zwei Menschen seien bei dem Unglück ums Leben gekommen.
Zwei Menschen seien bei dem Unglück ums Leben gekommen.
© HZS Plzenskeho kraje

Der Expresszug München-Prag habe nach ersten Erkenntnissen gegen 8 Uhr bei Domazlice (Taus) nahe der deutschen Grenze ein Haltesignal überfahren. Er sei dann mit dem Nahverkehrszug, einem sogenannten RegioShark, kollidiert. Letzterer verkehrt auf der Strecke Pilsen (Plzen)-Domazlice. TV-Bildern zufolge waren beide Lokomotiven zerstört, aber beide Züge standen noch.

Drei Menschen sind nach Angaben der Rettungskräfte ums Leben gekommen, das bestätigte die tschechische Polizei am Mittag. Darunter seien die beiden Lokführer, beide tschechische Staatsangehörige, sowie eine Frau aus dem Regionaltriebwagen.

Zehn Menschen seien mit schweren bis lebensgefährlichen Verletzungen in tschechische Krankenhäuser gebracht worden, sagte eine Sprecherin des Rettungsdienstes. Mehr als 30 Personen erlitten leichtere Verletzungen wie Schürfwunden und Prellungen.

Vier Deutsche beim Zugunglück in Tschechien verletzt

Auch aus Deutschland kam medizinische Hilfe. Vier Deutsche wurden zur weiteren Behandlung nach Bayern gebracht. Der tschechische Verkehrsminister Karel Havlicek eilte an die Unglücksstelle. "Die Situation ist ernst", sagte er im Fernsehen. Er lobte die Reaktion der Rettungskräfte, die schnell mit Dutzenden Helfern und vier Rettungshubschraubern vor Ort gewesen seien.

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Expresszug aus München habe ein Haltesignal missachtet

Bilder machten die Wucht des Aufpralls deutlich. Die Führerstände der Lokomotive und des Triebwagens wurden völlig zerstört und tief eingedrückt. Nach ersten Erkenntnissen habe der Expresszug München-Prag zunächst ein Langsamfahrt- und dann ein Haltesignal missachtet, erläuterte Havlicek. Er sei dann auf der eingleisigen Strecke mit dem entgegenkommenden Triebwagenzug kollidiert. Der sogenannte Regioshark war auf dem Weg von der Industriestadt Pilsen (Plzen) nach Domazlice an der deutschen Grenze.

Tschechische Eisenbahninspektion hat Ermittlungen aufgenommen

Die tschechische Eisenbahninspektion hat Ermittlungen aufgenommen, die Monate in Anspruch nehmen dürften. Zu dem Zusammenstoß kam es bei dem Dorf Milavce zwischen den Stationen Blizejov und Domazlice. Viele der Fahrgäste standen unter Schock und mussten psychologisch betreut werden. Sie kamen vorübergehend in einem Gemeindehaus unter, bevor ihre Weiterreise organisiert werden konnte.

Immer wieder Zugunfälle in Tschechien

Der Expresszug München-Prag habe nach ersten Erkenntnissen bei Domazlice (Taus) nahe der deutschen Grenze ein Haltesignal überfahren.
Der Expresszug München-Prag habe nach ersten Erkenntnissen bei Domazlice (Taus) nahe der deutschen Grenze ein Haltesignal überfahren.
© HZS Plzenskeho kraje

Auf tschechischen Eisenbahnstrecken kommt es immer wieder zu Unfällen. Die Sicherungstechnik gilt vielerorts als veraltet. Erst vor einem Jahr waren im Erzgebirge nahe der deutschen Grenze zwei Züge frontal zusammengestoßen. Dabei waren zwei Menschen gestorben, darunter ein Deutscher.

Die Regierung in Prag hatte daraufhin ein Modernisierungsprogramm für die Signaltechnik angekündigt. Das moderne europäische Zugsicherungssystem ETCS ist bisher erst auf rund 200 Kilometern des Streckennetzes installiert. Bis 2025 soll es zumindest auf allen Hauptkorridorstrecken vorhanden sein.

Der Sachschaden geht nach ersten Schätzungen in die Millionen. Die Strecke muss voraussichtlich längere Zeit gesperrt bleiben. Seit Jahren wird über einen Ausbau der Bahnverbindung zwischen München und Prag gesprochen. Derzeit beträgt die Fahrzeit zwischen den beiden Städten, die nur knapp 300 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt sind, noch fast sechs Stunden. (dpa/mor)

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