Von Lauda bis Schumacher

Zehn Unfälle mit "Schutzengeln"

30. November 2020 - 16:33 Uhr

Romain Grosjean überlebte seinen schweren Unfall in Bahrain am Sonntag mit leichten Verletzungen, der Franzose sprang dem Tod noch einmal von der Schippe. Während auch große Fahrer wie Ayrton Senna, Jochen Rindt oder Jim Clark ihr Leben im Formel-1-Auto ließen, konnten andere Piloten auf ihren "Schutzengel" vertrauen. RTL.de gibt einen Überblick über zehn schwere Unfälle, die ein glückliches Ende hatten.

1. Laudas Feuerunfall auf der Nordschleife

Grosjeans Feuerball von Bahrain weckte Erinnerungen an einen der schlimmsten und prägendsten Unfälle in der Historie der Formel 1. 1976 verunglückte der damalige Weltmeister Niki Lauda auf der Nordschleife des Nürburgrings schwer. Sein Ferrari ging nach einem Abflug vor dem Streckenabschnitt Bergwerk in Flammen auf.

Lauda zog sich schwere Verbrennungen zu, gravierend waren aber vor allem seine Lungenschäden durch das Einatmen von Rauchgas. Doch Lauda erholte sich und gab nur 42 Tage nach dem Unfall sein Comeback. Zwar musste er den Titel im letzten Saisonrennen in Japan an den Briten James Hunt abtreten, doch 1977 und 1984 folgten zwei weitere WM-Triumphe.

2. Ascari stürzt ins Hafenbecken von Monaco

Die Häuserschluchten im Fürstentum Monaco hatten schon immer etwas Besonderes an sich, in den frühen Tagen der Formel 1 war die Hatz durch die engen Straßen besonders herausfordernd. Im Jahr 1955 lag der Italiener Alberto Ascari nach einigen glücklichen Umständen beim Großen Preis von Monaco in Führung, als er bei der Ausfahrt aus dem Tunnel die Kontrolle über seinen Lancia verlor und ins Hafenbecken stürzte. Doch Ascari, der 1952 und 1953 Weltmeister geworden war, konnte sich selbst aus dem Wrack befreien und wurde kurz darauf von einem Taucher geborgen.

Das Leben des abergläubischen Italieners sollte aber nur vier Tage länger dauern. Bei einem spontanen Testeinsatz in Monza, den er ohne seinen in Monaco beschädigten Glückshelm bestritt, verunglückte Ascari schwer und starb noch am Unfallort.

3. Kubicas Horrorcrash in Montreal

Robert Kubica crasht in Kanada 2007 spektakulär.
Robert Kubica crasht in Kanada 2007 spektakulär.
© Imago Sportfotodienst

Der BMW des Polen Robert Kubica war nur noch ein Haufen Schrott, die Wucht des Aufpralls ließ den Atem stocken. Beim Großen Preis von Kanada 2007 schlug Kubica nach einer Berührung mit dem Toyota des Italieners Jarno Trulli bei hoher Geschwindigkeit in die Begrenzungsmauer ein, das Auto wurde völlig zerstört, in der Spitze wirkten Kräfte von 75 G auf den Polen. Doch Kubica blieb nahezu unverletzt, ein Jahr später feierte er an selber Stelle seinen einzigen Formel-1-Sieg.

4. Der Beinbruch des Michael Schumacher

Michael Schumacher landete in Slverstone 1999 hart in den Reifenbarrieren.
Michael Schumacher landete in Slverstone 1999 hart in den Reifenbarrieren.
© Imago Sportfotodienst

In seiner Rennfahrer-Karriere blieb Michael Schumacher von schweren Unfällen verschont, bis auf eine Ausnahme: Beim Großen Preis von Großbritannien 1999 in Silverstone raste Schumacher nach einem Bremsdefekt in der Aufwärmrunde nahezu ohne Verzögerung in die Reifenstapel, dabei brach er sich den rechten Unterschenkel. Der Traum vom ersten WM-Titel mit Ferrari war geplatzt, sechs Rennen verpasste der Kerpener. Für die letzten beiden Saisonrennen kehrte Schumacher zurück, konnte seinem Teamkollegen Eddie Irvine aber nicht zum Titelgewinn verhelfen. Diesen fuhr er selbst ein Jahr später ein und prägte fortan eine Ära.

