Tödliche Fallen für Meerestiere

WWF fordert: Bergung von Geisternetzen sollte staatliche Aufgabe sein

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1. Oktober 2019 - 8:23 Uhr

Bis zu 50 Prozent des Kunststoffmülls in den Meeren sind Geisternetze

Herrenlose Fischernetze, die sogenannten Geisternetze, machen nach Schätzungen zwischen 10 und 50 Prozent des gesamten Kunststoffmülls in den Weltmeeren aus. Nach Ansicht der Umweltschutzorganisation WWF sollte die Bergung dieser Netze zur staatlichen Aufgabe werden. Gelder aus dem Europäischen Fischereifonds oder der Fischereiabgabe ließen sich zur Finanzierung nutzen, regte der WWF am Montag bei einer Fachtagung in Sassnitz auf Rügen an.

Hunderttausende Tiere verenden jedes Jahr qualvoll

"Hauptsächlich durch Spenden finanziert haben wir ein Erfolgsmodell zur Geisternetzbergung bis zur Serienreife erarbeitet und erprobt", sagte Heike Vesper, Leiterin des Meeresschutzes beim WWF.

Seit den 1960er Jahren werden Fischernetze nicht mehr aus Naturstoffen, sondern aus synthetischen Materialien wie Polypropylen, Polyethylen und Nylon hergestellt. Im Meer lösen sich Plastikfasern aus den Netzen und verstärken die Mikroplastik-Belastung der Meere. Zudem verfangen sich jedes Jahr hunderttausende Tiere wie Robben, Delfine, Wale, Schildkröten, Vögel und unzählige Fische in den Netzen. Gerade in der Dunkelheit sind die Geisternetze für die Tiere unsichtbar - und sind sie einmal in ihnen gefangen, droht ihnen meist ein qualvoller Tod.

Bis zu 10.000 Netze jährlich alleine in der Ostsee

verweste Schildkröte
Diese Schildkröte, die sich in einem Geisternetz verfangen hatte, ist längst verwest.
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Allein in Europa landeten nach Schätzungen jährlich rund 25.000 Fischernetze beziehungsweise Teile davon in den Meeren, davon bis zu 10.000 in der Ostsee, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). Die Politik müsse die Müllbeseitigung aus den Meeren auf EU- und Bundesebene vehementer angehen. Auch das Engagement der Bürger sei gefragt. Bisher würden den Behörden verlorene Netze nur vereinzelt gemeldet.

Fischer könnten zur Lösung des Problems beitragen, sagte WWF-Expertin Vesper. Wenn sie Altlasten und Netze bergen, müsse dafür die passende Hafeninfrastruktur und ein Entsorgungsweg geschaffen werden. "Ideal wäre eine Sammeltour durch die norddeutschen Häfen mit einer zentralen Aufbereitungs- beziehungsweise Verwertungsanlage."

Quelle: DPA/ RTL.de