Tiere tragen seit Jahrzehnten ähnliche Viren in sich

Woher kommt das Coronavirus? Forscher rekonstruieren Ursprung

Die Fähigkeit, an der menschlichen Zelle anzudocken, ist eines der älteren genetisch bedingten Merkmale vieler verschiedener Coronaviren.
© imago images/Science Photo Library

07. August 2020 - 10:55 Uhr

Die Evolutionsgeschichte des Coronavirus

Stammt es nun aus dem Forschungslabor, kam es über die Fledermaus oder ist doch das Schuppentier schuld? Über den Ursprung von Sars-CoV-2 wird nach wie vor gerätselt. Forscher schauten sich nun Gene an und rekonstruieren die Evolutionsgeschichte des Virus. Dabei entdeckten sie verwandte Viren, die ebenfalls potenzielle Krankmacher sind.

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Artverwandte Viren gab es schon vor 70 Jahren

Wo das Coronavirus ursprünglich herkommt und wie es sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat, ist auch wichtig, um es zu stoppen. Forscher aus den USA, Belgien, China und Großbritannien sahen sich die Gene von Sars-CoV-2 an und stellten fest, dass es sich um stark rekombinantes Material handelt. Das bedeutet: Verschiedene Regionen des Erbgutes von Sars-CoV-2 wurden aus verschiedenen Quellen zusammengesetzt. Diese Tatsache machte es dem internationalen Forscherteam besonders schwer, die Ursprünge des Covid-19-Auslösers zu rekonstruieren.

Die Forscher nahmen sich nun Abschnitt für Abschnitt dieser genetischen Regionen zur Untersuchung vor und begannen, die evolutionäre Herkunft nachzuvollziehen. Dabei konnten die Forscher feststellen, dass es neben Sars-CoV-2 eine Reihe anderer artverwandter Viren gibt, die sich in Fledermäusen und Schuppentieren entwickelt haben. Diese Viren, zu denen auch Sars-CoV-2 gehört, wurden vor 40 bis 70 Jahren von anderen Fledermausviren getrennt.

Bindungsfähigkeit macht Viren so gefährlich

Die größte genetische Ähnlichkeit zwischen Sars-CoV-2 bestand zu einem anderen Coronavirus, das bereits 2013 in einer Fledermaus entdeckt wurde. Das Tier stammte aus der chinesischen Provinz Yunnan. Laut dem im Fachjournal "Nature Microbiology" veröffentlichten Bericht lag die genetische Übereinstimmung zwischen den beiden Viren bei 96 Prozent. Gleichzeitig fanden die Forscher aber auch heraus, dass sich die beiden Viren seit mindestens 1969 in zwei unterschiedlichen Linien weiterentwickelt haben.

Sars-CoV-2 teilt mit vielen anderen Verwandten die Bindungsfähigkeit an der Oberfläche menschlicher Zellen. Diese Fähigkeit ist den Forschern zufolge eines der älteren genetischen Merkmale. Es ist auch die Fähigkeit, die diese Viren zu Krankheitserregern für Menschen macht. Die Forscher wissen, dass Viren, die mit Sars-CoV-2 verwandt sind, derzeit beispielsweise in Hufeisenfledermäusen, die in China leben, zirkulieren. Der nächste Schritt bestünde nun darin, aufgrund der Ergebnisse, die Viren ausfindig zu machen, die Menschen ebenfalls leicht infizieren können, so die Forscher in ihrer Ausführung.

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