Welt-Frühgeborenen-Tag: Versorgungsvorgaben für Frühchen müssen überdacht werden

17. November 2018 - 15:20 Uhr

Welt-Frühgeborenen-Tag am 17. November

Am 17. November ist weltweiter Frühchentag. Dabei brauchen die ganz Kleinen natürlich rund um die Uhr ganz besondere Aufmerksamkeit. Im Krankenhausalltag ist die jedoch nicht so gegeben, wie eigentlich vorgesehen. Experten fordern deshalb, dass die Betreuungsvorgaben gelockert werden.

11.051 Frühchen wiegen unter 1.500 Gramm

ARCHIV - 11.08.2017, Niedersachsen, Hannover: In der Hand einer Pflegekraft liegt der rechte Fuß eines fünf Tage alten und bei der Geburt 430 Gramm wiegenden Jungen in der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Frühchen sind die gr
Dieser kleine Mensch wog bei der Geburt 430 Gramm.
© dpa, Holger Hollemann, hoh fdt

Babys, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, gelten als Frühchen. Über 66.000 der winzigen Frühankömmlinge erblickten 2017 alleine in Deutschland das Licht der Welt. Rund ein Sechstel dieser Frühchen hat ein Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm und muss deshalb in einem spezialisierten Krankenhaus, einem sogenannten Perinatalzentrum, entbunden und betreut werden.

Eigentlich müssen zwei Fachkräfte rund um die Uhr verfügbar sein

ARCHIV - 17.11.2017, Nordrhein-Westfalen, Hamm: Auf der Frühchenstation im Evangelischen Krankenhaus in Hamm (Nordrhein-Westfalen), liegt am 17.11.2017 in einem Inkubator die 4 Wochen alte Marie, die in der 29. Schwangerschaftswoche mit 830 Gramm geb
Dieses Kind kam in der 29. Schwangerschaftswoche zur Welt.
© dpa, Guido Kirchner, gki

Eine Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hat für die Versorgung von Frühchen einen Personalschlüssel festgelegt, nach dem rund um die Uhr für jedes frühgeborene Baby unter 1.500 Gramm eine Gesundheits- und eine Kinderkrankenpflegekraft zur Verfügung stehen müssen. Dies sei einer Meldung des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes e.V. (DEKV) im Klinikalltag jedoch nur schwer umzusetzen. Grund seien Personalschwankungen durch Krankheitsfälle, Urlaub und Notfälle sowie der angespannte Arbeitsmarkt für Pflegekräfte.

Bürokratische Vorgaben erschweren die Betreuung

"Evangelische Krankenhäuser können dringend notwendiges Pflegepersonal nur schwer finden", erklärt Christoph Radbruch, Vorsitzender des DEKV. "Als Folge müssen Betten abgemeldet und werdende Mütter immer häufiger abgewiesen werden." Doch das ist nicht die einzige Herausforderung, die der strenge Personalschlüssel mit sich bringt. "Heute muss jedes Perinatalzentrum tagesaktuell Abweichungen vom Betreuungsschlüssel melden. Wertvolle Betreuungszeit für die Frühchen und ihre Familien wird deshalb einer aufwendigen Dokumentation geopfert", gibt Radbruch zu bedenken.

Daher sollen die Vorgaben des G-BA neu diskutiert werden. Radbruch sieht vor allem zwei Lösungswege: "Flexiblere, an der Situation des regionalen Arbeitsmarktes orientierte Personalschlüssel und der Abbau der Bürokratie bei Abweichungen vom Personalschlüssel." Eine wöchentliche Meldung von Durchschnittswerten sei ihm zufolge eine ausreichende Alternative zur täglichen Dokumentation.