"Wir sind erschüttert": Lehrer (46) belästigt Schülerin und darf sie wochenlang weiter unterrichten

Sex auf der Klassenfahrt?

Es sind schwere Vorwürfe, für die sich Jörg W. vor Gericht verantworten muss: Der 46-jährige Lehrer soll an einem Gymnasium in Gräfenhainichen (Sachsen-Anhalt) eine 14-jährige Schülerin sexuell belästigt haben. Die Eltern meldeten das bei der Schule, doch W. unterrichtete ihre Tochter noch wochenlang weiter. Von der Schule flog er erst, als sich im Juni 2016 eine weitere Schülerin meldete: W. soll auf einer Klassenfahrt Sex mit ihr gehabt haben.

"Wir sind aus allen Wolken gefallen"

Nachts um halb eins schrieb der Biologielehrer der 14-Jährigen über WhatsApp. "Nerve ich dich, wenn ich dir Komplimente mache?", "Schönes Foto von dir." Das überforderte Mädchen wendete sich an eine Lehrerin, die informierte sofort die Eltern. "Wir haben uns dann das Handy zeigen lassen und sind erschüttert, schockiert gewesen", erzählen Brit und Klaus S., die zum Schutz ihrer Tochter anonym bleiben möchten. "Wir sind aus allen Wolken gefallen. Unsere Tochter hat natürlich geweint. War total bitterlich erschüttert, dass das gelaufen ist mit diesen Whatsapp-Nachrichten."

Sie werfen der Schule vor, den Fall unter den Teppich kehren zu wollen. Der Lehrer wurde nicht etwa suspendiert, er durfte ihre Tochter noch wochenlang weiter unterrichten. Schockierend: Offenbar waren die Neigungen von Jörg W. kein Geheimnis. "Als wir das dann im Umfeld mit verschiedenen Personen besprochen haben und erzählt haben, dass es um DEN Lehrer geht, wurde immer wieder gesagt: 'Na, das weiß doch jeder. Das war doch früher schon.' Also es muss schon immer irgendwelche Situationen gegeben haben", erzählen die Eltern.

"Deswegen werden wir niemanden an der Schule schuldig sprechen"

Die Familie überlegte, wie sie ihre Tochter schützen kann und schaltet das Landesschulamt ein. Doch in dem Termin trauen Brit und Klaus S. ihren Ohren kaum. "Das Gespräch vor Ort ist tatsächlich so gewesen, dass man gesagt hat: 'Okay, es ist jetzt passiert, kann vielleicht auch noch mal passieren. Müssen wir halt sehen, dass wir in Zukunft dagegen arbeiten. Deswegen werden wir niemanden an der Schule schuldig sprechen'", resümiert Brit S.

Erst als sich eine Schülerin (17) meldet und sagt, Jörg W. habe auf einer Klassenfahrt Sex mit ihr gehabt, fliegt er von der Schule. Mittlerweile soll er allerdings an einer anderen Schule weiter unterrichten dürfen. Brit und Klaus S. hoffen, dass ihm das nach dem Prozess endgültig verboten wird.

Im vergangenen Jahr machte ein Fall aus Wetzlar Schlagzeilen. Dort hatte ein Lehrer Schüler per Chat aufgefordert, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen und Bilder davon zu machen. 2015 hatte ein Gericht einem Lehrer nach Sex-Mails an eine Schülerin den Beamtenstatus entzogen.