5. Mediziner in Adelaide retten Häkkinen

Im Jahr 2000 entthronte Schumacher den Finnen Mika Häkkinen. Dass dieser zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch lebte, verdankte er gleich mehreren Schutzengeln und einem überragenden Medizinerteam in Adelaide. Im Qualifying zum Großen Preis von Australien 1995 verunfallte Häkkinen schwer, der McLaren-Pilot zog sich eine Schädelfraktur und innere Blutungen zu, zudem blockierte seine Atmung. Das Rettungsteam an der Strecke handelte geistesgegenwärtig, Häkkinens Glück war außerdem, dass in unmittelbarer Nähe der Strecke ein Krankenhaus war. Zwei Monate blieb er in stationärer Behandlung, beim Saisonauftakt 1996 war er wieder am Start.

6. Barrichello überlebt das schwarze Wochenende

Jenes Wochenende im Jahr 1994 in Imola ging als schwarze Stunde in die Geschichte der Formel 1 ein. Brasiliens Nationalheld Ayrton Senna starb am Rennsonntag, einen Tag zuvor ließ der Österreicher Roland Ratzenberger sein Leben. Dass es nicht drei Todesopfer zu beklagen gab, glich einem Wunder. Schon im ersten Training verunglückte Rubens Barrichello schwer, als er beim Durchfahren einer schnellen Schikane die Kontrolle verlor und mit hoher Geschwindigkeit in die Reifenstapel flog. Nur die schnelle Hilfe um Formel-1-Arzt Sid Watkins rettete dem damaligen Jordan-Piloten das Leben.

7. Wendlinger nach Monaco-Unfall lange im Koma

Nur zwei Wochen später beklagte die Formel 1 den nächsten schweren Unfall. Im Training zum Großen Preis von Monaco verlor Sauber-Pilot Karl Wendlinger nach der Ausfahrt aus dem Tunnel die Kontrolle über seinen Boliden und schlug seitwärts in die Streckenbegrenzung ein. Der Österreicher wurde in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht und lag wochenlang im Koma. Wendlinger bestritt in jenem Jahr kein Rennen mehr, beim Saisonauftakt 1995 gab er sein Comeback.

8. Massa und die Feder von Budapest

Aufhängefeder
Diese Art der Aufhängefeder bohrte sich in den Helm von Felipe Massa.
© Imago Sportfotodienst

Jener Unfall beim Großen Preis von Ungarn 2009 brachte die Debatte über einen Cockpitschutz in der Formel 1 erstmals ins Rollen. Ferrari-Pilot Felipe Massa wurde im Qualifying von einer etwa 800 Gramm schweren Aufhängefeder des vorausfahrenden Rubens Barrichello am Helm getroffen, bewusstlos knallte Massa in die Reifenstapel. Der Einschlag selbst blieb ohne gravierende Folgen, doch die Gesichtsverletzungen durch die Feder waren für kurze Zeit sogar lebensbedrohlich. Nach einer Not-OP fiel Massa für den Rest der Saison aus.

9. Grosjean verfehlt Alonso nur um Zentimeter

Romain Grosjean fliegt in Spa über Fernando Alonso im Ferrari.
Romain Grosjean fliegt in Spa über Fernando Alonso im Ferrari.
© Imago Sportfotodienst

Beim Großen Preis von Belgien 2012 fehlten nur Zentimeter zu einer Tragödie. Nach dem Start kam es zu einer Kollision zwischen Romain Grosjean und Lewis Hamilton, es folgte eine Kettenreaktion, an deren Ende Grosjean nur noch als Passagier über den Ferrari von Fernando Alonso flog. Dabei verfehlte Grosjeans Lotus Alonsos Helm nur um Haaresbreite.

10. Alonso fliegt - und beruhigt auch seine Mama

Kletterte noch aus dem völlig zerstörten Wagen: Fernando Alonso
Kletterte noch aus dem völlig zerstörten Wagen: Fernando Alonso
© Imago Sportfotodienst

Ein missglücktes Überholmanöver sorgte beim Saisonauftakt 2016 für einen Schock. Beim Großen Preis von Australien in Melbourne kollidiert Fernando Alonso bei voller Geschwindigkeit mit dem Haas des Mexikaners Esteban Gutierrez. Der McLaren des Spaniers überschlägt sich mehrfach und wird völlig zerstört, Alonso kann das Wrack aber aus eigener Kraft verlassen. "Ich wusste, meine Mama schaut zu Hause vorm Fernseher zu. Da wollte ich schnell aussteigen", sagte Alonso kurz nach dem Crash cool. Dennoch musste er ein Rennen aussetzen.

SID/rtl.de