Wirrwarr um Inzidenzwert

Hamburg unter 100 - doch RKI-Wert zählt nicht

Hamburg nutzt eine andere Messlatte, wenn es um die Corona-Notbremse geht.
Hamburg nutzt eine andere Messlatte, wenn es um die Corona-Notbremse geht.
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30. April 2021 - 9:54 Uhr

Wie wird eigentlich gerechnet?

Eigentlich hätte die Metropole an der Elbe Grund zum Feiern: Seit Mittwoch liegt der Sieben-Tage-Inzidenzwert in Hamburg laut Robert Koch-Institut (RKI) unter 100, am Freitag sogar aktuell auf "nur" 93,3 (letzte Aktualisierung 3:11 Uhr). Jetzt könnte die Hansestadt eigentlich Öffnungsschritte und Lockerungen in Betracht ziehen – tut sie aber nicht. Warum?

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Große Unterschiede beim Sieben-Tage-Inzidenzwert

Traut der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) etwa den Zahlen vom RKI nicht? Fest steht: Das RKI rechnet anders als die Gesundheitsbehörde in Hamburg: Zum Vergleich: Der aktuellste Sieben-Tage-Inzidenzwert, den die Hamburger Behörde ausweist, beträgt 109,3 (letzte Aktualisierung Donnerstag). Das RKI hatte dagegen am gleichen Tag für Hamburg einen Wert von 88 veröffentlicht. Aber welcher Wert "stimmt" denn nun?

Hamburg wertet aktuellere Zahlen aus

Hamburg weist genauere und aktuellere Zahlen als das RKI aus. Auch das RKI selbst geht davon aus, dass es den tatsächlichen Wert um 10 bis 15 Prozent unterschätzt. Die Zahlen gleichen sich im Verlauf an, das RKI korrigiert die Sieben-Tage Inzidenzen für die zurückliegenden Wochen regelmäßig deutlich nach oben.

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Wie kommt es zu den Unterschieden?

Es ist üblich, dass in den Fällen, die täglich gemeldet werden, auch Fälle enthalten sind, die schon in den davor liegenden Tagen aufgetreten sind. Hamburg berücksichtigt in seinem Sieben-Tage-Wert auch diese, das heißt, Hamburg legt die echte Differenz zu Grunde. Es ist bei den Abläufen in den Gesundheitsämtern üblich, dass im Nachhinein Werte hinzukommen.

Eine weitere Erklärung der Stadt beruht auf den unterschiedlichen Datenständen. Hamburg meldet jeweils von 9 bis 9 Uhr, das RKI von 0 bis 24 Uhr. Das Institut für Hygiene und Umwelt (HU) in Hamburg veröffentlicht die Inzidenzdaten bereits also etwa einen Tag vorher als das RKI.

RKI geht von anderer Einwohnerzahl aus

Der Berechnung der Inzidenz liegen die Einwohnerzahlen Hamburgs gemäß Melderegister zugrunde. Diese liegt bei 1.899.160 (Stand 31. Dezember 2019). Das RKI rechnet mit einer Bevölkerungszahl von 1.841.179 und bezieht sich auf die Fortschreibung zum 31. Dezember 2018 auf Basis des Zensus 2011.

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Hamburg bleibt bei eigener Messlatte

Hamburg hatte Mitte März die sogenannte Corona-Notbremse gezogen, nachdem die Inzidenz über 100 gestiegen war, und unter anderem eine nächtliche Ausgangsbeschränkung verhängt. Als Messlatte - auch für mögliche Lockerungen der Corona-Einschränkungen - hält sich der rot-grüne Senat an den von der Gesundheitsbehörde errechneten, höheren Inzidenzwert.

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