Für die Schönheit spielte sie unwissentlich mit dem Leben

Wegen ihrer Gesichtscreme: Fünffache Mutter liegt seit Monaten im Koma

© iStockphoto

12. September 2019 - 15:00 Uhr

Alles begann mit einer leichten Taubheit

Wer schön sein will, muss leiden. Diese Redewendung bekommt in diesem Fall einen sehr bitteren Beigeschmack. Eine fünffache Mutter klagt über Taubheit in Gesicht und Händen, kann plötzlich weder laufen noch sprechen. Wenig später fällt sie ins Koma. Der unglaubliche Grund: ihre Gesichtscreme.

Quecksilbersalze hemmen die Entstehung von körpereigenen Pigmenten

Seit Juli liegt die 47-jährige Frau aus Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien nun im Wachkoma. Für die Ärzte war schnell klar, dass Quecksilber der Grund für den lebensgefährlichen Zustand der Frau ist. Zwei Jahre lang cremte diese sich morgens und abends mit einer Creme das Gesicht ein, die sie mit dem giftigen Schwermetall hat anreichern lassen. Quecksilbersalze hemmen die Entstehung von körpereigenen Pigmenten und sorgen so für eine hellere Haut. Das hat jedoch oft schwere Nebenwirkungen wie in diesem Fall zur Folge. Es kommt zu Nierenschäden, Infektionen und oftmals zu Depressionen. Zudem steigt das Risiko an Hautkrebs zu erkranken um ein Vielfaches, da die Haut durch die Salze ihren UV-Schutz verliert.

Über zwei Jahre breitete sich das Gift langsam im Körper der Frau aus und verursachte zunächst harmlos wirkende Symptome wie eine leichte Taubheit in Lippen und Mund und Müdigkeit, wobei Letzteres eine Fünffachmutter kaum aufhorchen lässt. Irgendwann wurde es dann immer schlimmer, berichtet der Sohn der 47-Jährigen im Interview mit CBS. Seine Mutter sei nicht mehr in der Lage gewesen das Bett zu verlassen, geschweige denn zu laufen und landete schließlich im Krankenhaus. Seit mehreren Monaten befindet sie sich nun im Wachkoma. Ermittler fanden heraus, dass der Cremetiegel im Badezimmerschrank mit Methylquecksilber versetzt war - das jedoch in einer hochüberdosierten Form, die schwerste gesundheitliche Folgen mit sich bringt.

Die Creme kaufte seine Mutter bei einer Freundin, so der junge Mann. Ermittler untersuchen nun, ob diese absichtlich zu einer falschen Menge Quecksilber griff oder dieses versehentlich falsch dosierte.

Die Hautaufhellungsbranche boomt

Besonders in asiatischen und afrikanischen Ländern ist die vornehme Blässe so im Trend, dass die Hautaufhellungsindustrie dort geradezu boomt. Um die Haut zu bleichen, werden den Produkten oft gefährliche Stoffe wie Hydrochinon, Blei, Steroide und eben Quecksilber beigemischt. Verbraucherschützer raten daher, bei Aufenthalten in diesen Regionen seine Kosmetikprodukte entweder aus Deutschland mitzunehmen oder ausschließlich in Apotheken zu kaufen. In Deutschland muss man sich mittlerweile keine Sorgen mehr über Rückstände von Schwermetallen in Kosmetika machen. Von fast 300 amtlich getesteten Produkten wurde in Deutschland lediglich ein Lipgloss wegen verschreibungspflichtiger und verbotener Stoffe beanstandet.

Bereits im Mittelalter wurde unzähligen Frauen der Drang zur Schönheit zum Verhängnis. So schmierten sich die Damen zum Beispiel hochgiftiges Radium auf die Haut, um Falten vorzubeugen und cremten sich neben Quecksilber mit Arsen ein, um einen schönen, reinen Teint zu bekommen. Am Ende zahlten sie dafür nicht selten mit dem Leben.